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Im TV-Duell wettert Wilders gegen Erdogan. Er weiß, dass der Türkei-Streit die Wahlen in den Niederlanden entscheiden wird

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WILDERS
Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders während der gestrigen Fernsehdebatte | PHIL NIJHUIS via Getty Images
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  • In den Niederlanden wird heute ein neues Parlament gewählt
  • Der Ausgang der Wahl könnte Auswirkungen auf ganz Europa haben
  • Entscheidendes Thema wird der diplomatische Streit mit der Türkei

TV-Auftritte des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders sind selten. Lieber verschanzt er sich in seinen Wohnungen, deren Adressen streng geheim sind, und ätzt in Tweets gegen die Regierung in Den Haag.

Doch gestern trat er wieder zur TV-Debatte an - nach Angaben der niederländischen Tageszeitung "De Telegraaf" mit einer kugelsicheren Weste unter dem Jackett. Er weiß, bei der heutigen Wahl in den Niederlanden geht es um viel. Nicht nur für die Holländer - sondern für alle Europäer.

Rund 13 Millionen Niederländer werden heute ein neues Parlament bestimmen. Die Abstimmung ist der Auftakt des europäischen Superwahljahres: Im April wählen die Franzosen ihren Präsidenten, im September finden in Deutschland die Bundestagswahlen statt. In beiden Ländern könnten rechtspopulistische Parteien bedeutende Siege erringen: in Frankreich der Front National, in Deutschland die AfD.

"Ihr habt zuviel an der Shisha gezogen"

Das Wahlergebnis für Geert Wilders PVV könnte daher Signalwirkung für ganz Europa haben. Der Rechtspopulist hatte einen entschiedenen Wahlkampf gegen Islam, Migration und die EU geführt - Themen, die in allen europäischen Ländern heftig diskutiert werden.

Kurz vor der Wahl wurden die Karten noch einmal neu gemischt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan veranstaltete einen diplomatischen Eklat um Wahlkampfauftritte türkischer Politiker in dem Land - und könnte so ungewollt die Wahl beeinflusst haben. In den letzten Tagen dominierte der diplomatische Konflikt mit der Türkei den Wahlkampf.

Mehr zum Thema: So schlachtet Geert Wilders den Türkei-Streit mit Erdogan für seinen Wahlkampf aus

So auch beim gestrigen TV-Duell. Wilders warf dem Sozialdemokraten Lodewijk Asscher von der Partij van de Arbeid (PvdA) vor, er würde in Immigrationsfragen nur "weiche Woodstock-Texte" von sich geben und habe "zuviel an der Shisha gezogen".

"Die Türken sind euer Gesindel"

"Sie haben getwittert, Aboutaleb hat interveniert", konterte der. Der PvdA-Bürgermeister von Rotterdam, Ahmed Aboutaleb, ließ die Polizei gegen türkische Demonstranten vorgehen. Er ist marokkanischer Abstammung und hat die doppelte Staatsbürgerschaft.

"Das ist euer Gesindel", entgegnete Wilders in Bezug auf die türkischen Einwanderer. Er behauptete, die Sozialdemokraten hätten die Migranten ins Land gebracht.

An den konservativen Ministerpräsidenten Mark Rutte gewandt sagte Wilders: "Ich habe euch davor gewarnt. Ich habe immer gesagt, Erdogan taugt nichts. Aber ihr habt mir nicht zugehört." Stattdessen hätte man Wilders aus der Partei geschmissen. Er war bis 2004 Mitglieder der konservativen VVD. Rutte reagierte auf die Vorwürfe recht gelassen.

Mehr zum Thema: Neue Rechte Welle: 11 Fakten über Geert Wilders, einen der gefährlichsten Politiker Europas

Wilders steht unter Druck. Paradoxerweise spielt der Konflikt mit Erdogans Türkei den etablierten Parteien in die Hände. Nach den letzten Umfragen von vier Instituten wird die Wilders-Partei sicher nicht die stärkste Partei werden. Nach den am Dienstagabend veröffentlichten Umfragen könnte sie auf nur noch rund 13 Prozent kommen.

Den Umfragen zufolge konnte die rechtsliberale Regierungspartei VVD ihren Vorsprung in den Umfragen deutlich ausbauen und liegt nun bei bis zu 20 Prozent. Die Partei von Premier Rutte profitierte vom diplomatischen Konflikt mit der Türkei der vergangenen Tage, analysierte das Forschungsinstitut I&O.

Allerdings lagen Umfrageinstitute bei anderen Schicksalswahlen wie dem Brexit-Referendum im vergangenen Juni oder der US-Präsidentenwahl im November wiederholt daneben.

Es wird spannend werden. Die ersten Wähler haben bereits ihre Stimmen abgegeben.

Mit Material der dpa

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