Mediziner haben endlich das Rätsel um Mona Lisas Lächeln gelöst - mit einem einfachen Trick

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MONA LISA
Mediziner haben endlich das Rätsel um Mona Lisas Lächeln gelöst - mit einem einfachen Trick | Stuart Dee via Getty Images
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Kaum ein Gemälde ist so sagenumwoben wie die Mona Lisa von Leonardo da Vinci.

Täglich bestaunen tausende Besucher im Louvre in Paris das weltberühmte Kunstwerk. Besonders das sphinxenhafte Lächeln der Dame gab jahrhundertelang Rätsel auf - Freiburger Forscher wollen das Geheimnis jetzt gelöst haben.

Kunsthistoriker stellten immer wieder neue Theorien auf: Ist das Lächeln der Gattin des Seidenhändlers Francesco Bartolomeo di Zanobi del Giocondo fröhlich, traurig, verschlagen oder gar die Mimik einer Femme Fatale?

In ihrer Studie lösten die Forscher die Frage um Mona Lisas

Die Freiburger Forschungsgruppe "Wahrnehmung und Kognition" des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) ist sich nun sicher, darauf die richtige Antwort gefunden zu haben.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg führten sie eine Studie, die im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlicht wurde.

Zunächst erzeugten die Experten acht verschiedene Varianten der Mona Lisa, bei der sie die Krümmung ihrer Mundwinkel anhoben beziehungsweise senkten. So entstand eine Bandbreite von Emotionen von traurig über neutral bis fröhlich.

Jeweils vier Bilder in traurigerer und fröhlicherer Version sowie das Original legten die Forscher anschließend einigen Testpersonen vor.

Probanden sollten Gesichtsausdrücke einordnen

Sie bewerteten per Mausklick, als wie fröhlich oder traurig sie ein Bild wahrnahmen und wie sicher sie sich bei dieser Einschätzung waren.

Tatsächlich wurde das Original in nahezu 100 Prozent der Fälle als eindeutig fröhlich wahrgenommen. Zudem erkannten die Probanden offensichtlich fröhliche Gesichtsausdrücke schneller aus traurige.

Der Leiter der Studie, Jürgen Kornmeier, sagte in der Pressemitteilung der Universitätsklinik Freiburg: “Es scheint, als hätten wir einen Filter für positive Gesichtsausdrücke in unserem Gehirn."

Denselben Probanden zeigten die Forscher nun sieben weitere Bildvarianten des Gemäldes. Das Originalbild war in dieser Versuchsrunde der fröhlichste Gesichtsausdruck und wurde zwischen leicht abgestuften Varianten mit geringerer Mundkrümmung vorgelegt.

Wie wir einen Gesichtsausdruck wahrnehmen, hängt von unserer Umgebung ab

Verblüffenderweise stellten die Forscher nun fest: Die Probanden nahmen auch die Bilder, die sie bereits in der vorherigen Runde gesehen hatten, nun als trauriger wahr.

"Die Daten zeigen, dass unsere Wahrnehmung, etwa ob ein Gesicht traurig oder fröhlich ist, nicht absolut ist, sondern sich erstaunlich schnell an die Umwelt anpasst", sagte Kornmeier.

Damit ergibt sich folgende Rechnung: Je negativer Gesichtsausdrücke um uns herum sind, desto eher empfinden wir freundliche Gesichtsausdrücke als fröhlich. Befinden sich jedoch viele fröhliche Menschen in unserer Umgebung, kann ein neutraler Gesichtsausdruck schnell traurig oder unzufrieden wirken.

Was die Mona Lisa angeht, so bleibt das Ergebnis aber eindeutig: Die geheimnisvolle Schöne wird von ihrem Betrachter als fröhlich empfunden.

Diese scheinbar profane Erkenntnis ändert jedoch nichts an der Faszination, die “La Gioconda” bis heute auf so viele Menschen ausübt. Mögen sich Forscher und Kunsthistoriker auch noch so viel über ihren Gesichtsausdruck streiten: Sie lächelt einfach siegesgewiss weiter.

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(lk)