Plant Erdogan eine neue Allianz mit dem Osten? Sein Treffen mit Putin könnte weitreichende Folgen haben

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ERDOGAN PUTIN
Russian President Vladimir Putin (L) and his Turkish counterpart Tayyip Erdogan arrive for a news conference following their meeting in Istanbul, Turkey, October 10, 2016. REUTERS/Osman Orsal | Osman Orsal / Reuters
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  • Der türkische Präsident Erdogan trifft am Freitag den russischen Präsidenten Putin in Moskau
  • Bei dem Treffen stehen insbesondere wirtschaftliche Themen und das weitere Vorgehen in Syrien auf der Tagesordnung
  • Doch auch eine geopolitische Annäherung zwischen beiden Staaten scheint möglich

Der Sultan trifft den Zaren. Am Freitag kommen in Moskau der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und sein russische Amtskollege Wladimir Putin zusammen.

Längst ist die Eiszeit zwischen Russland und der Türkei beendet, die 2015 wegen eines abgeschossenen russischen Kampfjets ausgebrochen war. Daran änderte auch der Mord am russischen Botschafter in Ankara im Dezember nichts.

So frolockt die regierungsnahe türkische Zeitung "Daily Sabah" vor dem Treffen: "Die Beziehungen der türkisch-russischen Beziehungen (...) sehen heller als jemals zuvor aus."

Offiziell soll es in Moskau um eine weitere wirtschaftliche und politische Annäherung der beiden Staaten geben - es ist bereits die vierte Zusammenkunft binnen weniger Monate.

"Türkisch-russische Beziehungen heller als jemals zuvor"

Putin und Erdogan wollen ihre Kooperationen in Syrien und im Kampf gegen den Terrorismus besprechen. Auch über gemeinsame Wirtschaftsprojekte werden die beiden diskutieren. Es geht um die Gaspipeline Turkish Stream durch das Schwarze Meer und das Kernkraftwerk Akkuyu im Süden der Türkei.

Doch es gibt auch Hinweise, dass sich beide Staaten militärisch annähern könnten. Bereits im November hatte Ankara erklärt, das S-400-Flugabwehrsystem, "Flaggschiff der russischen Flugabwehr" ("FAZ"), von Russland kaufen zu wollen. Erdogan will den Wunsch nun erneuern.

Zelebrieren des Schulterschlusses

"Die Präsidenten Russlands und der Türkei zelebrieren nach schwierigen Monaten den Schulterschluss. Erdogan und Putin eint die Enttäuschung über den Westen", schreibt "Spiegel Online".

Das könnte beide geopolitisch zusammenführen. In der ARD-Sendung "Monitor" berichteten mehrere türkische Ex-Offiziere über mutmaßliche Pläne Erdogans. "Die Türkei soll aus der westlichen Allianz gelöst werden und in eine östliche eintreten", sagte einer der anonymen Ex-Offiziere.

Weil der Westen zunehmend Erdogans repressives Vorgehen kritisiert, solle die Nato geschwächt werden. Hunderte türkische Armeeangehörige, die bei dem Militärbündnis arbeiteten, waren und sind von massiven Säuberungen nach dem Putschversuch im Juli 2016 betroffen.

Viele haben deshalb Asyl in Deutschland und Belgien beantragt.

"Erdogan sieht in Moskau einen Partner"

Und: Erdogan hatte in der Vergangenheit schon einmal eine Orientierung des Nato-Landes Türkei in Richtung Russland und China ins Gespräch gebracht. Angesichts der schlechten Beziehungen - zumal zu Deutschland - könnte er auch diesmal bekräftigen, dass es aus seiner Sicht eine Alternative zu einer EU-Mitgliedschaft gibt.

"Der türkische Präsident ist vom Westen enttäuscht und sucht einen zuverlässigen Verbündeten. In Moskau sieht er so einen Partner", sagt der russische Politologe Alexej Obraszow. Fraglich ist allerdings, ob Erdogan tatsächlich zum letzten Mittel greift und aus der Nato austritt oder bloß zum Militärbündnis auf Distanz geht.

Mehr als nur Touristen und Gas?

Wahrscheinlicher ist derzeit, dass es Erdogan in Moskau vornehmlich darum geht, wieder mehr russische Touristen an einheimischen Strände zu locken, Putin will umgekehrt mehr russisches Gas verkaufen.

Doch auf beiden Seiten hat sich die pragmatische Überzeugung durchgesetzt, dass Moskau und Ankara zusammen mehr erreichen können als alleine. Das sollte als ein wichtiges Signal für eine Allianz gewertet werden. Zumal Putin und Erdogan das Gefühl haben, der Westen sei ihr Gegner.

(Mit Material der dpa)

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(lp)