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"Masernwelle": Alle deutschen Impfgegner sollten diese Zahl kennen

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MASERN
Ein an Masern erkranktes Baby zeigt, wie gefährlich diese Krankheit ist | iStock
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Es hat harmlos angefangen: Sieben Erkrankte im Jahr 2015, von einer gefährlichen Situation geschweige denn von einer Notlage konnte keine Rede sein.

Jetzt, eineinhalb Jahre später, ist die Lage eine völlig andere. Die Regierung von Rumänien spricht von einer bedrohlichen "Masernwelle". Seit Februar vergangenen Jahres erkrankten mehr als 3400 Menschen an der Infektionskrankheit. Seit September sind ihr 17 Kinder zum Opfer gefallen.

Das Gesundheitsministerium des Landes schlägt Alarm, ruft die Bevölkerung dringend dazu auf, sich impfen zu lassen. Denn: Keines der Opfer hatte laut Gesundheitsminister Florian Bodog Masernschutz erhalten.

“Was interessiert mich ein Land wie Rumänien?”, werdet ihr jetzt vermutlich denken. In diesem Fall lautet die klare Antwort: Was in dem EU-Land gerade passiert, muss jeden von uns sehr wohl interessieren.

Der Masernausbruch in Rumänien muss Deutschland eine Warnung sein

Denn: Der massive Anstieg an Masernerkrankungen zeigt, was auch Deutschland bald drohen könnte, wenn weiterhin so viele Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen.

Lediglich 80 Prozent der Rumänen erhalten laut Gesundheitsministerium die erste der zwei von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Impfdosen. Nur 50 Prozent lassen sich ein zweites Mal impfen.

Der geringe Impfanteil in der Bevölkerung machte eine derart besorgniserregende Verbreitung der Masern erst möglich.

Freilich: Noch ist die Lage in Deutschland nicht so bedrohlich wie in Rumänien. Das könnte sich aber schon bald ändern. Denn viele Eltern, die sich gegen eine Impfung bei ihren Kindern entscheiden, übersehen einen entscheidenden Punkt.

Nur wenn ein sehr hoher Prozentsatz der Bevölkerung - mindestens 90 Prozent - geimpft ist, kann eine Krankheit wie Masern wirkungsvoll bekämpft werden.

"Wenn Sie ihr eigenes Kind impfen, impfen Sie nicht nur Ihr Kind"

"In der Bevölkerung muss eine Immunität von 95 Prozent vorhanden sein, um lange Infektionsketten zu verhindern und einen Herdenschutz aufzubauen", sagte Dorothea Matysiak-Klose vom Robert Koch-Institut (RKI) dem Nachrichtenportal "Zeit Online".

Experten sprechen dabei von einer sogenannten Herdenimmunität.

"Wenn Sie ihr eigenes Kind impfen, impfen Sie nicht nur Ihr Kind. Der Schutz trägt zur Kontrolle der Krankheit in der gesamten Bevölkerung bei", sagte Elizabeth Edwards, Professorin für Kinderheilkunde und Direktorin des Vanderbilt Vaccine Research Program im US-Bundesstaat Tennessee, dazu vor einiger Zeit dem britischen “Guardian”.

Grund für den geringen Impfgrad der Bevölkerung in Rumänien sind Armut, mangelnder Zugang zu Gesundheitsvorsorge sowie Anti-Impf-Kampagnen religiöser Gruppen - alles Probleme, mit denen in Deutschland glücklicherweise nur die Allerwenigsten zu kämpfen haben.

Umso schlimmer ist es, dass Infektionskrankheiten sich dennoch massiv auszubreiten drohen. Krankheiten wie Masern und Röteln, die in Deutschland schon längst ausgerottet sein könnten - wenn Impfgegner nicht mit falschen Argumenten und abstrusen Lügen über angebliche Nebenwirkungen Angst unter Eltern schüren würden.

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RKI rechnet mit deutlichem Anstieg von Masern-Erkrankungen

Die Folgen ihrer Anti-Impf-Propaganda sind schon jetzt sichtbar. So rechnet das Berliner RKI für 2017 mit einem deutlich größeren Masern-Problem als im Vorjahr. “Wir befürchten, dass es in diesem Jahr wieder mehr Masernfälle geben wird”, sagte Matysiak-Klose der Deutschen Presse-Agentur.

