Chef der Kurdischen Gemeinde ruft zu Solidarität mit den Niederlanden auf: "Erdogan nutzt die Strategie des IS"

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ERDOGAN
Chef der Kurdischen Gemeinde ruft zur Solidarität mit Niederlanden auf: "Erdogan nutzt die Strategie des IS" | Anadolu Agency via Getty Images
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  • Der Chef der Kurdischen Gemeinde, Ali Toprak, fordert einen gemeinsamen europäischen Kurs gegen Erdogan
  • Deutschland müsse sich mit den Niederlanden solidarisieren
  • Erdogan nutze die selbe Strategie wie der IS

In Deutschland entflammt die Debatte um Auftritte türkischer Minister neu. Erst gestern hatten die Niederlande dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu die Einreise verboten. Familienministerin Fatma Kaya wurde noch am selben Tag aus dem Land verwiesen.

In Deutschland sehen viele Politiker die Entscheidung der Regierung in Den Haag kritisch. SPD-Außenexperte Niels Annen etwa nannte die Entwicklung "frustrierend“.

Ali Toprak, Chef der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, ruft in der Huffington Post dagegen zur Solidarität mit den Niederlanden auf. Er begrüße die Entscheidung, "weil Erdogan die Souveränität der europäischen Staaten angreift“.

Der CDU-Politiker sagte: "Hoffentlich weiß man in Deutschland, dass unser Platz an der Seite der Niederlande und nicht an der Seite der Türkei ist.“

"Die gleiche perfide Strategie, die der IS verfolgt"

Erdogan verfolge "die gleiche perfide Strategie, die auch der IS verfolgt“. Toprak weiter: "Die Naivlinge, die glauben, dass Erdogan nur provozieren wolle, haben nichts verstanden. Er will die Türkei und den Westen gegeneinander aufstacheln.“

Erdogan nehme dabei in Kauf, dass Rechtspopulisten überall stark werden.

Im Umgang mit der Türkei benötige es eine gemeinsame europäische Türkei-Politik. Toprak sagte: "Es ist an der Zeit, dass die EU eine gemeinsame Strategie gegen Erdogan beschließt. Es kann nicht sein, dass er sich die EU-Länder aussuchen kann, in denen er seine Auftritte inszeniert und damit die Gesellschaften spaltet und den sozialen Frieden gefährdet.“

Zahlreiche Kritiker hatten angemerkt, Verbote der Wahlkampfauftritte der türkischen Regierungspartei AKP würden vor allem dem türkischen Präsidenten Erdogan nutzen. Toprak lehnt dieses Argument ab: "Wir würden Erdogan erst recht stärken, wenn wir die AKP-Politiker hier reden lassen. Dann könnte er sich hier als starken Staatsmann inszenieren.“

(Text geht unter dem Video weiter)

Erdogan bezeichnet niederländische Regierung als Nazi-Nachfahren und Faschisten

"Glaubt Erdogan, das nur er Souveränität genießt?"

Der Chef der Kurden-Gemeinde erinnerte daran, dass die Türkei dem Linken-Bundestagsabgeordneten Jan van Aken gerade erst einen Besuch bei den deutschen Soldaten auf dem Nato-Stützpunkt Konya verweigert hatte.

"Der Abgeordnete wollte keinen Wahlkampf machen, sondern dort stationierte deutsche Soldaten besuchen. Glaubt die Erdogan-Türkei, dass nur sie auf diesem Planeten Souveränität genießt?“, sagte Toprak der HuffPost.

Es sei zu erwarten,dass die Souveränitätsrechte eines Staates akzeptiert werden - "genauso wie wir das Souveränitätsrecht der Türkei, deutschen Bundestagsabgeordneten den Besuch von Bundeswehrsoldaten in der Türkei zu verweigern akzeptiert haben".

Toprak kritisiert: "Weil Sie in der Türkei alle auf diese Art mundtot gemacht haben, glauben sie, dass man es auch mit Europa machen kann. Die türkischen Politiker sind verlogen und unverschämt."

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(jz)

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