Ein Tweet der Linken-Politikerin Dagdelen zeigt das scheinheilige Verhältnis der Deutschen zur Türkei

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AKSAM
Ein Tweet der Linken-Politikerin Dagdelen zeigt das scheinheilige Verhältnis der Deutschen zur Türkei | Screenshot/Twitter
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  • Der Journalist Deniz Yücel sitzt seit einem Monat in einem türkischen Gefängnis
  • Nun beschuldigt ihn die Zeitung "Aksam", Terrorist zu sein
  • Der Inhaber der Zeitung baut gerade gemeinsam mit einem deutschen Rüstungskonzern eine Panzerfabrik in der Türkei

Seit einem Monat ist der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücelbereits in der Türkei in Haft. Der Vorwurf: Er soll Mitglied einer terroristischen Vereinigung sein, Daten missbraucht und Terrorpropaganda betrieben haben. Eigentlich ist Yücel Berichterstatter und Korrespondent für die deutsche Zeitung "Die Welt" - doch in der Türkei reicht es oft aus, journalistisch zu arbeiten, um im Gefängnis zu landen.

Auf dem Titelblatt der Dienstagsausgabe der Erdogan-treuen Tageszeitung “Aksam” wird Yücel nun ganz offen als Terrorist bezeichnet. Obwohl es bislang kein Gerichtsverfahren gab.

Die Linken-Politikerin Sevim Dagdelen hat das Titelblatt der Zeitung jetzt auf Twitter gepostet - mit einer pikanten Anmerkung:

“Titelseite Zeitung von E. Sancak: diffamiert Yücel als Terrorist. Sancak & Rheinmetall bauen Panzerfabrik in der Türkei. #Lynchkampagne #FreeDeniz”

In der Headline der “Aksam”-Ausgabe heißt es: “Hier sind die Machenschaften von Deniz”. In der Unterzeile steht: "Der Zeitung Aksam liegen alle terroristischen Verbindungen von Deniz Yücel vor, dessen Freilassung Merkel wiederholt gefordert hat.”

Darunter listet “Aksam” die “Terror-Aktivitäten” von Yücel auf. Auf dem Bild dazu ist der Journalist bei einem Interview mit PKK-Vize Cemil Bayik zu sehen. Das Interview erschien im August 2015 in der “Welt”.

Sancaks Firma baut mit Rheinmetall eine Panzerfabrik

Die Zeitung, die Yücel nun “Terror-Aktivitäten” vorwirft, gehört dem türkischen Unternehmer Ethem Sancak. Sancak gehört auch die Firma BMC. Und die baut gerade an einer Panzerfabrik in der Türkei - gemeinsam mit dem Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall.

Wie das Recherchezentrum “Correctiv” vergangene Woche berichtete, sucht Rheinmetall bereits Manager und Ingenieure für die Entwicklung und Produktion von Panzern an den Standorten Istanbul und Izmir.

Rheinmetall bestätigte "Correctiv“, dass man sich zu 40 Prozent an einem Joint Venture mit BMC und einer malaysischen Holding beteiligt hatte.

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"Geradezu verbrecherisch"

Dass ein deutscher Rüstungskonzern zum aktuellen Zeitpunkt in der Türkei eine Panzerfabrik baut, sorgt für scharfe Kritik. Ausgerechnet jetzt, da sich das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei fast minütlich verschlechtert, da Nazi-Vergleiche an der Tagesordnung sind, da ein deutscher Journalist im türkischen Gefängnis sitzt, weil er seinen Job gemacht hat - und da das demokratische System in der Türkei kurz davor ist, abgeschafft zu werden.

"Dass der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall gerade jetzt in die Panzerproduktion in der Türkei einsteigt, ist ein ungeheuerlicher Vorgang“, sagte Linkspolitikerin Dagdelen im Gespräch mit "Correctiv". Das Projekt sei "geradezu verbrecherisch".

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“Aksam” erklärt die Anschuldigungen gegen Yücel übrigens ganz simpel: Bereits das Sympathisieren mit Terroristen, zu denen die PKK gezählt wird, ist Terror-Propaganda. Und ein Gespräch, auch wenn es ein Interview im beruflichen Kontext ist, gilt bereits als Sympathiebekundung. So geht ein Land, dessen Regierung Nazi-Vergleiche inflationär benutzt, mit unliebsamer Berichterstattung um.

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(jg/sk)