“Masernfälle gibt es zurzeit zum Beispiel in Duisburg und Leipzig. Insgesamt erwarten wir leider, dass die Fallzahlen noch weiter steigen.” Bis zum ersten März wurden beim RKI bundesweit bereits 203 bestätigte Masern-Infektionen registriert. 2016 waren es insgesamt 326.

“Im Moment verbreiten sich Masern vor allem innerhalb von Familien. Aber auch Schulen sind betroffen”, sagte die RKI-Expertin.

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Grund dafür seien vor allem Impflücken bei Kleinkindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Nur wenn die Immunität in einer Region hoch sei, habe das Virus schlechte Chancen.

How Herd Immunity Works

Dieser gemeinsam erzeugte Schutz bewahre dann auch Menschen vor Ansteckung, die aus unterschiedlichen Gründen nicht oder noch nicht geimpft werden konnten.

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit

Schon seit langem herrscht Konsens darüber, dass Masern keine harmlose Kinderkrankheit sind. Die Infektion ist hochansteckend und schwächt das Immunsystem. In seltenen Fällen endet sie sogar tödlich.

Kleinkinder können erst ab neun Monaten immunisiert werden. Deshalb sind Impfungen oder eine durchgemachte Erkrankung vor einer Schwangerschaft wichtig.

Denn Schwangere, die selbst keinen Schutz gegen Masern haben, können ihn auch nicht weitergeben. Einer Studie zufolge ist nur jede zweite Frau zwischen 30 und 40 ausreichend gegen die Krankheit geschützt.

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Immunisierte Mütter sorgen hingegen in den ersten Monaten für einen Nestschutz bei ihren Babys. Während der Schwangerschaft darf nicht mehr gegen Masern geimpft werden.

“Gefährlich sind Masern vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern. Bei ihnen gibt es häufiger Komplikationen als bei Älteren”, sagte Matysiak-Klose.

Große Impflücken in Deutschland

Darüber hinaus bestehe eine erhöhte Gefahr einer schweren Gehirnerkrankung, die erst Jahre später zum Tragen kommt und tödlich endet. “Sie ist sehr selten. Aber das Risiko ist wahrscheinlich doch höher als man früher gedacht hat”, ergänzt die Impf-Expertin.

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Eine zweite Masern-Impfung sollte bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs erfolgen. Allerdings sind nach RKI-Angaben nur rund 70 Prozent der Zweijährigen in Deutschland auch zweimal geimpft. Wünschenswert wären 95 Prozent. Bis zum Schulbeginn holen Eltern die Immunisierung oft nach - nach Meinung der Experten zu spät.

Wie groß die Impflücken in Deutschland sind, zeigte sich zuletzt 2015. Mit über 2400 Masernfällen bundesweit war das ein Ausnahmejahr - der höchste Wert seit 2002. In Deutschland schwanken die Zahlen der Masernfälle sehr stark, so gab es 2004 nur 123 registrierte Erkrankungen.

Ein löchriger Impfschutz in der Bevölkerung wird auch sichtbar, wenn Masern aus anderen Ländern eingeschleppt werden. In einer ausreichend immunisierten Bevölkerung wäre eine große Ansteckungswelle nicht möglich.

Eltern sollen fehlenden Schutz nachholen

Nach RKI-Einschätzung wäre es bei dieser Lage sinnvoll, bei Kinderimpfungen den Masern-Status der Eltern gleich mit zu überprüfen - und Impfungen bei fehlendem Schutz nachzuholen.

Bei jungen Erwachsenen wäre es empfehlenswert, sie bei Arztbesuchen nach dem Masern-Impfstatus zu fragen und ebenfalls nachzuimpfen, zum Beispiel beim Frauenarzt.

Das Problem mit den heutigen Lücken liegt auch an alten Impfempfehlungen. Für die Jahrgänge 1973 bis 2001 war zum Beispiel nur eine Masern-Impfung vorgeschrieben. Die zweite sollte nach dem heutigen Wissensstand bei Menschen, die nach 1970 geboren sind, nachgeholt werden.

mit Material der dpa

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