Journalist erklärt bei "Lanz", warum die Niederlande-Wahl für Martin Schulz ein düsteres Omen ist

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Journalist erklärt bei "Lanz", warum die Niederlande-Wahl für Martin Schulz ein "Massaker" war | ZDF
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  • "Welt"-Journalist Schümer erklärt, was die Niederlande-Wahl für die deutschen Sozialdemokraten bedeutet
  • Martin Schulz hatte die Abstimmung zuvor als zukunftsweisend bezeichnet
  • Wenn das stimmt, könne Schulz "im Herbst Stempeln gehen", so Schümer

Europa schaut auf die Niederlande. Dort wurde am Mittwoch nach einem hitzigen Wahlkampf ein neues Parlament gewählt.

Die Überraschung: Der Rechte Geert Wilders büßte im Vergleich zu früheren Umfragen massiv an Stimmen ein. Stattdessen jubelte Premier Mark Rutte, dessen Partei VVD zur stärksten Kraft wurde.

Im ZDF-Talk "Markus Lanz“ erklärte "Welt“-Journalist Dirk Schümer, was die Wahl für nie Niederlande, aber auch für Deutschland bedeuten kann.

Denn: Besonders für die Sozialdemokraten sei die Wahl eine historische Niederlage, die auch den deutschen SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz betreffe.

"Ein Massaker, wie es es noch nie gegeben hat"

Schümer erklärte, er könne nicht verstehen, dass CDU-Kanzleramtschef Peter Altmaier und SPD-Politiker Martin Schulz die Wahl als Erfolg bezeichneten.

Der Journalist sagte: "In Wirklichkeit liegt die Schwesterpartei der CDU bei ungefähr 13 Prozent und für die Sozialdemokraten hat es ein Massaker gegeben, wie es es in der niederländischen Geschichte noch nie gegeben hat.“

Die Sozialdemokraten sind bei der Wahl auf ein Viertel ihrer bisherigen Mandate zurückgefallen: Neun Sitze konnte die PvdA erobern - 29 haben sie verloren.

"Dann kann Schulz im Herbst Stempeln gehen"

"Ich meine, wenn Herr Schulz sagt, das ist eine Zukunftswahl für Europa, dann kann er Stempeln gehen im Herbst“, attackierte der Talkgast den SPD-Kandidaten, der in Deutschland von Umfrage-Hoch zu Umfrage-Hoch eilt.

Es sei "einfach sonderbar“ über das Ergebnis und die große Zersplitterung im Parlament erleichtert zu sein. Denn mehr noch: Der Rechtspopulist Geert Wilders habe "sogar ein bisschen gewonnen“.

Fünf Sitze konnte Wilders im Vergleich zur Wahl im Jahre 2012 hinzugewinnen. "Angesichts von Brexit und Trump“ seien viele Deutsche bereits froh, "wenn es nicht so schlimm kommt, wie befürchtet“, bemerkte Schümer vorwurfsvoll.

"Wilders tut mir leid"

Der Journalist analysierte dann die Person Wilders, die den Wahlkampf in den Niederlanden so polarisiert hatte: "Ich schätze den Mann so ein: Er lebt seit dreizehn Jahren unter heftigstem Personenschutz. Das ist wirklich schlimm für ihn, er kann zum Teil nur in Kasernen existieren, direkt von der Polizei überwacht werden.“

Es gebe konkrete und radikale Morddrohungen gegen Wilders, daher rühre sein Kampf gegen den Islam: "Privatabrechnung“, nannte Schümer seinen politischen Feldzug.

Seine Forderungen, den Koran und Moscheen zu verbieten, seien "eher auf eine Psychose zurückzuführen“.

Dennoch täte Wilders ihm "als Mensch“ leid, so der Politik-Experte. Wenn er sich vorstelle, dass der Rechtspopulist seit dreizehn Jahren nicht ohne Schutz sein Haus verlassen könne, sei das "natürlich ein Skandal, den man bei der ganzen Wilders-Beschimpfung mal im Hinterkopf haben sollte“.

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(bp)

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