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15/03/2017 09:36 CET | Aktualisiert 15/03/2017 10:18 CET

Alle Welt blickt auf Geert Wilders - und übersieht den eigentlichen Star der niederländischen Wahlen

JOHN THYS via Getty Images
Alle Welt blickt auf Geert Wilders - und übersieht Jesse Klaver

  • Bei den Wahlen in den Niederlanden blickt alle Welt auf den Rechtspopulisten Geert Wilders

  • Dabei stellt die Erfolgsgeschichte des Grünen-Politikers Jesse Klaver ihn in den Schatten

Wenn die Menschen in den Niederlanden am Mittwoch ein neues Parlament wählen, sind alle Augen auf den Rechtspopulisten Geert Wilders gerichtet. Zu Unrecht. Denn sie übersehen dabei einen Politiker, dessen rasanter Aufstieg alle anderen Kandidaten blass aussehen lässt.

Der junge Grünen-Politiker Jesse Klaver hat seine Partei aus ihrem Umfragetief befreit. Von vier Parlamentssitzen bei der Wahl 2012 wird Klaver seine GroenLinks-Partei (GrünLinks) laut neuesten Umfragen auf 14 bis 20 Plätze katapultieren.

Politik-Experten in den Niederlanden trauen ihm sogar zu, der nächste Premierminister einer linken Regierung zu werden.

Der 30-Jährige zeigt nicht nur, wie man mit einem Rechtspopulisten wie Wilders umgehen kann. Er könnte auch ein Vorbild für die deutschen Grünen sein.

Der Anti-Wilders

Die Medien betiteln Klaver als den “Anti-Wilders”. Er ist jung, der Sohn eines marokkanischen Vaters und einer Mutter mit indonesischen Wurzeln - die übrigens Wilders Mutter auch hat. Er sieht mit seinen Locken ein wenig aus wie der kanadische Premierminister Justin Trudeau.

Wie der Kanadier versteht es Klaver, sich in den sozialen Netzwerken zu inszenieren. Auf seinem Instagram-Account sieht man den zweifachen Vater mit seinen Kindern oder entspannt auf dem Rad. Eine Vermarktung, die gerade bei jungen Wählern zu funktionieren scheint.

Außerdem verkörpert Klaver Hoffnung. “Wir sind die andere Seite, die zeigt, dass du auch mit einer Geschichte über Hoffnung und Optimismus die Menschen zusammenbringen kannst. Ohne Hass und ohne Zwietracht”, zitiert die “Tagesschau” den Niederländer.

Treue zu seinen Prinzipien

Was macht Klaver so attraktiv? Er steht für seine Prinzipien ein. Im zersplitterten Parteienfeld der Niederlande möchte er im Falle einer Regierungsbeteiligung keine faulen Kompromisse eingehen.

“Ich werde meine Prinzipien nicht aufgeben. Ich will sichergehen, dass wir eine gerechtere Gesellschaft haben, ich will gegen Ungleichheit kämpfen”, sagte Klaver der britischen Tageszeitung “The Guardian”.

Soziale Gerechtigkeit ist ein großes Thema des Niederländers. Und damit fährt er offenbar ähnlich erfolgreich wie der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hierzulande.

Andere große Themen für Klavers GroenLinks-Partei sind: der Ausstieg aus der Kohleenergie und der Aufbau von Windkraftanlagen in der Nordsee. Und: eine offene Gesellschaft. Die jeden gleich behandelt, unabhängig von seiner Herkunft.

Vorbild für die deutschen Grünen?

Sein Programm löst also genau das ein, was der Name seiner Partei verspricht: grün und links. Es könnte auch ein Erfolgsrezept für die schwächelnde Grünen in Deutschland sein.

In den Umfragen ging es für die Partei um Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt zuletzt meist nach unten. Klaver macht jedoch vor: Ein modernes grünes Programm gemischt mit linken Themen funktioniert.

Wenn sich die Grünen nicht mehr mit Kleinigkeiten aufhalten würden, wie dem "Veggie-Day" oder einem "Autofasten", sondern die großen Themen wie soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Integration angingen - dann könnten sie die Menschen wieder ansprechen. Genau dazu hatte den Grünen kürzlich die “Süddeutsche Zeitung” geraten.

Einen statt spalten

Klaver zeigt aber auch, wie mit Rechtspopulisten umzugehen ist. Dem “Guardian” sagte Klaver, er versuche stets gemäßigt auf die rassistischen Kommentare von Geert Wilders zu reagieren. Wilders hetzt als fremdenfeindliche One-Man-Show gegen Ausländer und vor allem den Islam.

Klaver dagegen will nicht spalten. Mit seinem Programm setzt er ein Zeichen, die Gesellschaft wieder zu einen. Ein Wort geistert dabei immer wieder durch seinen Wahlkampf: Veränderung.

In einem Wahlkampfspot sind Bilder des US-Präsidenten Donald Trump zu sehen, es folgen einstürzende Eismassen und ein grinsender Geert Wilders. Dann kommen die Worte: “Wenn wir jetzt nichts tun, dann verändert sich auch nichts.”

Die Botschaft an seine Wähler ist also klar, jetzt müssen sie ihm am Mittwoch nur noch folgen. Aber auch wenn es für Klaver am Ende nicht zur stärksten Kraft reichen sollte - seine Erfolgsgeschichte zeigt, dass ein islamophober Hetzer wie Wilders einen Wahlkampf nicht dominieren muss.

Auch wenn er noch so laut schreit.

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(ks)

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