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Schulleiter schlagen Alarm: So leichtfertig gefährden Eltern das Leben von Kindern auf dem Schulweg

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CHILDREN SCHOOL WAY
Schulleiter schlagen Alarm: So leichtfertig gefährden Eltern das Leben von Kindern auf dem Schulweg | Image Source via Getty Images
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  • Zahlreiche Eltern bringen in Berlin ihre Kinder mit dem Auto in die Schule
  • Das führt zu Verkehrschaos vor den Schulen, warnt nun eine Schulleiterin

Unsere Großeltern sind noch kilometerlange Wege zur Schule ins nächste Dorf gelaufen. Durch Wälder und über Wiesen und Schotter - und das Ganze alleine.

Viele Eltern heutzutage scheinen zu glauben: Der Wald war nicht im Ansatz so gefährlich wie der Großstadt-Dschungel. Und deshalb dürfen viele Kinder in Städten nicht mehr zu Fuß zur Schule gehen, schon gar nicht allein.

Ihre überfürsorglichen Eltern chauffieren sie nicht nur mit dem Auto direkt vors Schultor, sie geleiten sie auch noch direkt ins Klassenzimmer. Aus Ermangelung an Parkplätzen wird das Fahrzeug einfach irgendwo im Halteverbot abgestellt, ganz egal, ob es dabei Rettungswege blockiert oder nicht.

Vor diesem Helikoptereltern-Chaos vor den Schulen warnt nun eine Schulleiterin. "Seit Jahren“, schrieb Sabine Schirop, Berliner Schulleiterin einer Grundschule, in einer Pressemitteilung, ist "eine zunehmende Ignoranz gegenüber den Schülerlotsen" zu beobachten. Die Situation bezeichnet Schirop als "katastrophal".

Helikoptereltern drängeln und behindern

Ihre und eine weitere Grundschule haben deshalb ihre Schülerlotsen abgezogen. Drängelnde, ungeduldige Helikoptereltern wurden zur Gefahr für die Verkehrshelfer und die anderen Kinder. Das berichtet die Zeitung "Taz".

Mehr zum Thema: Hört endlich auf damit, alles perfekt machen zu wollen - denn das schadet nur euren Kindern

Auch der für Ordnungsangelegenheiten zuständige Stadtrat Stephan Machulik (SPD) kennt das Problem. Die Lage vor vielen Schulen sei vollkommen unübersichtlich, sagt Machulik der "Taz". Das neueste Phänomen, das er beobachtet: Die Eltern lassen die Kinder nicht nur kurz vor der Schule raus, sondern begleiten sie bis ins Klassenzimmer.

"Da werden absolute Parkverbote ignoriert und am Ende behindern sich da 20 Autos gegenseitig und gefährden auch noch die Kinder.“

"Kiss-and-go-Haltestellen"

Die Stadt ist nicht untätig. Neben Initiativen, die sich dafür einsetzen, die Kinder zu Fuß zur Schule zu bringen, gibt es auch direkte Maßnahmen vor den Schulen. Zum Beispiel "Kiss-and-go-Haltestellen". Dort können Eltern an extra eingerichteten Haltezonen ihre Kinder kurz rauslassen und dann wieder fahren.

Oder die "Elternhaltestellen". Dort können Eltern sogar kurz aussteigen, um ihr Kind bis ins Klassenzimmer zu bringen. Doch an dem Morgen, an dem die "Taz" vor Ort war, waren alle Haltestellen zugeparkt. Von den Fahrern der Autos weit und breit nichts in Sicht.

Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

(lp)