Gregor Gysi: "Die EU ist gefährdet wie noch nie"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GREGOR GYSI
Gregor Gysi: "EU ist gefährdet wie noch nie" | Reuters
Drucken
  • Der Linke-Politiker Gregor Gysi sieht die Europäische Union in einer beispiellosen Krise
  • Er glaubt nicht daran, dass sich das Problem mit weniger Zusammenarbeit lösen lasse
  • Gysi fordert ein einheitliches Vorgehen aller EU-Staaten

Gregor Gysi, Präsident der Europäischen Linken und Bundestagsabgeordneter, sorgt sich um den Fortbestand der EU.

"Ich glaube, dass die Europäische Union so gefährdet ist, wie sie noch nie gefährdet war", sagte er am Donnerstagmorgen im Deutschlandfunk.

Schon in sechs EU-Ländern habe die Mehrheit der Menschen sich klar von der EU abgewandt. Der Brexit ist dafür das krasseste Beispiel, aber auch in vielen anderen Ländern feiern Parteien Erfolge, die für einen Austritt aus der EU plädieren.

Gysi gegen eine Europa der zwei Geschwindigkeiten

"Wenn wir einfach so weitermachen, auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, dann kann es sein, dass der Zerfallsprozess möglicherweise sogar beschleunigt wird. Das ist gar nicht gut", sagte Gysi.

Er bezog sich damit auf Überlegungen von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker, der kürzlich ein Weißbuch zur Zukunft der EU vorgestellt hatte.

Darin skizzierte er fünf Szenarien für die Zukunft Europas. Letztlich sind es Überlegungen, dass die EU nicht mehr wie bisher versuchen sollte, alles für alle im gleichen Tempo zu machen, sondern manche Staaten mehr, manche weniger gemeinsam regeln könnten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dieses Vorgehen in ihrer Regierungserklärung am Donnerstagvormittag ausdrücklich als Möglichkeit genannt.

An diese Strategie glaubt Gysi nicht. "Vielleicht hätte man Länder nicht so schnell aufnehmen müssen, aber nun hat man sie aufgenommen. Jetzt müssen wir auch versuchen, den Weg gemeinsam zu gehen."

Es gibt viel, was Gysi an der EU stört

Gysi ist ein Kritiker der EU – er stellt sie allerdings nicht an sich infrage, sondernihre Organisationsprinzipien.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Gysi sagte: "Und obwohl ich sie für unsolidarisch, unsozial, undemokratisch, ökologisch nicht nachhaltig, intransparent und nun zunehmend auch noch militärisch halte, was ich alles kritisiere, sage ich, müssen wir sie retten."

Der Linken-Politiker argumentierte in dem Interview, für die jungen Menschen sei das alte Europa mit Pass und Grenzbaum nicht mehr vorstellbar, nicht mehr machbar. Die jungen Menschen arbeiteten und studierten schließlich heute "mal hier und mal da".

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(lp)

Korrektur anregen