Nach Doppelmord in Herne: Marcel H. droht ein Urteil, das es so noch nie gab

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  • Ein Neunjähriger und ein 22-Jähriger sind in Herne ermordet worden
  • Der 19-jährige Marcel H. stellte sich der Polizei und gestand die Morde (siehe Video oben)
  • Ihm droht ein gerichtliches Urteil, das es so noch nicht in Deutschland gab

Vergangene Woche erschütterten zwei grausame Taten die nordrhein-westfälische Stadt Herne. Der 19-jährige Marcel H. soll einen neunjährigen Jungen und einen 22 Jahre alten Bekannten getötet haben.

Auf den Jugendlichen, der die Taten vor der Polizei gestanden haben soll, könnte nun ein Urteil zukommen, das es so noch nicht in Deutschland gab. Das hat das Nachrichtenportal "Focus Online" von dem langjährigen Strafverteidiger Jesko Baumhöfener erfahren.

Welches Strafrecht wird angewendet?

Aber: Zuerst müsse entschieden werden, ob Marcel H. nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht verurteilt wird. Mit seinen 19 Jahren steht er direkt auf der Schwelle und das Gericht entscheidet, welches Gesetz angewendet wird.

Im Erwachsenenstrafrecht liegt die Höchststrafe für seine Vergehen bei 15 Jahren. Im Jugendstrafrecht bei zehn Jahren. Allerdings wurde dies im Jahr 2012 modifiziert.

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"Dieses Urteil wäre ein Novum"

So heißt es seitdem nach § 105 (3) des Jugendgerichtsgesetzes: "Handelt es sich bei der Tat um Mord und reicht das Höchstmaß nach Satz 1 wegen der besonderen Schwere der Schuld nicht aus, so ist das Höchstmaß 15 Jahre.“

Aufgrund der besonderen Motivlage - Mordlust - könnt dieser Tatbestand erfüllt sein, sagt Baumhöfener gegenüber "Focus Online". "Dieses Urteil wäre ein Novum", sagt Baumhöfener. Noch nie bekam ein nach Jugendstrafrecht verurteilter Täter das Höchstmaß von 15 Jahren.

Herne erinnert an einen Fall aus Bayern

Der Bundeswehrsoldat Christoph R., der in Bad Reichenhall stationiert war, tötete im Jahr 2014 einen Rentner in der bayerischen Kleinstadt und verletzte ein 17-jähriges Mädchen mit mehreren Messerstichen schwer.

Christoph R. hatte dasselbe Motiv wie Marcel H.: reine Mordlust.

Auch er wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt - das Landgericht Traunstein verhängte eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren und blieb damit knapp unter der Höchststrafe.

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(cho)