POLITIK
13/03/2017 17:35 CET | Aktualisiert 13/03/2017 19:08 CET

Wenn Angela Merkel ehrlich wäre, würde sie Donald Trump das hier sagen

Kevin Lamarque / Reuters
Wenn Angela Merkel ehrlich wäre, würde sie Donald Trump das hier sagen

Lieber Donald Trump!

Eigentlich sollte ein einfacher Streit unter Freunden schnell vergessen sein. Mr. Trump, Meinungsverschiedenheiten gibt es schließlich überall, und wo kämen wir hin, wenn wir jede Freundschaft gleich aufkündigen würden, wenn einer mal die Fassung verliert und selbst in besten Kreisen wie ein Kleindkind brabbelt oder mutwillig andere Menschen beleidigt? Das Problem entsteht erst dann, wenn sich einer der Partner ständig so benimmt wie eine tickende Zeitbombe. Wenn der gesamte Freundeskreis anfängt zu tuscheln und sich ein bisschen vor der Unberechenbarkeit des anderen zu fürchten. Mr. Trump: Tun Sie mir einen Gefallen und nennen mich bei meinem anstehenden Staatsbesuch in den USA nicht Ihre Freundin. Ich bin nicht so doof und mache noch einmal den Kniefall vor einem durchgeknallten US-Politiker, nur um die Transatlantiker in meiner Partei milde zu stimmen. Anfang 2003 war ich als CDU-Vorsitzende in Washington D. C., um George W. Bush bei seinem Wahnsinnsplan anzufeuern, den Irak völkerrechtswidrig und auf Basis von gefälschten Beweisen zu überfallen. Die Schleimspur, die ich dabei gezwungenermaßen hinter mir hergezogen habe, war so gigantisch, dass ich bis heute noch gelegentlich darauf ausrutsche.

Ein irrer US-Politiker reicht mir

"Die Lehre aus der Geschichte muss sein, dass es nie wieder einen deutschen Sonderweg geben darf“, habe ich damals in der "Washington Post“ geschrieben. Ich wollte ja noch mit diesen verbohrten Amerikafreunden aus den westlichen Landesverbänden der CDU Kanzlerin werden. Da sagt man auch mal "ja“ zu einem der schlimmsten Kriege, die es bisher in diesem Jahrtausend gegeben hat. Mit Ihnen ist das jetzt was anderes. Sie sind als Politik-Amateur gestartet, der weder seine Steuern offenlegt, noch im Militär gedient hat, noch jemals in ein öffentliches Amt gewählt wurde. Und doch meinten Sie von Anfang an, alles – und wirklich: ALLES! - besser zu wissen. Sie haben sich damit nicht nur in der internationalen Politik einen Sympathiewert wie ein halbes Dutzend Eiterbeulen erworben. Sie haben auch dafür gesorgt, dass ich mich hier in Deutschland nicht mehr rechtfertigen muss. Wer Amerika liebt, der hat Angst vor Ihnen. Tja, und dann sind da noch die Dinge, die Sie, Mr. Trump, so in den vergangenen Jahren über mich in die Welt gesetzt haben.

Geisteskrank, enormer Schaden, Desaster

Im Oktober 2015 nannten Sie meine Politik "geisteskrank“. Im Dezember 2015 sagten Sie zu meiner Wahl als "Time“-Person des Jahres: „Ich glaube, sie haben die Person ausgewählt, die Deutschland wirklich enormen Schaden zugefügt hat.“ Gleich mehrmals fällten Sie über unsere Flüchtlingspolitik Ihr übliches Pauschalurteil: "Total disaster.“ Sie schwadronierten von einem „fürchterlichen Fehler“, von einer Kriminalitätsrate, die in Deutschland "durch die Decke“ gehe. Und Sie taten so, als stünde ich feixend in der Mitte und schaute beim Untergang des Abendlandes seelenruhig zu.

Eher geh' ich auf eine Masernparty

Wissen Sie, was aus meiner Sicht die witzigste Seite dieses Staatsbesuches ist? Ausgerechnet Sie selbsternannter Held sind nun dabei, Ihr Land in den Dreck zu reiten. Gratulation. Wer hätte auch ahnen können, dass man ein gewisses Maß an Grundkompetenz mitbringen muss, um eines der größten Länder der Welt zu regieren. Hihi. Erwarten Sie ja nicht, dass ich Ihnen bei irgendwas behilflich sein werde. Eher serviere ich Orangensaft bei einer Masernparty, als dass ich mit Ihnen Freundschaft schließe. Im Stillen hoffe ich, dass man Sie bald des Amtes enthebt. Dann sind Sie weg vom Fenster und können wieder in Ihrem Hochhaus sitzen und die Wolken beim Abregnen beobachten. Darin sind Sie bestimmt ein echtes Ass.

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(sk)

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