So schlachtet Geert Wilders den Türkei-Streit mit Erdogan für seinen Wahlkampf aus

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So schlachtet Geert Wilders die aufgeheizte Stimmung zwischen der Türkei und den Niederlanden für seinen Wahlkampf aus | Getty
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  • Sein Außenminister durfte nicht ins Land - also bezeichnet Erdogan alle Niederländer als "Faschisten"
  • Rechtspopulist Geert Wilders nutzt das für seinen Wahlkampf
  • Durch seine Anti-Erdogan-Politik versucht der angeschlagene Rechtspopulist, Wähler für sich zu gewinnen

Nach dem Einreiseverbot der Niederlande für den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu herrscht in der Türkei große Aufregung. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drohte mit einer harten Reaktion auf das Einreiseverbot und beschimpfte die Niederländer als “Faschisten”.

Das spielt ausgerechnet dem Rechtspopulisten Geert Wilders von der “Partei für Freiheit” (PVV) in die Karten. Der will die Türkei-kritische Stimmung im Land für seinen eigenen Wahlkampf ausschlachten, um kurz vor der Wahl am 15. März auf Stimmfang zu gehen.

"Ich werde das gesamte türkische Kabinett zur persona non grata erklären"

So sagte er dem "Telegraaf" am Sonntag: “Wenn ich Ministerpräsident werde, dann werde ich in jedem Fall bis April, wenn die Türkei ihr Referendum abhält, das gesamte türkische Kabinett zur persona non grata erklären. Dann sind sie nicht willkommen. Dann kommen sie nicht. Dann bekommen sie kein Visum. Dann ist die Botschaft eindeutig.”

Für Wilders kommt der Konflikt mit Erdogan gerade recht. Er und seine Partei sind in den letzten Umfragen stark abgerutscht. Anfang Februar war die PVV in den Umfragen noch eindeutig vorne gelegen, dann jedoch hinter die liberalkonservative „Volkspartei für Freiheit und Demokratie“ (VVD) zurückgefallen, die auch die derzeitige Regierung stellt.

Nun gibt Wilders vor, dass die niederländische Regierung auf seinen Druck hin das Einreiseverbot für den türkischen Außenminister Cavusoglu erließ. Bei Twitter postete er: “Großartig! Dank des Druckes der PVV ein paar Tage vor den niederländischen Wahlen hat unsere Regierung dem türkischen Außenminister NICHT erlaubt zu landen!!”

Mit seinem fremdenfeindlichen Programm gelingt es dem Rechtspopulist seit Monaten, eine große Zahl der Wähler für sich zu gewinnen. In den vergangenen Monaten hatte sich seine Kampagne explizit gegen die Türkei und den Islam gerichtet.

Der Parteichef mit den indonesischen Wurzeln ist dabei für seine provokanten Auftritte in der Öffentlichkeit bekannt - schon zwei Mal musste er sich wegen Volksverhetzung vor Gericht verantworten.

Am letzten Mittwoch stellte sich Wilders nun vor die türkische Botschaft in Den Haag und hielt ein Poster hoch. Darauf stand auf türkisch und niederländisch: "Bleibt weg! Das ist unser Land."

geert wilders

Zudem bezeichnete er Erdogan als “Diktator” und “Islamisten”. Während die Welt also gespannt Richtung Türkei blickt und dem Ausgang des Referendums entgegenfiebert, versucht Geert Wilders, noch auf den Zug mit aufzuspringen.

Erdogans Politik steht derzeit europaweit schwer in der Kritik. Indem Wilders Erdogan und dessen Politik diffamiert, erhofft er sich einen Wahlsieg in letzter Minute.

Seine Taktik könnte aufgehen: Derzeit liefert sich Wilders ein Kopf an Kopf Rennen mit Premier Mark Rutte von der VVD - seine rechtspopulistische Offensive könnte ihm den entscheidenden Vorsprung liefern.

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(jg)