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10/03/2017 17:53 CET | Aktualisiert 10/03/2017 17:55 CET

Vater teilt Bilder seiner 16-jährigen Tochter - und warnt, ihr Tod hätte verhindert werden können

Facebook / Adrian Derbyshire
Julia Derbyshire wurde nur 16. Jahre alt.

Kinder leben weiter, wenn ihre Eltern sterben. Irgendwann werden sie von ihren eigenen Kindern abgelöst, das ist der Kreislauf des Lebens. Julia Derbyshire hat diesen Kreislauf unterbrochen.

Sie starb im Oktober 2015 an den Folgen eines Selbstmordversuchs. Ihr Vater Adrian machte Fotos von seiner im Sterben liegenden Tochter. Er wollte darauf aufmerksam machen, dass ihr Tod hätte verhindert werden können. Erst jetzt hat er die Fotos veröffentlicht.

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Julias und Adrians Hände auf der Intensivstation - kurz vor Julias Tod. Credit: Adrian Derbyshire / Facebook

Der Vater Adrian lebte mit seiner Tochter Julia in Warrington, einer Stadt im Nordwesten Englands. Plattenbauten, Backsteinhäuser – typisch englische Vorort-Monotonie.

Er, ein an den Rollstuhl gefesselter Hochleistungssportler, der zweimal die Goldmedaille in den Paralympics gewonnen hatte. Sie, die 16-jährige Jugendliche, die auf Star Wars und Heavy-Metal stand. Sie galt als anders. Vielleicht liegt die Tragik dieser Geschichte auch deswegen so schwer.

Julia hatte zehn Jahre in den Vereinigten Staaten verbracht, bevor sie wieder zurück nach England ging. In den USA war Julia gemobbt worden, weil sie in den Augen ihrer Mitschüler so anders war. Daraufhin beschäftigte sich das junge Mädchen auf Online-Plattformen mit Themen wie Selbstverstümmelung und Selbstmord.

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Julias Derbyshire. Credit: Adrian Derbyshire / Facebook

Zurück in England versuchte ihr Vater ihr zu helfen, und nahm sie in sein Coaching-Programm "Inspire Belief Succeed“ auf. In dem Programm arbeitet Adrian mit Jugendlichen zusammen und versucht sie durch Sport psychisch stark zu machen. Doch Julia surfte weiter auf den Online-Plattformen.

Und dann, an einem Tag im Oktober, entschied sich Julia dazu, ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Sie erhängte sich in der Wohnung ihres Vaters.

Als Adrian seine Tochter fand, versuchte er Julia sofort wiederzubeleben. Dann rief er den Rettungsdienst. Julias Puls pochte schwach – sie kam sofort auf die Intensivstation.

Fünf Tage später mussten die Ärzte die Maschinen abschalten, die Julia am Leben hielten. Die Folgen ihres Suizid-Versuchs waren einfach zu schwer gewesen.

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Julias Derbyshire auf der Intensivstation, kurze Zeit später verstarb sie. Credit: Adrian Derbyshire / Facebook

"Ich machte die Fotos nur wenige Minuten vor Julias Tod und ließ sie auf meinem Handy abgespeichert – doch sehen wollte und will ich sie nicht“, sagt er.

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Adrian hielt die Fotos unter Verschluss – bis zu ihrem 18. Geburtstag.

"Die Fotos zu veröffentlichen, war eines der härtesten Dinge, die ich jemals in meinen Leben tun musste“, sagte Adrian Derbyshire gegenüber der "Daily Mail".

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Julias Derbyshire. Credit: Adrian Derbyshire / Facebook

Und anstatt mit seiner Tochter "mit einem Glas Champagner auf ihren 18. Geburtstag anzustoßen“, brachte er Blumen an Julias Grab und postete die tragischen Fotos auf seiner Facebook-Seite.

Bezwecken möchte er damit nur eines: Die Menschen darüber aufklären, wie groß die Gefahren von Suizid-Netzwerken und Cyper-Mobbing sind und welche Tragödien sie auslösen können. Er möchte andere Eltern warnen.

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Julias Derbyshire. Credit: Adrian Derbyshire / Facebook

Adrian Derbyshire hat nach dem tragischen Tod seiner Tochter eine Initiative gegründet. Über den Twitter-Account TheJDCampaign und mit den Hasthags #SASSY und #InspireBelieveSucceed hofft er, andere Menschen für das Problem derartigen Gruppen zu sensibilisieren.

"Wenn ich damit nur eine einzige Familie vor dem gleichen Schicksal bewahren kann, dann ist das bereits ein großer Erfolg für mich“, sagt Derbyshire.

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Das geschmückte Grab von Julia an ihrem 18. Geburtstag. Credit: Adrian Derbyshire / Facebook

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(ame)

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