POLITIK
09/03/2017 21:16 CET | Aktualisiert 20/03/2017 16:17 CET

7 Dinge, die jeder Deutsche tun kann, um Erdogan zu stoppen

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7 Dinge, die jeder Deutsche tun kann, um Erdogan zu stoppen

Seit Jahren gleitet die Türkei unter der Herrschaft von Recep Tayyip Erdogan in diktatorische Zustände ab. Nach dem gescheiterten Militärputsch im vergangenen Jahr hat sich diese Entwicklung noch einmal beschleunigt.

Viele Deutsche schauen ungläubig auf das, was in der Türkei passiert. Vor allem mit Blick auf die aktuelle Diskussion um Wahlkampfauftritte von türkischen Politikern und Erdogans Nazi-Vorwürfen gegen Deutschland.

Aber ganz machtlos sind wir nicht.

Hier sind sieben Dinge, die jeder Deutsche machen kann, um Erdogan zu stoppen.

1. Weiterhin den Urlaub in der Türkei verbringen

Anfang dieser Woche hat der Deutsche Reiseverband bekanntgegeben, dass die Zahl der Frühbuchungen für Türkei-Urlaube zum zweiten Mal in Folge dramatisch eingebrochen ist. Gut möglich, dass viele Deutschen damit Erdogan und dessen Politik abstrafen wollen. Sie treffen damit aber die Falschen, nämlich jene Kleinunternehmer in Touristengebieten, die ohnehin weltoffener denken dürften als der türkische Präsident.

Außerdem ist kultureller Austausch jetzt so wichtig wie selten zuvor. Zeigen wir den Menschen in der Türkei, dass Erdogans Fieberfantasien von einer Wiederauferstehung Nazi-Deutschlands nichts weiter als der billige Versuch sind, die eigenen Landsleute zu betrügen.

2. In ein türkisches Café gehen und mit den Menschen reden

Ein Grundproblem im Zusammenleben zwischen Deutschen und Deutschtürken ist immer noch, dass es viel zu selten ein wirkliches Zusammenleben gibt. Die meisten Menschen mit einer deutschen Ahnenreihe dürften nicht viel darüber wissen, was die Alltagssorgen derjenigen sind, die einen türkischen Pass oder türkische Wurzeln haben.

Womöglich ist die bleibende Fremdheit ein Grund dafür, warum Erdogans Parolen bei den Deutschtürken so viel Erfolg haben. Fangen wir doch im Kleinen an, diese Fremdheit abzubauen und sprechen einfach mit den Deutschtürken, die in unserem Kiez oder unserer Stadt leben. Einen weiteren Effekt hat das auch: Wir selbst lernen womöglich einiges dazu über das Land, in dem wir leben.

3. Die Deutschtürken endlich auch politisch ernst nehmen

Nicht jeder, der derzeit für Herrn Erdogan demonstriert, ist ein Spinner. Wer will, kann ja mal auf der nächsten Demo vorbei schauen und mit den Menschen reden. Es sind einige vernünftige Leute dabei, die durchaus für Argumente zugänglich sind.

Genau darauf kommt es jetzt an: Dass die Deutschen ihre türkisch-deutschen Mitbürger zu verstehen versuchen. Womöglich lässt sich ja der ein oder andere auch davon überzeugen, nicht für Erdogans Verfassungsreform zu stimmen. Das wäre derzeit sehr wichtig: Denn laut Umfragen ist der Wahlausgang völlig offen. Jede Stimme kann zählen.

4. Erdogan reden lassen

Recep Tayyip Erdogan will nach Deutschland kommen? Lassen wir ihn doch! Er muss für seinen Wahlkampfauftritt 2.500 Kilometer weit reisen. Und nach ein oder zwei Tagen geht’s im Flieger wieder zurück nach Ankara.

Wer so tut, als könne Erdogan mit einem einfachen Auftritt hier in Deutschland alle 1,4 Millionen Wahlberechtigten Deutsch-Türken „umprogrammieren“, der schmeißt dabei sämtliche Gesetze der Kommunikatorenforschung über den Haufen. Das Überzeugen von Menschen ist ein viel komplexerer Akt. Und unsere Chance ist gekommen, wenn Erdogan wieder im Flugzeug sitzt.

5. Machen wir doch Wahlkampf gegen die Änderung der türkischen Verfassung

Wenn wir es tatsächlich ernst meinen mit unseren türkisch-deutschen Mitbürgern, dann sollten wir den Wahlkampfauftritten von Politikern des Erdogan-Regimes etwas entgegensetzen und schleunigst anfangen, um die Herzen und Hirne zu kämpfen. Wer klein anfangen will, kann das im Privaten machen: Etwa mit Hilfe von Facebook-Postings.

Wer’s gern eine Nummer größer hätte: Auch die größte Oppositionspartei im türkischen Parlament, die CHP, veranstaltet Wahlkampfevents in Deutschland. Was kann man schon verlieren, wenn man mal fragt, wie man sich dort bis Mitte April für diese Sache engagieren kann?

6. Sich für Deniz Yücels Freilassung engagieren

In einem Punkt ist Erdogan wie alle anderen Despoten in Europa und Asien: Er kann es nicht ertragen, wenn Journalisten in der Lage sind, ihre Arbeit machen. Deswegen sitzen in der Türkei so viele Journalisten im Gefängnis, wie sonst nirgendwo in Europa.

Einer von ihnen ist seit Februar der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel. Es ist ein Skandal, dass dieser Mann vom Erdogan-Regime eingesperrt wurde, nur weil er recherchiert hat. Aber allein Recherche ist in der Logik von Herrn Erdogan mit „Spionage“ gleichzusetzen. Dahinter ist ziemlich leicht die totalitäre Fratze zu erkennen: Wer gegen Erdogan Kritik übt, der verrät damit den Staat.

Doch Kritik anbringen ist wichtig - und leicht umsetzbar. Am Mittwoch, den 15. März, findet zum Beispiel im Berliner „Festsaal Kreuzberg“ eine Solidaritätsveranstaltung mit einer Lesung aus Yücels Texten statt.

7. Den Scharfmachern in Deutschland das Wasser abgraben

Vertreter der rechtsradikalen AfD und andere Fremdenfeinde sehen nun ihre Stunde gekommen: Sie versuchen, auf der Welle des Anti-Erdogan-Protests zu reiten. Wer gegen den islamischen Politiker Erdogan ist, so der Gedanke dahinter, der dürfte auch für „islamkritische“ Argumente offen sein.

Weisen wir diese Leute in die Schranken.

Es geht hier um nichts weniger als Europas Zukunft. Da haben Spalter keinen Platz.

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(jg)

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