Diplomatische Eskalation: Chronologie des Streits zwischen der Türkei und den Niederlanden

Veröffentlicht: Aktualisiert:
RUTTE_ERDOGAN
Bild aus ruhigeren Zeiten: Recep Tayyip Erdogan und Mark Rutte im Jahr 2012 | Getty
Drucken
  • Die Niederlande und die Türkei sind in einen heftigen diplomatischen Streit verstrickt
  • Zum Eklat kam es am Samstagvormittag, als die Niederlande dem türkischen Außenminister die Einreise verboten
  • Erdogan beleidigte die Niederländer daraufhin als Faschisten - und der Skandal eskalierte
  • Eine Chronologie der Ereignisse im Überblick

Im April geht es für Recep Tayyip Erdogan ums Ganze. Bei einem Referendum entscheiden die Türken über sein Schicksal - Aufstieg zum Alleinherrscher oder der Anfang vom Ende seiner Regentschaft. Es ist längst nicht sicher, dass seine Landsleute den türkischen Präsidenten zum Quasidiktator ernennen werden.

Und das macht Erdogan nervös. Erst legte er sich mit Deutschland an, schickte seine Minister in die Republik und wütete, als diese nicht für ihn Wahlkampf machen durften. Jetzt legt sich der türkische Machthaber mit den Niederlanden an.

Am Samstag eskalierten der Streit zwischen den beiden Ländern - und wieder war der Auslöser die Reise eines Erdogan-Ministers. Die Chronologie des diplomatischen Eklats im Überblick:

Außenminister Cavusoglu will in die Niederlande reisen - und darf nicht

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte einen Wahlkampfauftritt für den Samstagabend in Rotterdam geplant. Doch die Niederlande verweigerten seinem Flugzeug die Landeerlaubnis.

Zur Begründung wurde darauf verwiesen, dass ein Aufruf an Türken in den Niederlanden zur massenhaften Teilnahme an einem Auftritt des Ministers in Rotterdam die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdet habe. Cavusoglu wollte am Samstagabend auf dem Gelände des türkischen Konsulats in Rotterdam vor geladenen Gästen reden.

Cavusoglu hatte schon vor seinem Besuch den Niederlanden gedroht. Dem Sender CNN Türk sage er, sollten die Niederlande seinem Flugzeug keine Landeerlaubnis erteilen, werde die Türkei mit harten wirtschaftlichen und politischen Sanktionen reagieren. "Ich werde heute nach Rotterdam gehen", erklärte er.

Doch es kam anders - und der Skandal nahm seinen Lauf.

Erdogan reagiert mit Wut und beleidigt die Niederländer als "Faschisten"

Cavusoglus Chef, der türkische Präsident Erdogan, reagierte mit äußerster Wut auf die Abweisung seines Außenministers durch die Niederländer. Er sagte in einer Rede in Bagcilar, die Reaktion der Niederländer zeuge von Resten der Nazi-Ideologie. Er beleidigte sie als "Faschisten" und "ängstliche Feiglinge".

Das Land solle sich überlegen, wie seine Flugzeuge in Zukunft in der Türkei landen wollten, drohte Erdogan. Doch seine Attacken fielen in den Niederlanden auf taube Ohren.

Der niederländische Premier bügelt Erdogans Drohgebärden ab

Denn der Premier der Niederländer, der konservative Politiker Mark Rutte, reagiert kühl auf Erdogans Wutausbruch. Wie der Sender NOS berichtete, sagte Rutte, sein Land sei nicht bereit, sich türkischen Drohungen zu beugen.

Rutte betonte gegenüber NOS, der Entzug der Landerlaubnis sei der Regierung nicht leicht gefallen. "Es geht um einen Nato-Bündnispartner, doch unter Drohungen und Erpressungen können wir natürlich keine Gespräche führen", sagte der Politiker der konservativen VVD.

Da meldete sich am Abend noch einmal der verprellte Außenminister Cavusoglu zu Wort. In Istanbul sagte er, die Entscheidung der Niederlande sei in jeder Hinsicht skandalös und nicht akzeptabel. Und es sollte nicht die einzige Entscheidung des Tages bleiben, die für Empörung in der Türkei sorgte.

Einer weiteren Erdogan-Ministerin wird der Zutritt in die Niederlande verweigert

So wurde nämlich einer weiteren Erdogan-Ministerin die Einreise in die Niederlande verwehrt. Die Sozial- und Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya wurde an der deutsch-niederländischen Grenze aufgehalten und zur Umkehr in die Bundesrepublik gezwungen.

Auch sie reagierte erbost auf das Verbot. "Die Niederlande verletzen alle internationalen Gesetze, Konventionen und Menschenrechte", schrieb sie auf Twitter.

In Folge des Einreiseverbots für die Ministerin kam es vor dem türkischen Konsulat in Rotterdam zu Demonstrationen.

Und noch war der diplomatische Skandal-Samstag nicht ausgestanden.

Die Türkei schließt die Botschaften der Niederlande

Zumal die Türkei den diplomatischen Schlagabtausch am späten Abend endgültig eskalierte. Denn das türkische Außenministerium ließ die niederländische Botschaft in Ankara sowie das niederländische Konsulat in Istanbul schließen - "aus Sicherheitsgründen", wie es hieß.

Wie der niederländische Sender NOS und die niederländische Zeitung "Telegraaf" übereinstimmend berichteten, sei der niederländische Botschafter für die Türkei, Cornelius van Rij, dort nicht mehr willkommen. Demnach teilte das türkische Außenministerium mit, dass van Rij "auf unbestimmte Zeit wegbleiben" müsse.

Das vorerst letzte Kapitel in einem diplomatischen Skandal, der die beiden Länder - und mit ihnen Europa - wohl noch länger beschäftigen wird.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(lp)