Staatsanwältin berichtet, wie Trumps Kampf gegen Einwanderer Gewaltverbrecher schützt

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Staatsanwältin berichtet, wie Trumps Kampf gegen Einwanderer Gewalttäter schützt | Getty
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  • Donald Trump fährt eine harte Politik gegen Einwanderer und Flüchtlinge
  • Er will damit die US-Amerikaner vor angeblich gefährlichen Fremden schützen
  • Eine Staatsanwältin aus Denver berichtet jetzt: Von Trumps harter Linie profitieren Gewalttäter

Drogendealer, Kriminelle, Vergewaltiger - Donald Trump hat für Einwanderer fast nur beleidigende Worte übrig. Um illegale Einwanderung zu bekämpfen, will er extreme Mittel anwenden: Insbesondere Einreiseverbote und Massendeportationen. Trump begründet das mit einer einfachen Weltsicht: "America First", denn da draußen seien eine Menge schlechter Typen unterwegs, glaubt er.

Trump will die US-Bürger vor allem Fremden schützen. Das bedeutet: Die weißen US-Bürger, denn laut dem neuen US-Präsidenten werden Verbrechen in den Vereinigten Staaten vor allem von "Schwarzen und Latinos" begangen.

Doch Trumps harte Linie in der Einwanderungspolitik gehe in die völlig falsche Richtung, denn sie schütze Gewaltverbrecher, glaubt die Staatsanwältin der Stadt Denver, Kristin Bronson.

Frauen trauen sich nicht, Täter vor Gericht zu bringen

Das begründet sie so: Opfer von Gewaltverbrechen seien besonders häufig Migranten. Aus Angst, abgeschoben zu werden, würden die sich nicht mehr trauen, ihre Peiniger anzuzeigen.

Der Grund: Angst vor Agenten der US-amerikanischen Einwohnerbehörde ICE. Im Januar fand die Staatsanwältin im Internet ein Video aufgetaucht, dass Agenten der US-Einwandererbehörde in zivil zeige, wie sie vor Gerichtssälen darauf warten würden, Migranten festzunehmen.

Branson sagte dem Online-Magazin "Slate": "Das Video wurde weit verbreitet und sorgte in den Gemeinden von Migranten und Flüchtlingen in unserer Stadt für Aufregung und Angst."

Branson macht Trump-Regierung verantwortlich

Dem Sender KUSA TV aus Colorado sagte Bronson, in der Folge habe sie allein vier Fälle aufgeben müssen, weil die Opfer von häuslicher Gewalt sich nicht getraut hätten, ihre Angreifer vor Gericht zu bringen.

Branson macht dafür auch die Trump-Regierung verantwortlich. Vor deren hartem Vorgehen gegen Einwanderer habe sie die vier Fälle der Gewaltopfer normal bearbeiten können. Nach der Verhaftung der Täter durch die Polizei habe die Staatsanwaltschaft ein Verfahren vorbereitet.

Doch dann beschloss Donald Trump sein umstrittenes Einreiseverbot - und die vier Frauen riefen Bransons Büro an. "Sie sagten uns, sie wären nicht mehr bereit, vor Gericht zu erscheinen, aus Angst, sie könnten deportiert werden." Bransons Büro musste die Ermittlungen einstellen.

Trumps hartes Durchgreifen gegen Einwanderer sorgte somit dafür, dass vier Missbrauchstäter nicht ihrer gerechten Strafe zugeführt wurden.

Morde durch häusliche Gewalt in Denver auf Rekordniveau

Branson zeigte sich im Interview mit "Slate" geschockt. "2016 hatten wir ein Rekordhoch an Morden durch häusliche Gewalt in Denver", sagte die Staatsanwältin - die aktuellen Entwicklungen seien deshalb besonders frustrierend. "Die geschürte Angst vor der Deportationen ist n diesem Zusammenhang eine große Hürde für uns."

Bronson beschreibt ein Klima der Angst, dass sich in Denver ausbreite. Migranten und Flüchtlinge würden sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, ihre Kinder nicht mehr zu Schulveranstaltungen bringen, sich nicht einmal mehr Essensmarken abholen. Alles aus Furcht, von der ICE entdeckt und abgeschoben zu werden.

Die Einwanderungsbehörde solle statt Angst zu verbreiten lieber ihren Job machen, so Branson. Der sei vor allem, Gewalttäter und Verbrecher aufzuspüren. Und eben nicht deren Opfer.

Neuer Widerstand gegen Trumps Einreiseverbot regt sich

In den USA wächst der juristische Widerstand gegen das neue Einreiseverbot von Präsident Donald Trump - nicht nur in Person von Kristin Bronson.

Der Bundesstaat Washington kündigte am Donnerstag eine Klage an, New York schloss sich an. Der Chefankläger des Staates Washington, Bob Ferguson, erklärte, das neue Dekret ähnele der von Gerichten gestoppten ersten Version sehr. Deswegen müssten die bestehenden Einsprüche der Gerichte auch für die Neufassung des Verbotes gelten.

Sein New Yorker Kollege Eric Schneiderman sagte, Trumps neuer Einreisestopp verstoße gegen die Verfassung. Trumps Sprecher Sean Spicer zeigte sich dagegen zuversichtlich, dass das Dekret vor Gericht standhalten werde.

Tatsächlich erhielt der Widerstand gegen das neue Einreiseverbot von US-Präsident Donald Trump bereits den ersten leichten Dämpfer. Ein Bundesrichter im Bundesstaat Washington, der bereits das ursprüngliche Dekret Trumps gestoppt hatte, wies am Freitag einen Antrag auf Einfrieren des geänderten Anlasses als unzureichend zurück.

Richter lehnt Verfügung gegen Einreiseverbot ab

Ríchter James Robart forderte von den Gegnern des Dekrets vollständige Unterlagen mit Bezugnahme auf das neueste Dekret Trumps, da sie nach Medienberichten nur ein Einfrieren analog zur ersten richterlichen Entscheidung gefordert hatten.

Ungeachtet dessen werden in den nächsten Tagen in anderen Bundesstaaten weitere Klagen gegen das Einreiseverbot für Bürger aus sechs überwiegend islamisch geprägten Länder verhandelt. Neben Washington und New York hat auch Hawaii gegen das Dekret geklagt.

Trump hatte am Montag ein neues Dekret für einen Einreisestopp erlassen, nachdem sein erstes Verbot, das er unmittelbar nach Amtsantritt unterzeichnet hatte, vor Gericht gestoppt worden war.

Das neue Verbot soll am 16. März in Kraft treten. Menschen aus den vorwiegend islamischen Ländern Iran, Jemen, Libyen, Syrien, Somalia und Sudan dürfen ab dann mindestens 90 Tage lang nicht in die USA einreisen.

Mit Material der dpa

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