Alte Bahntrassen als Radwege - so will Berlin das Radfahren revolutionieren

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BERLIN RADWEGE
So könnte der Radschnellweg entlang der jetzigen S-Bahn-Linie 1 in Berlin aussehen | CDU Steglitz-Zehlendorf
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  • Woanders sind Radschnellwege schon längst Realität
  • Nun will auch Berlin etliche dieser fahrradfreundlichen Wege einrichten
  • Dazu sollen auch alte Bahntrassen verwendet werden

Über 70 Prozent der Berliner haben ein Fahrrad, mehr als jeder zehnte radelt schon jetzt jeden Tag zur Arbeit. Inzwischen stehen den Radfahrern weit über 1000 Kilometer Fahrradwege zur Verfügung.

Nun will die Bundeshauptstadt das bestehende Netz durch Radschnellwege ergänzen - und damit den öffentlichen Verkehr revolutionieren: mindestens drei Meter breite Fahrbahnen in einer Richtung nur für Radler, Vorfahrt an Kreuzungen, Vorrang an Ampeln, zum Teil sogar dauerhaft Grün. Das alles kilometerlang, vom Zentrum sternförmig in die Außenbezirke.

"Ende 2017 werden wir ein großes Stück weiter sein. Dann ist klar, welche Radschnellwege als Erstes eingerichtet werden. Es zeichnet sich ab, dass wir mit vier Projekten starten werden“, so der Verkehrs-Staatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) gegenüber der "Berliner Zeitung".

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Alte Bahntrassen zu Radschnellwegen

Fortgeschrittene Planungen für Strecken gibt es schon. So könnte die Trasse der früheren Potsdamer Stammbahn als Radweg wiederbelebt werden. Die Vorzüge laut Projektteam: "Einfach und schnell reaktivierbar." Und: Die Fahrzeit von Lichterfelde West zum Potsdamer Platz würde sich von 44 auf 25 Minuten verringern. Allerdings gehört die Trasse der Deutschen Bahn, welche die derzeit stillgelegte Strecke langfristig wieder selbst nutzen will.

radschnellwege

Andernorts sollen bereits bestehende Wege ausgebaut werden, wie im Südosten Berlins. Dort soll ein Betriebsweg zwischen der Autobahn A 113 und dem Teltowkanal genutzt werden. Experten haben berechnet, dass sich dadurch die Fahrzeit von Neukölln nach Adlershof von 36 auf 22 Minuten verkürzen würde.

Bundesregierung will Radschnellwege fördern

Die Bundesregierung möchte solche Initiativen deutschlandweit mit einem neuen Gesetz unterstützen. Sie will die Radschnellwege mit Millionen Euro fördern.

Länder und Kommunen können nach dem Gesetzesentwurf bis 2030 Zuschüsse für den Bau von Rad-Highways beantragen. Für dieses Jahr stehen 25 Millionen Euro dafür zur Verfügung, ab 2022 sollen die Mittel reduziert werden.

NRW plant hunderte Kilometer Radwege

In einigen deutschen Städten sind bereits Projekte zum Bau von Radschnellwegen im Gang. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen arbeitet etwa daran, Ballungszentren mit hunderten Kilometern Rad-Highways zu verbinden.

Manche Großstädte in Europa sind derweil schon weiter als die Städte hierzulande. In den Niederlanden sind die Radschnellwege bereits Realität. Im dänischen Kopenhagen nutzen inzwischen mehr Menschen das Rad als das Auto, in Frankreichs Hauptstadt Paris sollen Menschen 200 Euro Kaufprämie für ein E-Bike beantragen können.

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(sk)