Der Doppelagent: Wikileaks-Gründer Julian Assange in geheimer Mission für Trump und Putin

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Julian Assange ist mit Wikileaks angetreten, der Welt die Freiheit wiederzubringen. Mit den neuesten CIA-Leaks zeigt sich: Er ist mit diesem Plan gescheitert.

Ein Anarchist wollte Assange sein, mit seiner Enthüllungsplattform Wikileaks die Wahrheit offenlegen, die Regierungen und Behörden vertuschten.

Doch seine letzten Leaks zeigen: Assange ist mehr und mehr zum Handlanger für den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den US-Präsidenten Donald Trump verkommen.

Er treibt ein gefährliches Spiel als Doppelagent im Informationskrieg zwischen zwei Großmächten. Es korrumpiert Assange mehr und mehr: Der gefeierte Freiheitskämpfer wurde vom Jäger nicht nur zum Gejagten, sondern auch zum Getriebenen.

CIA-Leaks nutzen vor allem zwei Menschen: Trump und Putin

Dieser Tage zeigt sich genau das am vielleicht größten Geheimdienst-Leak aller Zeiten. Assange und Wikileaks haben tausende von Dokumenten der CIA veröffentlicht. Sie beschreiben, wie der US-Geheimdienst auf der ganzen Welt Smartphones und Computer ausspäht.

Anders als die von Wikileaks geleakten E-Mails Hillary Clintons sollen die neu aufgetauchten Enthüllungen nicht aus russischer, sondern aus einer internen Quelle stammen, schreibt die “New York Times”. Assange selbst sagte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz, die Informationen um das Hacking-Arsenal der CIA seien bereits im Umlauf gewesen, bevor Wikileaks sie bekam.

Weltweite Aufmerksamkeit bekamen sie erst durch Assange - und im globalen Informationskrieg nutzen seine Enthüllungen vor allem zwei Personen: Wladimir Putin und Donald Trump.

Putins Werk und Wikileaks Beitrag

Ein Bericht aus dem Büro des Direktors der US-Geheimdienste aus dem Januar stellte fest, dass “mit großer Wahrscheinlichkeit russische Militärgeheimdienste (…) Material an WikiLeaks weitergeben haben.” Das sei zu einem einzigen Zweck geschehen: “Putin und die russische Regierung versuchten Donald Trumps Chancen auf das Präsidentenamt zu erhöhen und Hillary Clinton zu diskreditieren.”

Der Kreml und Trump bestreiten das bis heute vehement. Und haben durch die jetzt von Wikileaks veröffentlichten Dokumente ein neues Argument zur Hand. Diese weisen nämlich darauf hin, dass die CIA sich selbst häufiger als russische Hacker-Gruppierung ausgibt, um Spionage zu betreiben.

Wo russische Hacker drauf stehen, könnten also theoretisch CIA-Agenten drin sein. Im Falle der E-Mail-Affäre um Clinton und weitere Cyberangriffe auf US-amerikanische Regierungseinrichtungen ist dies sehr unwahrscheinlich - und doch hat Assange Wladimir Putin und Donald Trump ermöglicht, alle Vorwürfe in der Affäre abzustreiten.

Warum?

Assanges persönliche Rechnung mit Hillary Clinton

Assange ist ein Gejagter. Noch im Jahr 2010 starten die USA ein Ermittlungsverfahren gegen Wikileaks, Schweden verlangt Assanges Auslieferung, ihm werden sexueller Missbrauch und Vergewaltigung vorgeworfen. Seit 2012 sitzt er in der ecuadorianischen Botschaft in London fest.

Hillary Clinton sagte damals vor Reportern, Wikileaks Veröffentlichungen “bringen Menschenleben in Gefahr”, “gefährden unsere nationale Sicherheit” und “unsere Bemühungen, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten.”

Assange nimmt ihr das scheinbar persönlich übel. Wie das Medienportal “Buzzfeed” letztes Jahr schrieb, habe Assange eine Rechnung mit Hillary Clinton offen: Er mache sie für die Verfolgung von ihm und seinen Mitarbeitern verantwortlich.

Es mutet in diesem Zusammenhang verdächtig an, dass Clintons E-Mails mitten im Wahlkampf, drei Tage vor ihrer offiziellen Nominierung zur Kandidatin der Demokraten, veröffentlicht wurden. Die Spitze des Eisbergs: Trump sagte im letzten Monat des Wahlkampf, Wikileaks sei großartig, er “liebe Wikileaks!”

Trump forderte in der Folge sogar Russland auf, noch weitere Computer der Demokraten zu hacken. Eine Aufgabe für Julian Assange?

Wikileaks und Assange werden zu Handlangern Putins

Fest steht: Wikileaks Veröffentlichungen - ob zum Irakkrieg, Guantanamo, Clintons Mails oder der CIA - diskreditierten bisher stets die USA, nie aber Russland.

Dabei hatte Assange in 2010 noch großspurig angekündigt, der Kreml solle sich vor großen Enthüllungen in Acht nehmen. Die Antwort des russischen Militärgeheimdienstes FSB: Wikileaks stelle für Russland keine Bedrohung dar, wenn gewollt, könne die Organisation sofort ausgeschaltet werden.

Eine andere Tatsache lässt tief blicken: Julian Assange hatte eine Show auf dem russischen Propagandakanal RT. Er ist im Besitz eines russischen Visums und soll Edward Snowden dazu geraten haben, sich in Russland zu verbergen. Erst kürzlich warf er Barack Obama vor, er wolle Trump und dessen Administration durch falsche Vorwürfe über Kontakte nach Russland sabotieren.

Und so ist Julian Assange, ob freiwillig oder unfreiwillig, zum Getriebenen des russischen Präsidenten geworden. Seine Enthüllungsplattform Wikileaks wird als politisches Werkzeug missbraucht - zuletzt, um Donald Trump zur US-Präsidentschaft zu verhelfen.

Der Journalist Sascha Lobo beschreibt das Verhältnis als “offensichtliche Achse der Ego-Brüder Trump-Assange-Putin”. Assange dürfte in dieser Achse genau wie Trump ein schwaches Glied sein.

Ein Trost bleibt ihm aber: Trotz seines persönlichen Niedergangs, trotz der wachsenden Kritik an Wikileaks - ein Stück weit hat Assange sich durchsetzen können. Zuerst als Rebell und dann als Doppelagent hat er mit seinen anarchischen Ideen und Methoden geholfen, der Welt ein bisschen Freiheit wiederzubringen.

Der Preis, den er dafür zahlt ist hoch. Der Preis, den die Welt dafür zahlt heißt Donald Trump.

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(lp)