Schlecker-Prozess: An dieser Stelle kämpft der ehemalige Drogeriemarkt-König mit den Tränen

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SCHLECKER
"Für mich gab es kein Scheitern": Der unfassbare Auftritt von Anton Schlecker vor Gericht | Thomas Niedermueller via Getty Images
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  • Der ehemaligen Drogerie-Unternehmer Anton Schlecker hat im Bankrottprozess seine Unschuld beteuert
  • Er kämpfte mit den Tränen, wenn er über seine Familie und die Insolvenz sprach
  • Die Staatsanwaltschaft wirft Anton Schlecker vorsätzlichen Bankrott vor

Erstmals hat der ehemalige Drogeriemarkt-Unternehmer Anton Schlecker im Bankrottprozess zu den Vorwürfen der Anklage Stellung genommen. Er wies jede Schuld von sich.

Mehr als eine Stunde verlas Schlecker am Montag eine schriftlich verfasste Stellungnahme. Dabei habe er immer mit den Tränen gekämpft, wenn es um die Familie und die Insolvenz der Drogerie-Kette ging, wie die "Süddeutsche Zeitung" aus dem Gericht berichtet.

"Es ist schwer für mich, meine Familie hier im Saal zu sehen, ich hätte es ihr gerne erspart, wie ich auch gerne die Insolvenz vermieden hätte", zitiert die "SZ" den ehemaligen Drogerie-Unternehmer. Er übernehme die unternehmerische Verantwortung.

"Für mich gab es kein Scheitern"

In seiner schriftlichen Stellungnahme beteuerte Schlecker jedoch auch seine Unschuld und wies die Vorwürfe der Anklage zurück.

"Ich erinnere mich nicht an Liquiditätsprobleme, die ich für nicht überwindbar gehalten hätte", sagte Schlecker. Er habe keine Entscheidung oder Verfügung getroffen, um Gläubiger zu benachteiligen.

Allerdings betonte Schlecker: "Für mich gab es kein unternehmerisches Scheitern. Ich war sehr erfolgsverwöhnt."

Er sei bis zuletzt davon überzeugt gewesen, das Unternehmen fortführen zu können. Die Staatsanwaltschaft wirft Anton Schlecker vorsätzlichen Bankrott vor.

Schwere Vorwürfe gegen Schlecker

Die Pleite der Drogeriemarkt-Kette Schlecker war eine der aufsehenerregendsten der vergangenen Jahre. 2012 musste die ehemals größte Drogeriekette Europas Insolvenz anmelden. Mehr als 25.000 Menschen in Deutschland und ebenso viele im Ausland verloren ihren Arbeitsplatz.

Die Anklage wirft Schlecker vor, vorsätzlich Bestandteile seines Vermögens, das den Gläubigern zugestanden hätte, vor der Insolvenz im Jahr 2012 beiseite geschafft zu haben. Fragen der Staatsanwaltschaft wollte Schlecker am Montag noch nicht beantworten.

Außerdem wird dem 72-Jährigen vorgeworfen, den Zustand seines Unternehmens im Konzernabschluss falsch dargestellt und vor dem Insolvenzgericht unrichtige Angaben gemacht zu haben.

Mit auf der Anklagebank sitzen seine Frau Christa und seine beiden Kinder. Bei ihnen geht es um Beihilfe zum Bankrott. Schleckers Sohn und Tochter sind als ehemalige Gesellschafter der für Schlecker arbeitenden Logistikgesellschaft LDG, die unter anderem für den Schlecker-Onlineshop zuständig war, wegen Insolvenzverschleppung und Untreue angeklagt.

Christa, Meike und Lars Schlecker machten am Montag lediglich persönliche Angaben, äußerten sich aber weder zur Anklage noch zu ihren finanziellen Verhältnissen.

Anton Schlecker drohen bis zu zehn Jahren Haft.

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