Nike zeigt Muslima im Werbespot - und handelt sich heftige Kritik von arabischen Frauen ein

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NIKE HIJAB
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  • Der Sportartikelhersteller Nike zeigt in einer Kampagne eine Muslima mit Kopftuch
  • Dafür wird das Unternehmen jetzt heftig kritisiert
  • Eine arabische Journalistin argumentiert: Nikes Pseudo-Engagement fördere keine Gleichberechtigung

“Sexy Verschleierung, Schuhe für den Laufsteg und fehlender Feminismus”, lautet der Titel eines Artikels der Journalistin Rafia Zakaria. In ihm kritisiert sie in heftigen Worten den Gegensatz zwischen Modemarketing und gesellschaftlicher Realität in der arabischen Welt.

Anlässlich des Weltfrauentags macht sie in ihrem Beitrag deutlich, dass die muslimische Frau nicht allein durch Mode ihre Freiheit und Macht in der arabischen Gesellschaft erhalten kann.

Werbespot von Nike zu neuen sportlichen Hijabs

Zakari knöpft sich zunächst einmal die Sportfirma Nike und deren Werbung vor. Nike hat in diesem Jahr zum ersten Mal Sportkleidung auch für Muslimas entwickelt - darunter Hijabs, also Kopftücher.

Die Journalistin beschreibt einen Werbespot von Nike, in dem Muslimas als Boxerinnen, Fechterinnen und Läuferinnen mit einem sportlichen Hijab durch die Straßen von Dubai laufen. Der Werbespot endet nach dem kraftvollen Lauf der Sportlerinnen auf dem Bild eines kleinen, unsicheren Mädchens.

Soll dieses Mädchen am Ende des Werbespots die Freiheit von Muslimas demonstrieren? Eine Zukunft, in der sie in der Sportwelt angekommen sind? Für Zakaria enthält dieses Schlussbild zu viele Klischees - zum Beitrag für mehr Gleichberechtigung der Frauen in der arabischen Welt würde es nicht taugen.

Covermodel der arabischen “Vogue” zeigt zu viel nackte Schulter

Als weiteres Beispiel einer reinen Marketingaktion nennt Zakaria die erste arabische Ausgabe der Modezeitschrift „Vogue“ im März 2017. Sie zitiert den “Vogue”-Chefredakteur, der zu dieser arabischen Erstausgabe folgendes gesagt hat: “Tausend Worte einer Region, die viel zu lange auf ihre ‘Vogue’-Stimme gewartet hat.”

Zakaria lässt dieses Zitat allerdings unkommentiert und merkt nur ironisch an, dass das Covermodel, Gigi Hadid, trotz des geschmückten Schleier eine nackte Schulter zeigt. Ein Hinweis darauf, dass die arabische Ausgabe der “Vogue” die Grundregeln der islamischen Religion und Kultur aushebeln will?

Mitnichten, glaubt Zakaria. Sie schreibt in ihrem Artikel auch über eine falsche Darstellung von Symbolen der Muslimas, wie beispielsweise der Verschleierung.

Laut Zakaria habe die nichts mit der allgemeinen Feminismus- und Gleichberechtigungs-Debatte in der arabischen Welt zu tun. Muslimas hätten in der arabischen Welt nicht mit Mode-Problemen zu kämpfen - wie die Frauen in der westlichen Welt.

Nein, Zakaria sieht als Ziel der Feministinnen in der arabischen Welt in den nächsten Jahren etwas viel grundsätzlicheres: Sie müssten zunächst viele weitere Anhänger gewinnen, die für die Gleichberechtigung einstehen wollen.

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(jg)