Audi A5 Cabrio: Detaillierter Fortschritt

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Das neue A5 Cabrio bietet eine Reihe technischer Neuheiten

Würde Perfektion erreicht, würde sie ja Stillstand bedeuten. Für die Audi-Entwickler unvorstellbar, obwohl sie bei der Präsentation neuer Modelle schon ein wenig so tun, als gäbe es kein besseres Auto. Nicht einmal von Audi. Genug der philosophischen Betrachtung. Das neue Audi A5 Cabriolet verfügt zwar über viele technologische Besonderheiten, die Audi-Fans schon aus anderen Baureihen kennen. Aber Cabrios haben nun mal ganz spezielle Eigenschaften, die weit über die Möglichkeit unendlicher Kopffreiheit hinausgehen.

Um diese 150 Millionen Kilometer Freiraum bis zur Sonne zu genießen, haben wir uns ins andalusische Cádiz aufgemacht und einen wettermäßigen Volltreffer gelandet - Sonne pur. Fast hätten wir dabei vergessen, das Stoffverdeck zu schließen, das sich nunmehr mit einem kurzen Zug am Verdeck-Schalter öffnen und schließen lässt. Also kein Festhalten des Schalters mehr, bis das Dach in der gewünschten Endposition angekommen ist. Dies wurde bisher zwar als störend, aber gleichwohl als notwendige Selbstverständlichkeit hingenommen. Aber alles nach Verbesserungsmöglichkeiten zu hinterfragen, macht eben den wahren Ingenieur aus.

In diesem Nachschlagewerk gibt es tolle Bilder zu Audi-Prototypen

Das Verdeck öffnet sich in 15 Sekunden

Offen fahren und telefonieren? Hatten wir uns nicht damit abgefunden, dass man bei offenem Verdeck auf eine telefonische Verbindung mittels Freisprecheinrichtung verzichten muss, langsamer zu fahren hat oder zum Freisprechen gar den Straßenrand aufsuchen muss? Schnee von gestern. Die in den vorderen Sicherheitsgurten eingebauten Mikrofone übertragen auch in normaler Lautstärke gesprochene Sätze rauschfrei an den Gesprächspartner oder an die Sprachsteuerung.

Apropos Geräuschkulisse, die auch mit geschlossenem Verdeck (zumal wenn es aus Stoff is), unangenehm laut und störend werden kann: "Akustikverdeck" heißt nun das Audi-Zauberwort, das hochgradig dämmend Lärm von draußen nahezu coupémäßig abhält. Dass sich das Dach bis zu 50 km/h in nur 15 Sekunden öffnen oder schließen lässt, verhindert hupende Hintermänner oder Hinterfrauen zum Beispiel an der Ampel, wo man früher nicht gleich losfahren konnte, wenn das Dach noch in Bewegung war. Verdeck-Bewegung bis zu 50 Stundenkilometer - das bedeutet, das Dach lässt sich im Stadtverkehr praktisch jederzeit öffnen oder schließen. Eine nicht zu unterschätzende Eigenschaft, die sich nicht nur bei einem plötzlichen Regenschauer oder überraschend einsetzender Hitzewelle als Komfort-Plus outet.

Dass im neuen A5 Cabrio Dank gewachsenem Radstand mehr Platz im Innenraum vorhanden ist, macht sich besonders im Schulterraum bemerkbar, der vorne um 26 Millimeter weiter geworden ist. Das klingt messtechnisch nicht bedeutend, die gefühlte Verbreiterung ist es aber unbedingt. Wichtiger aber erscheint uns der um fast zwei Zentimeter gewachsene Knieraum im Fond, was für Passagiere eine deutliche Zunahme der Langstreckentauglichkeit bedeutet. Klar, ein Cabriolet ist keine Großraum-Limousine, aber die hinten Sitzenden werden dies spätestens dankbar zu honorieren wissen, wenn sie dem Kindheitsalter entwachsen sind.

Das Design orientiert sich am A5 Coupé

Das Design des neuen Cabrios unterscheidet sich kaum vom A5 Coupé. Es wirkt nur noch schlanker und gestreckter, auch weil es fünf Zentimeter länger geworden ist. Es ist gut, dass sich Audi gegen ein Hardtop und für das Stoffverdeck entschieden hat. Das sieht nicht nur gut aus, sondern signalisiert unzweideutig ein echtes Cabrio. Die notwendige Steifigkeit wurde mit zusätzlichen und intelligent verknüpften Verstrebungen in der Karosserie erreicht, die zudem noch um 40 Prozent an Steifigkeit gewonnen hat. Das macht sich auch im agilen Fahrverhalten bemerkbar.

