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09/03/2017 05:06 CET | Aktualisiert 09/03/2017 14:29 CET

Maischberger fragt CDU-Mann, ob er für einen Euro die Straße fegen würde. Seine Reaktion spricht Bände

  • Bei "Maischberger" wurde heftig debattiert, ob Schröders Agenda 2010 ein Erfolg war

  • Für Oskar Lafontaine brachte das Programm vor allem Minijobs und Abstiegsängste

  • Die Moderatorin stellte CDU-Mann Ralph Brinkhaus eine heikle Frage

  • Oben im Video: SPD-Ministerpräsidentin Kraft machte bei "Maischberger" Kampfansage – sofort wünschte sie sich, sie hätte den Mund gehalten

Die Agenda 2010: Ist sie der Motor von Deutschlands Jobwunder? Oder hat sie Arbeiter und Arbeitslose nur billig an die Konzerne verkauft?

Oskar Lafontaine von den Linken vertrat bei "Maischberger" eine klare Meinung: "Das war damals das Programm der Arbeitgeber. Und deshalb waren die Arbeitgeberverbände ganz glücklich." Viele Menschen würden heute "eine kalte Wut" kriegen, wenn sie hörten, die Agenda sei ein Erfolg.

"Wenn jetzt ein Leiharbeiter dasitzt und Ihnen zuhört, der empfindet das nicht als Erfolg." Und auch jemand mit Werkvertrag und einem Stundenlohn von ein paar Euro oder ein jahrelanger Hartz-IV-Empfänger könnte wohl kaum von Erfolg sprechen.

"Das ist blanker Zynismus." Die Unternehmer hätten dank Lohndrückerei dagegen mächtig Erfolg gehabt. Für 40 Prozent der Menschen hätten sich die Lebensverhältnisse klar verschlechtert, so Lafontaine. Woher diese Zahlen stammen, sagte er nicht.

"Den Leuten geht es heute schlechter"

Darauf fragte Maischberger nach: "Aber ist es nicht ein Erfolg, dass man von fünf Millionen Arbeitslosen im Jahr 2005 auf heute 2,7 Millionen kam?"

Lafontaine entgegnete: "Es gibt mehr Arbeitsplätze, das ist nicht zu bestreiten." Aber das sei gar kein Wunder, denn viele der neu dazugekommenen Jobs seien in Wirklichkeit Minijobs und Teilzeitarbeitsplätze.

Die Teilzeitquote sei von damals 24 Prozent auf heute fast 40 Prozent hochgeschnellt. Zudem habe sich die Zahl auch deshalb verbessert, da weit verbreitetes Lohndumping die Exportwirtschaft beflügle. "Den Leuten geht es heute schlechter", fasste der Ex-SPD-Chef seine Analyse der Agenda 2010 zusammen.

Um seine Argumente zu untermauern, erinnerte Lafontaine an den damals zu Beginn der Agenda 2010 groß in den Medien diskutierten Fall eines Arbeitslosen, der für einen Euro die Straße fegen musste. "Das sind die persönlichen Schicksale, die können Sie gar nicht in Geld messen."

Man müsse statt nur über Zahlen auch über Abstiegsängste sprechen, die mittlerweile selbst bei der Mittelschicht angekommen seien. "Diese Agenda hat den Gesellschaftscharakter der Bundesrepublik Deutschland total verändert. Hin zu mehr Angst."

"Schröder hat sich verdient gemacht."

Das wollte Ralph Brinkhaus, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Union, natürlich nicht so stehen lassen: "Wir haben klar reale Lohnzuwächse. Die Leute haben mehr in der Tasche als noch 2005."

Es seien überwiegend reguläre Arbeitsplätze entstanden. Jene, die Teilzeit arbeiteten, machten dies meist, weil sie es so wollten. Der CDU-Politiker lobte den SPD-Kanzler: "Schröder hat sich verdient gemacht."

"Würden Sie einen Ein-Euro-Job annehmen?“, fragte Maischberger den CDU-Mann.

Dieser legte wortreich los, forderte, Prozesse müssten verbessert, ältere Arbeiter zurückgebracht werden. Es gebe Leute, die fegten die Straße als Hauptberuf. "Ich finde, die machen eine tolle Arbeit. Die sind genauso wichtig wie ein Politiker oder ein Topmanager."

Wer aufmerksam zuhörte, erkannte aber gleich, dass er Maischbergers Frage geschickt auswich. Ob er denn die Straße für einen Euro fegen würde, erfuhr vorerst niemand. Moderatorin Maischberger verpasste hier klar die Chance, nachzuforschen, eine klare Antwort auf ihre Frage einzufordern.

Und den schwadronierenden Brinkhaus in die Zange zu nehmen.

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(bp / lp / sk)

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