Ob ein Kind gut in der Schule ist, hängt vor allem von diesem einen überraschenden Faktor ab

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Ob ein Kind gut in der Schule ist, hängt vor allem von diesem einen überraschenden Faktor ab. | BraunS via Getty Images
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Es geht nicht um Intelligenz, Fleiß oder engagierte Lehrer: Eine Psychologin hat jetzt Daten der PISA-Studie ausgewertet und einen Faktor identifiziert, den alle Kinder gemeinsam haben, die gut in der Schule sind. Ihr Ergebnis sollte allen Eltern und Bildungsforschern zu denken geben.

Vorweg: Natürlich ist klar, dass Faktoren wie die Intelligenz und der Fleiß des Kindes sowie die Qualität des Unterrichts bei seinem schulischen Erfolg eine Rolle spielen. Aber sie sind nicht allein ausschlaggebend - denn nicht jedes Kind, das gut in der Schule ist, ist auch besonders fleißig, intelligent oder hat sehr engagierte Lehrer.

Schüler sind gut, wenn sie an sich selbst glauben

Auch die Qualität des Unterrichts oder die Begeisterung der Schüler für den Unterrichtsstoff spiele keine große Rolle: "Alle Auswertungen ergeben, dass der Glaube der Schüler, ihre Probleme selbst lösen zu können, viel wichtiger ist, als beispielsweise ihre Wahrnehmung von der Schule selbst", schreibt die Psychologin Jihyun Lee, die als Professorin an der australischen University of New South Wales arbeitet.

Zu dieser Erkenntnis gelangte sie, als sie sich mit den umfangreichen Daten des letzten PISA-Tests beschäftigte, der 2015 erhoben wurde. Dafür wurden in 72 Ländern unter anderem 15-jährige Schüler zu ihrem Wissensstand und zu ihrer Einstellung gegenüber ihrer Schule befragt. So sollten die Schüler unter anderem angeben, ob:

a, die Schule wenig dafür getan hat, um sie auf ihre Zukunft vorzubereiten
b, die Schule nur Zeitverschwendung ist
c, die Schule ihnen das nötige Selbstvertrauen gegeben hat, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen
d, die Schule ihnen gelehrt hat, was für ihr späteres Arbeitsleben nützlich ist.

Lee konnte keinen Zusammenhang zwischen der Motivation, für die Schule zu lernen und dem Abschneiden der Schüler feststellen. Das galt für die teilnehmenden Schüler aller Länder - unabhängig, welchen sozialen Hintergrund oder welches Geschlecht sie hatten.

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Kinder brauchen ein gesundes Selbstbewusstsein

"Das heißt, dass erfolgreiche Schüler in den meisten Ländern den Unterricht deshalb nicht automatisch positiv beurteilen. Aber auch weniger erfolgreiche Schüler haben nicht unbedingt eine schlechte Meinung über ihren Unterricht. Es gibt einfach keinen Zusammenhang", schreibt Lee.

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Auch in den Daten des PISA-Tests aus den Jahren 2003, 2009 und 2012 fand sich kein Zusammenhang zwischen Motivation und schulischem Erfolg. Lee schreibt: "Andere PISA-Auswertungen haben ergeben, dass das, was erfolgreiche und weniger erfolgreiche Schüler unterscheidet, das Bewusstsein über ihre Stärken und Schwächen ist."

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Das ist eine überraschende Erkenntnis. Immerhin hieß es jahrelang, mangelnder Fleiß oder mangelnde Motivation könnten dazu führen, dass Kinder in der Schule schlecht abschneiden. Lees Auswertungen zeigen hingegen, dass das Problem noch viel tiefer liegt.

Es geht darum, ob Kinder die Möglichkeit bekommen, das nötige Selbstbewusstsein aufzubauen, um eigene Lösungen entwickeln und Herausforderungen annehmen und meistern zu können.

Mit ihrer Erkenntnis steht Lee übrigens nicht alleine da: Immer mehr Experten sind der Meinung, dass Kinder Selbstbewusstsein und eine positive Einstellung zu ihren Fähigkeiten entwickeln sollten, noch bevor sie eingeschult werden. Nur dadurch könnten sie später mal erfolgreich und glücklich sein.

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(mm)

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