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Merkels Doppelstrategie: Wie die Bundeskanzlerin Donald Trump in die Schranken weisen will

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MERKEL TRUMO
Trump und Merkel: Der Besuch der Bundeskanzlerin in Washington wird eine harte Probe | Reuters / Getty
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  • Angela Merkel reist mit den Chefs von Siemens und BMW nach Washington
  • Sie will Donald Trump von der Bedeutung der transnationalen Zusammenarbeit überzeugen

Der große Spalter trifft die letzte Verteidigerin der freien Welt. Nimmt man die renommiertesten Zeitungen der USA ein Mal wörtlich, wirkt Angela Merkels Treffen mit Donald Trump am kommenden Dienstag fast wie der Stoff eines Fantasy-Romans.

Tatsächlich wird der Besuch der Bundeskanzlerin in Washington eine harte Probe – für beide Seiten. Denn für Merkel steht der essentielle enge Draht zur Supermacht auf dem Spiel, für Trump nicht weniger als seine Glaubwürdigkeit.

Merkel wird in Washington auf eine "Doppelstrategie“ setzten, glaubt der "Spiegel“. Und tatsächlich: Es deutet alles darauf hin, dass die CDU-Chefin einen Kurs zwischen Charmeoffensive und Muskelspiel ansteuern wird.

Merkel steht "plus Zwei" auf der Gästeliste

Dass Merkel beides kann, hat sie gezeigt. In Verhandlungen mit Wladimir Putin, Silvio Berlusconi oder Barack Obama holte sie oft unverhofft viel für Deutschland heraus.

In die US-Hauptstadt reist Merkel dieses Mal zusammen mit Siemens-Chef Jo Kaeser und BMW-Boss Harald Krüger. Das hat gute Gründe. Das Signal an Trump ist unverkennbar: "Wir sind bereit, solltest du wirklich einen Handelskrieg anstreben".

Der US-Präsident hatte oft angedeutet, Deutschland für seine Politik der Exportüberschüsse abzustrafen.

Dabei denkt Trump wie ein Geschäftsmann, nicht wie ein Politiker. Er denkt nicht an Gesetze, an Abkommen, an ideologische und wertbasierte Zusammenarbeit. Er denkt an Deals.

Röttgen will "gemeinsame Erfolgsprojekte vorschlagen"

Mit Deals kennen Kaeser und Krüger sich aus. Merkel weiß: Smarte Unternehmer gefallen Trump, ihnen traut er. Im Umgang mit der politischen Elite, die Merkel verkörpert, macht er dicht.

CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen lässt im "Spiegel“-Interview anklingen, wie das Zusammen zwischen Berlin und Washington auch in der Ära Trump funktionieren kann.

"Wir müssen um die transatlantische Partnerschaft kämpfen, indem wir gemeinsame Erfolgsprojekte vorschlagen“, sagt Röttgen. Das klingt banal. Doch wer Trumps erste Wochen im Amt beobachtet hat, merkt, dass es das nicht ist.

Denn der US-Präsident macht sich nichts aus Konzepten wie "Partnerschaft“, schon gar nicht aus dem Wort "transnational“.

"Bilateral“, das ist das höchste der Gefühle.

Trump will alles neu verhandeln

Sein politisches Narrativ baut Trump auf einzelnen und sehr konkreten Erfolgsgeschichten auf.

Immer wieder betont er, welche Unternehmen er in Gesprächen zum Verbleib in den USA überredet habe. Wie viele Jobs dank Ford nun etwa in den Vereinigten Staaten bleiben. Nicht immer ist er dabei präzise, nicht immer ist das Ausmaß seiner Verdienste so groß, wie er es suggeriert.

Doch seine Botschaft kommt bei den Trump-Anhängern an. Die Diskussion über Wertegemeinschaften, transnationale Partnerschaften ist für die meisten von ihnen dagegen nichts als leeres Gerede.

Trump will wirtschaftlich auf bilaterale Verträge setzen, alles mit jedem neu verhandeln.

Darauf wird Merkel sich nicht einlassen können. Und doch muss sie Trump entgegenkommen: Fast jeder zweite Arbeitsplatz in der Bundesrepublik hängt vom Exportgeschäft ab. Über 100 Milliarden Euro brachten Waren ein, die im vergangen Jahr aus Deutschland in die USA wanderten.

Damit das so bleibt, kommt Merkel mit einer Zusicherung aus Brüssel in der Tasche: Beim EU-Gipfel am Donnerstag hatten die europäischen Handelsminister sich auf eine gemeinsame Linie im Umgang mit dem Wirbelsturm in Washington eingeschworen.

Trump warf Merkel "katastrophalen Fehler" vor

Doch am Dienstag geht es längst nicht nur um wirtschaftspolitische Differenzen. Es geht für Merkel auch darum, ihre Vorstellung einer freien Gesellschaft zu verteidigen.

Die Bundeskanzlerin stellte mit ihrem Handeln in der Flüchtlingskrise eine Antithese zu Trumps Traum der undurchlässigen Grenze dar. Er warf Merkel im Januar einen "katastrophalen Fehler“ vor, weil sie Syrer und andere Flüchtlinge aus dem Nahen Osten Schutz gewährt hatte.

Auf dieser Position wird Trump beharren müssen, um nicht an Kredibilität einzubüßen. Auch deshalb sagten Stimmen im Weißen Haus am Freitag, sie erwarteten einen "robusten Austausch“.

Dass Merkel versuchen wird, Trump zu belehren, von der Idee einer Mauer zu Mexiko oder seinem Einreisedekret abzubringen, ist unwahrscheinlich.

Denn es steht noch ein anderer Elefant im Raum: Die Nato. Trump hatte immer wieder angedeutet, seine Mitarbeit am Verteidigungsbündnis beschränken zu wollen, zuletzt aber wieder mehr Begeisterung signalisiert.

Merkel wird gut daran tun, in dieser Causa auf ihren Kollegen Röttgen zu hören.

Vielleicht kann sie Trump die Nato schmackhaft machen – als Erfolgsprojekt für beide Seiten. Es wäre nicht der schlechteste Deal.

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