Warum Merkels Besuch bei Trump die Zukunft aller Deutschen betrifft

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Angela Merkel hat heute das vielleicht wichtigste Treffen ihrer Laufbahn als Kanzlerin | Ruben Sprich / Reuters
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  • Bundeskanzlerin Angela Merkel wird heute US-Präsident Donald Trump treffen
  • Für Merkel wird es darum gehen, einen Handelskrieg abzuwenden
  • Daher hat siedrei besondere Gäste auf ihre Reise mitgenommen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es eilig. Eigentlich sollte sie den US-Präsidenten Donald Trump erst später in diesem Jahr treffen. Doch sie drängte auf eine rasche Zusammenkunft.

Kein Wunder: Der heutige Termin mit Trump könnte der wichtigste in ihrer Laufbahn werden. Für Deutschland geht es um alles. Die Kanzlerin muss einen Handelskrieg mit den USA abwenden.

Um etwa 16.30 Uhr deutscher Zeit wird die Bundeskanzlerin im Weißen Haus empfangen werden. Um 18:20 Uhr wollen der Präsident und die Kanzlerin eine gemeinsame Pressekonferenz geben. Es wird spannend, was auf dieser Konferenz verkündet wird.

Das Hauptthema bei diesem Treffen wird die Wirtschaft sein. Trump wird Merkel sicherlich das große Ungleichgewicht in der Handelsbilanz zwischen den USA und Deutschland vorwerfen. Die Deutschen exportieren weit mehr Waren über den Atlantik, als sie umgekehrt importieren.

Trump bereitete das Treffen mit Drohungen vor

Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von rund 107 Milliarden Euro in die USA ausgeführt. Die Importe aus den Vereinigten Staaten beliefen sich dagegen nur auf knapp 58 Milliarden Euro. "Unfair", nennt Trump das.

Der US-Präsident legt den Finger auf die Hauptschlagader der deutschen Wirtschaft: Die ist völlig abhängig von Exporten in die USA. Die Vereinigten Staaten importieren mehr deutsche Waren als Großbritannien, Frankreich und China zusammen.

Trump hat dieses Treffen auf seine Weise vorbereitet - mit wüsten Anschuldigungen und Drohungen, die er in den Medien streute. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung drohte er Strafzölle für deutsche Produkte an.

Drei Chefs sollen zeigen, wie Deutschland für US-Arbeitsplätze sorgt

"Wenn sie in Mexiko eine Fabrik bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen", sagt er.

Die Deutschen haben verstanden. Merkel soll das Treffen wochenlang minutiös vorbereitet haben. Wie der "Spiegel" meldete, sollen die Chefs von BMW und Siemens, Harald Krüger und Joe Kaeser, mit ihr reisen.

Mit dabei ist auch der Chef des Autozulieferers Schaeffler, Klaus Rosenfeld. Die Unternehmer sollen offenbar dabei helfen, mit dem Geschäftsmann Trump eine gemeinsame Basis für Gespräche zu finden.

Die drei Chefs sind nach Angaben der "Süddeutschen" sorgfältig ausgewählt. BMW-Chef Krüger soll Trump davon überzeugen, dass sein Unternehmen direkt und indirekt für 70.000 Arbeitsplätze in den USA sorgt, davon allein 9.000 Jobs allein im BMW-Werk in Spartanburg in South Carolina. Dazu Tausende Arbeitsplätze bei Zulieferern - wie dem deutschen Unternehmen Schaeffler, das ebenfalls in den Vereinigten Staaten produziert. Die drei Bosse sollen zeigen: Wir investieren bereits massiv in den USA – und sorgen für Arbeitsplätze.

Auszubildende sollen für "positive Atmosphäre" sorgen

Dabei sein sollen auch junge deutsche Auszubildende, die Werbung für die duale Berufsausbildung machen sollen. Sie sollen erklären, was Berufsschulen, Berufsakademien und Fachhochschulen sind. "Es besteht die große Hoffnung, über ein positiv belegtes Thema wie Ausbildung für junge Menschen Anschluss zu finden", heißt es aus Industriekreisen gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

Denn auch Trumps ultrarechter Einflüsterer, Stephen Bannon, soll an dem Treffen teilnehmen und könnte für eine konfrontative Stimmung sorgen. Insbesondere das geplante BMW-Werk in Mexiko könnte zum Streitpunkt werden.

BMW-Chef Krüger denkt nämlich gar nicht daran, die Pläne aufzugeben, wie er der "Bild am Sonntag" mitteilte. Stattdessen will er die Produktion verlagern, sollten die USA tatsächlich Strafzölle einführen. Das Werk soll 2019 eröffnen.

Was Merkel und Trump um 18.20 Uhr verkünden werden, wird alle Deutschen betreffen. Freunde wie Gegner sollten ihr die Daumen drücken.

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(lp)

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