Umstrittene "Anne Will"-Sendung: Wie Erdogans Sportminister die ARD hinters Licht führte

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  • Ein Auftritt des türkischen Sportministers bei "Anne Will" irritierte viele Zuschauer
  • Der wandte sich in Türkisch in seine Landsleute und warb für das geplante Präsidialsystem
  • Jetzt erklärte der Sender, wie es dazu kam
  • Im Video oben seht ihr, wie Kanzleramtsminister Altmaier auf den umstrittenen Auftritt des türkischen Ministers reagierte

Der Auftritt des türkischen Sportministers Akif Cagatay Kilic bei "Anne Will" sorgte bei vielen Zuschauern für Empörung. Kilic, der in Deutschland geboren ist und in der Türkei auf eine deutsche Schule ging, spricht perfekt Deutsch.

Trotzdem wechselte er in der Debatte mit Kanzleramtsminister Peter Altmaier zwischen Deutsch und Türkisch hin und her. Die türkischen Passagen wurden simultan von Dolmetschern übersetzt. Der Eindruck drängt sich auf, dass er ins Türkische wechselte, um bei seinen Landsleuten in Deutschland Werbung für das Präsidialsystem zu machen.

Erdogans Sportminister wiederholte Nazi-Vergleiche

Gegen Ende der Sendung hielt Kilic ganz offen ein Plädoyer für das geplante Präsidialsystem in der Türkei in türkischer Sprache.

Bei vielen Zuschauern drängte sich der Eindruck auf, dass er im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die Wahlkampfveranstaltungen nachholte, die dem türkischen Justizminister in Gaggenau und Köln verwehrt wurde.


Gegenüber "Focus Online" erklärte die ARD, wie es dazu kam.
Offenbar hatte der Sender einen ganz anderen Verlauf der Diskussion geplant.

"Die Absprache vor der Sendung zwischen der türkischen Regierung und der Redaktion lautete, dass Akif Cagatay Kilic in seiner Muttersprache antworten würde.“ Aus diesem Grund hätten auch zwei Simultandolmetscher bereitgestanden, erklärt Sprecher Ralf Pleßmann.

"Herr Kilic entschied sich dann während der Sendung spontan dazu, das Gespräch teilweise in deutscher Sprache zu führen." Damit gab er seinen Antworten auf türkisch dann ein viel größeres Gewicht - und genau in diesen Antworten warb er für Erdogans Präsidialsystem.

Kritik aus der CSU

"Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut", kommentierte der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer den Auftritt von Kilic bei Anne Will.

Einen ausländischen Politiker in einer deutschen Sendung in seiner Muttersprache sprechen zu lassen, könne er durchaus nachvollziehen, "wenn dieser Politiker kein Deutsch spreche", sagte der Innenpolitiker "Focus Online". "Doch im Fall von Kilic halte ich das für völlig überzogen. Diese Kritik muss sich die ARD schon gefallen lassen."

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