Experten verraten, warum zweite Ehen so viel häufiger geschieden werden als erste

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Zum zweiten - oder dritten - Mal heiraten ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven.

Die Intentionen mögen noch so gut sein - doch statistisch werden zweite Ehen weit häufiger geschieden als erste.

Woran liegt das? Wir haben mit Paartherapeuten und Psychologen darüber gesprochen, warum es Menschen, die nochmal heiraten, schwerer fällt zusammenzubleiben. Hier sind sieben Gründe:

1. Oft lassen sich Paare überstürzt auf eine neue Ehe ein

“Viele Paare lassen sich auf die neue Person ein, bevor die erste Ehe völlig vorbei ist. Das kann später zu Vertrauensproblemen führen, etwa wenn weiter Kontakt zu dem Ex-Partner besteht oder beim Umgang mit Social Media. Gesunde Grenzen und Privatsphäre sind in allen Beziehungen wichtig, in zweiten Ehen aber besonders.” - Kurt Smith, Männertherapeut

2. Die finanzielle Spannung ist meistens höher als in ersten Ehen

“In ersten Ehen wird erwartet, dass das Paar seine Finanzen teilt und sich gleichermaßen für sie verantwortlich fühlt. Weil viele Menschen schon älter sind, wenn sie das zweite Mal heiraten, bringen sie oft ein größeres und komplexeres Vermögen mit als sie es noch in der ersten Ehe hatten. Häufig sind sie nicht dazu bereit, ihre bisherigen Finanzpläne aufzugeben und dem neuen Partner anzupassen.

Es kommt unweigerlich die Frage auf, wie die Finanzen nun aufgeteilt werden und wie mit Vermögen umzugehen ist, das vor der derzeitigen Ehe entstanden ist. Geld ist ohnehin schon eines der Themen, über das Paare am häufigsten streiten. Aufgrund der komplexeren finanziellen Situation bekommen sich Paare in einer zweiten Ehe noch häufiger wegen Geld in die Haare. Nicht selten führt das zur Scheidung.” - Aaron Anderson, Ehe- und Familientherapeut aus Denver, Colorado

3. Die Ehepartner verzichten auf voreheliche Beratung

“Auch, wenn sie schon mal verheiratet waren, sollten Paare eine voreheliche Beratung in Erwägung ziehen. Ein guter Therapeut oder Religionsvertreter stellt die Fragen, die beantwortet sein sollten, bevor jemand eine Ehe eingeht - auch die Fragen, an die Paare vielleicht nicht gedacht haben oder die sie vermeiden anzusprechen. Die Ehe startet auf einer sichereren Basis, wenn das Paar einen unabhängigen Rat in Anspruch nimmt.” - Tina B. Tessina, Psychotherapeutin und Autorin des Buches “How To Be A Couple And Still Be Free”

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4. Zweite Ehen sind einfacher aufzugeben

“Ein Grund, der Paare dazu bewegt, ihre ehelichen Probleme zu lösen oder mit ihnen klarzukommen, ist: Sie wollen nicht den Horror durchleben, ihre Familie auseinanderreißen und gemeinsame Besitztümer aufteilen zu müssen. Paare, die keine gemeinsamen Kinder haben und auch kein nennenswertes Vermögen teilen, haben einen geringeren Anreiz, um die Ehe zu kämpfen.

Und wenn ein Stiefvater oder eine Stiefmutter ohnehin nie eine enge Beziehung zu den Stiefkindern aufgebaut hat, ist das Schuldgefühl deutlich kleiner, wenn die Familie wieder auseinandergeht. Oft ist die Trennung dann sogar eher eine Erleichterung für alle Beteiligten. Eine Scheidung erscheint dann lange nicht mehr so furchteinflößend wie beim ersten Mal. Es ist jetzt ein Übel, das man schon kennt: Wenn du es schon einmal erlebt hast, weißt du, dass du es noch einmal durchstehen kannst.” - Virgina Gilbert, Ehe- und Familientherapeutin aus Los Angeles

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5. Die Erwartungen von Ehe und Familie sind höher

“Ob es die unerwarteten Komplikationen sind, die eine neu zusammengekommene Familie mit sich bringt, oder die Enttäuschung, dass die neue Ehe ebenfalls hinter den eigenen Vorstellungen einer glücklichen Partnerschaft zurückbleibt - die Erwartungen von Ehe und Familie sind nach der zweiten Heirat noch höher.

Um es noch komplizierter zu machen: Viele Menschen versuchen in der zweiten Ehe mit aller Macht, die unüberbrückbaren Probleme aus der ersten Partnerschaft zu umgehen, nur um dann festzustellen, dass sie in veränderter Form auch in der zweiten auftauchen. Die Erwartungen sind oft unverhältnismäßig hoch und dieser Last kann die Verbindung oft nicht standhalten.” - Alicia H. Clark, Psychologin aus Washington, D.C.

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6. Die meisten Menschen bringen Ballast mit in die zweite Ehe

“In den meisten Fällen bringen beide Partner Überbleibsel aus früheren Beziehungen mit. Nur wer die eigene Geschichte reflektieren kann und aus vorangegangenen Beziehungen lernt, verhindert, dass er frühere Fehler wiederholt. Über die Vergangenheit zu sprechen, hilft, sich gegenseitig zu verstehen und Schuldgefühle, Angst und Eifersucht aus früheren Beziehungen hinter sich zu lassen.

So erkennen Paare auch, in welchen Dingen sie ähnlich sind und was sie unterscheidet, welche Träume und Hoffnungen sie haben. Paare, die verstehen, was in der Vergangenheit falsch lief, können neue Probleme erkennen, bevor sie dieselben Fehler wieder machen.” - Tina B. Tessina

7. Zwei Familien gleichzeitig zu managen, ist extrem schwierig

“Wenn Menschen heiraten, malen sie sich all die Liebe und Romantik aus, die sie gemeinsam als glücklich verheiratetes Paar teilen werden. Doch die meisten Paare in einer zweiten Ehe bringen auch Kinder mit - was bedeutet, dass zu der romantischen Zweisamkeit die praktische Herausforderung kommt, von nun an nicht mehr nur eine Familie zu managen, sondern zwei.

Die Kinder zum Haus des Ex-Partners fahren und wieder abholen, Ferien aufteilen und den Kindern des Anderen (die den neuen Papa oder die neue Mama vor allem am Anfang vielleicht nicht leiden können) bei den Hausaufgaben, dem Basteln von Kostümen und beim Fußballtraining helfen.

Das bedeutet auch, dass die beiden frisch Verheirateten wahrscheinlich nicht so viel Zeit füreinander haben, wie sie gerne hätten, weil sie sie mit den eigenen und den Kindern des Partners teilen müssen. Die To-Dos einer Familie abzuarbeiten, ist schon hart - zwei Familien zu haben, macht die ganze Sache noch deutlich härter.” - Aaron Anderson

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Huffington Post USA und wurde von Lea Kosch aus dem Englischen übersetzt.

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(mm)

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