NACHRICHTEN
08/03/2017 13:46 CET | Aktualisiert 08/03/2017 19:00 CET

Die Medien zum Weltfrauentag: "Was ist unorigineller, erwartbarer, überflüssiger als der Frauentag?"

Valentyn Ogirenko / Reuters
Medien streiten über Weltfrauentag: "Unoriginell und überflüssig?"

  • Macht der Feminismus die Weiblichkeit kaputt?

  • Für wen sollen Feministinnen überhaupt eintreten?

  • Und wer ist die größte Gefahr für sie?

  • Die deutsche Presse kommentiert hochemotional - und kommt zu spannenden Antworten

Mag die Welt auf den Kopf stellen, aufmischen, aufrütteln, wer will. Die Kommentatoren, pardon, heute tatsächlich Kommentatorinnen, traditionell linker und traditionell konservativer Medien halten sich zum Weltfrauentag an die bewährte Linie. Das allerdings lesenswert, bissig, ideenreich.

Die "Süddeutsche Zeitung" fragt, was sich wohl viele an diesem Tag fragen: "Was ist unorigineller, erwartbarer, überflüssiger als der Frauentag?"

Wie viel Schönheit darf's denn sein?

Die Antwort: Ausfälle, Pöbeleien, Gehässigkeiten gegen Frauen.

Damit sind wir bei einem Problem, das Kommentatorinnen umtreibt: Egal, wie Frauen es anpacken, immer machen sie es falsch.

Egal ob eine bekennende Konservative wie Donald Trumps Sprecherin Kellyanne Conway in seltsamer Pose und kurzem Kleid auf einem Sofa herumturnt oder ihre Haare nicht wäscht - sie wird gebasht. Von Feministen aus Prinzip, von Konservativen jetzt im Speziellen.

Wenn eine bekennende Feministin wie Emma Watson mal einen größeren Ausschnitt zeigt, dann jaulen ausgerechnet Frauen auf.

"Brust zeigen, so die Logik der Kritiker", so heißt es in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dürfen Feministinnen nur, wenn sie es wie Femen tun, um das männliche Establishment zu erschrecken. Nicht, um attraktiv zu wirken.

Die einen, die sich Feministinnen nennen und glauben, Frauen dürften im Kontext der ästhetisierten Warenwelt und vermeintlich unter dem Diktat des männlichen Blicks keine weiblichen Reize setzen, gehen denen an die Gurgel, die mit Recht sagen: Warum soll sich eine Frau nicht zeigen, wie sie will?"

Die Autorin der "Welt" konstatiert genervt: "Hübsche Frauen mit guter Figur, die das auch noch zeigen oder womöglich ihr Geld mit ihrer Schönheit verdienen, sind (....) auf dem Index. Schön sein und das womöglich noch gerne ist ganz pfui."

Tötet der Feminismus die Weiblichkeit?

Sie geht noch weiter – und verurteilt die "Entwertung der Weiblichkeit". Sie hält nichts von "Feministinnen, die bei Darstellungen von Frauen in typischen Hausarbeitsszenen in Schnappatmung verfallen".

Zu leugnen, dass es Hausfrauen gebe, zu leugnen, dass das Kinderbekommen eine Kernkompetenz der Frau sei, ist für sie das Gegenteil von Feminismus. "Gibt es eine perfidere Art, ureigene Weiblichkeit, nämlich Mutterschaft, für nichtig zu erklären, als mit der Behauptung, sie sei jederzeit durch einen Mann, oder zwei, oder egal durch wen ersetzbar?"

Für Frauen? Oder für alle?

Der Feminismus, so wie er derzeit praktiziert wird, hat also ein Image-Problem. Das so groß ist, dass viele schon nach einem neuen Begriff suchen, wie "Spiegel Online" schreibt.

Was vielleicht gar nicht so falsch wäre, weil das Wort Feminismus suggeriere, dass er vor allem die Frauen etwas angehe. Doch heute gehe es in Deutschland vor allem um Dinge, "die sich nicht an Gesetzen festmachen lassen, sondern an alltäglichem Verhalten". Sprich: die alle betreffen, nicht nur Frauen.

Die "Taz" sieht in den inner-feministischen Diskussionen nicht notwendigerweise einen Widerspruch zu dem Wusch, "die Gesellschaft als Ganzes zu verändern". Ihre Autorin vertritt die Position, dass die Frauenbewegung eine Klammer bilden soll für Minderheiten, etwa Homosexuelle, behinderte Menschen, Transsexuelle ... "Wir sind People of Color, muslimisch, migrantisch. Wir sind hetero, queer, divers."

Eine Haltung, die die Autorin der "Welt" auf die Palme bringt. Angesichts der vergleichsweise schlaraffenland-ähnlichen Situation der Frauen in Deutschland sei es "kein Wunder also, dass sich auch die diensthabenden Frauenrechtlerinnen inzwischen mit neuen Opfergruppen zusammengeschlossen haben, um gegen die eigene Überflüssigkeit tapfer anzuarbeiten."

Warum müsse sie "als Frau für Unisextoiletten kämpfen, um politisch korrekt emanzipiert zu sein? Ich hab gar keine Lust, die Interessen von Männern in Frauenkleidung zu vertreten, die meine Umkleidekabine nutzen wollen (...)."

Abseits aller inner-feministischer Kämpfe aber haben mehrere Kommentatorinnen eine echte Bedrohung der Gleichberechtigung ausgemacht: die Rechten.

Die Bedrohung von rechts

Die "SZ" notiert: "Nichts ist sicher. Nichts unhinterfragt. Nichts irreversibel, jedenfalls keine gesellschaftliche Entwicklung. Das gilt nicht nur für die Frauen, aber auch für sie (...). Denn der Aufstieg der Populisten in Deutschland, Russland, der Türkei und Amerika, in Ungarn, Frankreich oder Polen hat alles verändert."

In der "TAZ" heißt es: "Rechtspopulisten wollen uns einheitlich und schwach: als deutsche, heterosexuelle Frau und Mutter."

Ohne viele Worte ...

Die "Bild"-Zeitung publiziert am Weltfrauentag ein Foto aus dem "Playboy". Ronja Forcher aus dem "Bergdoktor" wird da zitiert mit dem Satz: "Manchmal ist mir mein Busen im Weg."

Das ist zwar nicht besonders elaboriert. Aber so einen Satz samt Foto kann man an dem Tag durchaus als Kommentar verstehen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

(ks)

Sponsored by Trentino