Ex-Nationalspieler Hitzlsperger entlarvt bei Fifa-Konferenz in einem Satz, wie rückständig die Fußballwelt ist

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HITZLSPERGER
Flammender Appell: Hitzlsperger entlarvt bei Fifa-Konferenz in einem Satz, wie rückständig die Fußballwelt ist | Valeriano Di Domenico - FIFA via Getty Images
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  • Ex-Fußballprofi Thomas Hitzlsperger hat bei einer Fifa-Konferenz über sein Outing gesprochen
  • Die Diskussion zeigt, wie homophob die Fußballwelt noch immer ist

Der Profi-Fußball hat ein Problem. Noch immer ist Homosexualität ein absolutes Tabu-Thema. Seit sich der ehemalige deutsche Nationalspieler Thomas Hitzlsperger vor drei Jahren als schwul outete, hat sich wenig getan.

Wie wenig, das musste Hitzlsperger am Montag bei einer Fifa-Konferenz in Zürich erleben. Eigentlich sollte es um "Gleichheit und Inklusion" gehen.

Doch der viermalige Champions-League-Sieger Clarence Seedorf, der ebenfalls auf dem Podium saß, zeigte, dass er davon wenig versteht.

"Ich freue mich sehr, dich wiederzusehen. Ich habe mich immer gefragt, ob es nötig ist, dass du aufstehst und über deine sexuelle Orientierung redest", begrüßte er den Deutschen wenig verständnisvoll.

Hitzlsperger antwortete besonnen: "Fußballer haben eine Vorbildfunktion. Es gibt sehr viele Menschen, die Probleme mit ihrer eigenen Sexualität haben", sagte er: "Wenn Vorbilder aufstehen und offen darüber reden, können sie etwas ändern."

Doch Seedorf ließ nicht locker. Schließlich sprächen auch heterosexuelle Spieler nicht über ihre Sexualität. Hitzlsperger hielt der Fußballwelt den Spiegel vor – und zeigte Seehofer, wie verlogen seine Argumentation war.

Der Ex-Premiere-League-Profi sagte: "Immer, wenn ich über einen Fußballer lese, der seine Frau betrogen hat - sorry, aber das passiert - wird über seine Sexualität geredet. Selbst wenn ich ins Büro gehe und auf dem Schreibtisch eines Kollegen ein Foto der Partnerin sehe, sagt er mir, dass er heterosexuell ist."

Seedorf zeigt sich überrascht – und beeindruckt

Sexualität sei also immer ein großes Thema im Fußball. Nur über Homosexualität wolle niemand reden. Hitzlsperger sagte: "Die Leute sagen natürlich, dass es kein Problem sein sollte. Ich wünschte, es wäre kein Problem. Aber es ist immer noch eines. Und solange das der Fall ist, müssen Leute aufstehen und sagen, dass sie schwul sind und andere damit ermutigen."

Am Ende zeigte sogar Seedorf Verständnis – geradezu beeindruckt war der Niederländer vom flammenden Appell des Ex-Nationalspielers: "Es war das erste Mal, dass jemand mir die Sache auf diese Weise erklärt hat. Sonst reden alle immer nur darüber, dass sie die gleichen Rechte haben wollen. Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute so eine Einstellung hätten."

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(jg)

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