Antiautoritäre Erziehung – das steckt dahinter

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CHILDREN
Freie Entdeckung und Entfaltung stehen beim antiautoritären Erziehungsstil im Mittelpunkt. | Stanislav Solntsev via Getty Images
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  • Gehorsam, Zwänge und Respekt gegenüber Erziehern und Eltern gibt es nicht
  • Kinder aller Altersstufen dürfen freie Entscheidungen treffen
  • Gesellschaftliche Normen finden in der Erziehung keine Beachtung

Die antiautoritären Erziehung basiert auf dem Gedanken, dass Regeln und "Unterdrückung" der freien Entfaltung des Kindes entgegenstehen und der Entwicklung der Persönlichkeit schaden.

Kinder sollten demnach komplett frei aufwachsen, ohne dass ihnen Grenzen gesetzt werden.

Ziel: Freie Entdeckung und Entfaltung der Persönlichkeit

Die Ziele dieser Erziehungsmethode liegen damit auf der Hand: Die Kinder sollen ihre Persönlichkeit frei entdecken und entfalten - ohne Vorgaben durch Pädagogen und den Eingriff erzieherischer Autoritäten wie Eltern oder Lehrern.

Es heißt, auf diese Weise entdecken die Kinder eigenständig ihre Stärken und lernen spielerisch, woran sie Freude haben und was ihnen nicht entspricht.

Die positiven und negativen Folgen des eigenen Handelns nehmen die Kinder nach diesem Prinzip schnell wahr, da die Verantwortung ausschließlich bei ihnen selbst liegt.

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Die Erzieher gehen dabei freundlich und wertschätzend mit den Kindern um. Das klingt heute wie eine Selbstverständlichkeit, aber dies war bis in die 60er-Jahre in Deutschland eben nicht immer so.

Vor- und Nachteile der antiautoritären Erziehung

Im antiautoritären Erziehungskonzept werden Kinder wie Erwachsene behandelt, die keine Erklärungen benötigen. Nach diesem Grundsatz soll die individuelle und gleichberechtigte Persönlichkeit gefördert sowie gefordert werden.

Gleichzeitig besteht so aber die Gefahr der Ausprägung starker Egoismen, da das alleinige Entscheiden höher eingestuft wird als die Rücksichtnahme auf andere.

Durch die freie Wahl des Tuns und Handelns ohne Druck und Pflicht von außen treffen die Kinder ihre Entscheidungen ohne Ausnahme nach dem Lustprinzip.

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Die negativen Folgen können ein unzureichendes Sozialverhalten und das Gefühl des Kindes beziehungsweise des Jugendlichen sein, selbst in jeder Situation im Mittelpunkt zu stehen. Dies ändert sich anschließend bis in das Erwachsenenalter nicht.

In die Kritik geriet das Konzept in der Vergangenheit zudem wegen der Einbindung einer selbstbestimmten kindlichen Sexualität.

Der Erziehungsstil ist heute seltener Ausnahmefall

Die antiautoritäre Erziehung in ihrer klassischen Form setzt man heute ausschließlich in seltenen Ausnahmefällen um. Stattdessen strebt man ein gesundes Maß an Möglichkeiten zur freien Entfaltung mit dem parallelen Aufbau sozialer Verhaltensweisen an.

Die demokratische oder liberale Erziehung – ein wesentlich praktikableres Erziehungsmodell – setzt auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen und auf die Vermittlung gesellschaftlicher Werte und Normen und wird gegenwärtig stärker gefördert.

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(tasc/cho)

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