Huffpost Germany

Türkischer Minister nutzt rhetorischen Trick, um Erdogans Nazi-Vorwurf bei "Anne Will" zu wiederholen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • Bei "Anne Will" ging es um den Streit um Wahlkampfauftritte türkischer Politiker
  • Eingeladen waren Kanzleramtsminister Altmaier und der türkische Sportminister Kilic
  • Der wiederholte Erdogans Nazi-Vorwurf gegen die Niederlande - allerdings ohne ihn explizit auszusprechen
  • Oben im Video: "Ich will ehrlich sein": Was Kanzleramtsminister Altmaier einem türkischen Minister bei "Anne Will" zu sagen hat

Wie schwierig das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei zurzeit ist, verriet ein Versprecher der Moderatorin Anne Will zu Beginn ihrer Sendung. Sie sprach versehentlich erst einmal von "Kriege" statt "Krise".

Statt einer großen Gesprächsrunde debattieren in ihrer Sendung diesmal Mitglieder beider Regierungen miteinander: Kanzleramtsminister Peter Altmaier vertrat die deutsche Seite, der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic die türkische.

Altmaier kam sehr schnell auf die Nazi-Vergleiche zu sprechen, die die türkische Regierung nicht nur deutschen Behörden und Politikern, sondern auch der niederländischen Regierung an den Kopf geworfen hatte.

"Dass Deutschland ein Nazi-Regime ist, ist nicht gesagt worden"

Die Nazi-Vorwürfe der türkischen Regierung nahm Kilic allerdings nicht zurück. "Was gesagt worden ist, ist ein Vergleich der Methoden", sagte der Minister. "Dass Deutschland ein Nazi-Regime ist, ist nicht gesagt worden." In Deutschland und Europa gebe es eine große "Xenophobie" und "Islamophobie".

Somit wiederholte er den Nazi-Vorwurf, ohne ihn auszusprechen. Sehr geschickt. Altmaier wies die Aussagen entschieden zurück. Sie relativierten die Untaten der Nazis. "Diese Vergleiche müssen aufhören."

Als Will nachfragte, worin die angeblichen Nazi-Methoden genau bestehen würden, beschwerte sich Kilic darüber, dass am Wochenende der türkischen Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya der Zutritt zum türkischen Konsulat in Rotterdam verweigert worden war.

"Die Presse schreibt das, was sie möchte"

"Hier wurde ihr Recht auf Versammlungsfreiheit aus nicht verständlichen Gründen mit Polizeigewalt und aggressiven Methoden gestoppt. Das kann man einfach nicht tolerieren", echauffierte sich Kilic.

Altmaier konnte sich auch nicht verkneifen, Kilic die Grundzüge der Pressefreiheit zu erklären, als der sich über eine angeblich zu negative Berichterstattung über die Türkei in deutschen Medien aufregte.

Er selbst würde sich auch über Spiegel-Titel über Angela Merkel und die Bundesregierung ärgern. "Die Presse schreibt das, was sie möchte, und nicht das, was ihr die Regierung vorschreibt."

Mit Material der dpa

(poc)

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png