Wir waren sowohl mit dem 286-PS-Diesel als auch mit dem 218-PS-Selbstzünder unterwegs. Die Wucht des Drehmoments beider Treibsätze ist einfach beeindruckend. Ganz besonders im Hammer-Triebwerk mit 286 PS, in dem das maximale Drehmoment von 620 Newtonmeter schon bei quasi "Leerlaufdrehzahl" von 1.500 Umdrehungen zubeißt und über Ultra-quattro-Technologie auf die Straße donnert. Die beiden Super-Diesel sind natürlich Euro-6-sauber. Aber: Hier zeigt sich das Dilemma starker Diesel, die mit AdBlue zusatzbetankt werden wollen. Der 12-Liter-Harnstoff-Tank reicht nicht unbedingt bis zum nächsten Service. Je nach Fahrweise müssen zwischen ein und vier Prozent des verbrauchten Diesel-Kraftstoffs zusätzlich kalkuliert werden.

Der AdBlue-Tank sollte größer sein

Bei einem Preis von etwa 1,20 Euro pro Liter kein Thema, aber dennoch ein Handicap für die Wirtschaftlichkeit. Wer ständig Vollgas gibt, der kommt mit einer AdBlue-Füllung etwa 3000 Kilometer weit. Aber selbst 5000 Kilometer reichen halt nicht, die Inspektionsintervalle zu verbinden. Die Techniker arbeiten zwar an einem größeren AdBlue-Tank, aber so groß kann er kaum werden, dass er nur bei den Service-Intervallen aufgefüllt werden müsste. Auf jeden Fall muss er größer sein als zwölf Liter. Da zeigt sich: Der große und starke Diesel ist mit SCR-Reinigung nicht mehr mit Wirtschaftlichkeit zu argumentieren. Es ist sein ganz besonderer Drehmoment-Charakter, der ihn nach wie vor für Fahrspaß prädestiniert. Dafür können wir sicher sein, dass er die strengen amerikanischen Stickoxid-Grenzwerte mit Sicherheit auch auf jedem Highway einhält und grundsätzlich die CO2-Bilanz verbessert, weil er weniger davon ausstößt als ein gleichstarker Benziner. Und wer da meint, AdBlue nicht nachtanken zu müssen, der kann das machen. Nur sorgt die Elektronik dann dafür, dass der Motor nicht mehr anspringt.

Bis zu 30 Assistenten sorgen für Komfort und Sicherheit

Was da sonst noch ist? Natürlich ein Audi-Interieur in bester Material-Anmutung, das virtuelle Cockpit, das eigentlich überhaupt nicht virtuell ist, sondern dessen Anzeigen sehr anschaulich den Fahrer-Wünschen entsprechend angepasst werden können. Es macht Freude, die Kartennavigation direkt vor sich im hoch auflösenden Display zu sehen und zusätzlich über das verfügbare Headup-Display wichtige Hinweise in der Windschutzscheibe offeriert zu bekommen. Die bis zu 30 (!) Assistenzsysteme machen das Fahren nicht nur komfortabel, sondern vor allem sicherer.

Hervorzuheben verdient auf jeden Fall die "adaptive cruise control" (ACC) mit dem Stauassistenten. Der Fahrer kann sich praktisch bis zu 65 km/h im zähfließenden Verkehr entspannt darauf verlassen, dass die Elektronik für ihn bremst und wieder beschleunigt. Begeistert sind wir vom prädiktiven Effizienzassistenten, der auf Wunsch des Fahrers (er muss ihn aktivieren) sanft von selbst bremsend darauf achtet, dass Tempolimits eingehalten werden oder vor Kurven automatisch die Geschwindigkeit zurückgenommen wird. Allerdings hält sich das System exakt (oder sollten wir besser stur sagen) an die vorgegebenen Tempolimits, was oft dazu führt, als Verkehrsbremse aufzufallen. Man wundert sich dann, wie wenige Autofahrer sich an Tempolimits halten.

Fazit: Das neue A5 Cabrio ist die gelungene Weiterentwicklung der erfolgreichen Baureihe. Es bietet Motoren von 190 bis 354 PS und mit einer Basis-Preisspanne zwischen 37.800 und 67.800 Euro für jeden etwas, der seinen hohen Anspruch mit dem Wunsch nach Offenheit verbinden will. Dass dies kein billiges Vergnügen ist, muss man wissen. Preiswert, also im wahrsten Sinne des Wortes seinen Preis wert, ist dieses Cabrio aber alle mal.

Technische Daten A5 Cabriolet 3.0 TDI quattro S tronic: zweitüriges Cabriolet mit vier Sitzen, Länge: 4,67 Meter, Breite: 1,84 Meter, Höhe: 1,56 Meter, Radstand: 2,76 Meter, Leergewicht: 1.820 Kilogramm, Kofferraumvolumen: 380 Liter, Tankinhalt: 58 Liter/ AdBlue-Tank 12 Liter, Motor: V6-Diesel mit Turbolader, Hubraum 2967 ccm, Leistung: 218 PS bei 4.000 - 5.000 U/min, max. Drehmoment: 400 Newtonmeter bei 1.250 - 3.750 U/min, 0 - 100 km/h: 6,8 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 241 km/h, Norm-Verbrauch kombiniert: 5,2 Liter Diesel/100 km, CO2-Emission: 134 g/km, Preise jeweils ab: 37.800 Euro (2.0 TFSI Handschalter) bzw. 53.750 Euro 3.0 TDI quattro.

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