Trumps Dobermann: Wie Sean Spicer sich einen fatalen Fehler nach dem anderen leistet

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Trumps Dobermann: Wie Sean Spicer sich einen fatalen Fehler nach dem anderen leistet | Getty
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  • Trumps Pressesprecher Sean Spicer beißt jede Kritik an seinem Chef weg
  • Dabei führt er einen offenen Krieg gegen die Medien...
  • Und begeht einen schweren Fehler nach dem anderen

Wenn das Kabelfernsehen in diesen Tagen die Pressekonferenzen aus dem Weißen Haus überträgt, kommt irgendwann der Moment, in dem Sean Spicer ausrastet.

Er wird laut und emotional und driftet immer weiter von der eigentlichen Nachricht des Tages ab.

Als nächstes bricht Spicer dann mit einem Reporter einen Streit vom Zaun, wittert überall böse Absichten und versucht wild gestikulierend, als ein harter Hund zu erscheinen, dem man nichts vormachen kann.

In diesen Momenten wird Spicer zu Trumps Dobermann.

Das Weiße Haus versinkt im Chaos - mittendrin: Sean Spicer

Auf manche Reporter vor Ort wirkt er in diesen Momenten wie ein Wahnsinniger. Die Zeitung “Washington Post” titelte kürzlich: “Sean Spicer is Losing His Grip” – “Sean Spicer verliert den Verstand”.

Und in der Tat: Das ist kaum zu übersehen.

Aber Spicer einfach als Verrückten abzutun, wäre zu einfach: Denn nur wer ihn versteht, versteht wie die Informationspolitik von Trump funktioniert. Und der versteht, wie chaotisch und dilettantisch es in diesen Tagen im Weißen Haus zugeht.

Sean Spicer ist nicht der Erste, der für einen republikanischen Präsidenten Pressekonferenzen abhält. Und er ist auch nicht der Erste, der sich kritischen Journalisten gegenüber sieht.

Auch mit seiner Einstellung, die Medien seien nicht vertrauenswürdig, sie seien “die Opposition”, steht er in den USA nicht alleine da.

Russland-Leaks werden für Spicer zum Fiasko

In letzter Zeit aber hat Spicer immer mehr Eigentore geschossen. Er hat sich in sinnlosen Auseinandersetzungen aufgerieben und mit der Leidenschaft eines Pyromanen sein politisches Kapital verpulvert.

Und es ist kein Ende in Sicht. Es sei denn, er wird das Opfer (oder der Nutznießer?) einer baldigen Runde des Personalkarussells – Gerüchten zufolge nimmt es gerade an Fahrt auf.

Wie dilettantisch Spicer agiert, zeigt exemplarisch eine seiner Aktionen im Zusammenhang mit den Russland-Enthüllungen über Trumps Team im Wahlkampf. Die “New York Times” hatte berichtet, dass Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn Kontakte zu russischen Diplomaten hatte. Flynn versprach ihnen, dass Trump die Sanktionen gegen Russland aufheben würde, wenn er Präsident wird.

Flynn wollte andere renommierte US-Zeitungen überzeugen, dass der Bericht nicht stimmte. Dafür organisierte er unter anderem für Reporter von der “Washington Post” und dem “Wall Street Journal” Gespräche mit Mike Pompeo, dem Direktor der CIA.

”Ein Haufen Bullshit”

Das war nicht nur eine ungewöhnliche Abweichung vom Protokoll.

Den Reportern wurden außerdem die Kontaktdaten von wichtigen Sicherheitspolitikern wie Richard Burr, dem Vorsitzenden des Senate Select Intelligence Committees, und von Devin Nunes, dem Vorsitzenden des House Intelligence Committees, ausgehändigt.

Allerdings erfuhren die Journalisten bei den Gesprächen nicht besonders viel. Ihnen wurde lediglich gesagt, der Bericht in der “New York Times” sei ungenau. Ein nicht genannter FBI-Mann soll den Bericht als einen “Haufen Bullshit” bezeichnet haben.

FBI als Hilfstruppe des Präsidenten

Sean Spicer nahm laut einem Bericht der Nachrichtenseite “Axios” persönlich “das Telefon ab und setzte außenstehende Personen mit den Journalisten in Verbindung”.

Sicher: Es ist verständlich, dass Spicer als Trumps Pressesprecher versuchen würde, den Bericht der “New York Times” zu diskreditieren. Allerdings gelang ihm das nicht. Die Reporter waren eher genervt von den vagen Aussagen, die sie am Telefon erhielten.

Außerdem war das FBI beschädigt, weil es auf einmal als Hilfstruppe des Präsidenten dastand.

Peinlich für Spicer ist, dass seine Aktion durch einen Mitarbeiter des Weißen Hauses an die Öffentlichkeit kam. Gebracht hat sie nichts. Flynn musste am Ende zurücktreten.

Und das ist nur einer der Fehltritte, die sich Spicer in der letzten Zeit beim Verrichten seiner Arbeit für das Weiße Haus geleistet hat.

Fehltritt auf Twitter

Am 18. Februar verkündete der CBS-Nachrichten-Anchor Major Garrett per Twitter, dass eine seiner Quellen ihn darüber informiert habe, dass Donald Trumps Wunschkandidat für den Posten des Marineministers, Philip Bilden, diesen Posten wahrscheinlich ausschlagen werde.

Nur acht Minuten später widersprach Spicer Major Garrett per Twitter. Er schrieb: “Diese Leute liegen falsch. Habe grade mit ihm gesprochen und er steht zu 100% dazu, der nächste SECNAV zu werden. Senatszustimmung steht noch aus.”

Dumm nur: In einer Erklärung, die vom Pentagon veröffentlicht wurde, schrieb Bilden, dass er zu dem Schluss gekommen sei, “dass die privaten finanziellen Interessen meiner Familie nicht ohne massive Belastungen und weitreichende Einbußen mit den Ethikregeln der Vereinigten Staaten zu vereinbaren seien.“

Leaks über die Leaks

Die Frage, warum Spicer Garretts Tweet voller Überzeugung widersprach und sich damit der Lächerlichkeit preisgab ist bis heute unbeantwortet.

Ein weiterer seltsamer Konflikt zwischen Spicer und den Medien: Der Pressesprecher stand kürzlich im Mittelpunkt einer bizarren Auseinandersetzung, die damit begann, dass Nachrichten darüber geleakt wurden, wie Spicer mit den Nachrichten umgeht, die ständig geleakt werden.

Ein Bericht auf dem Nachrichtenportal “Politico” beschreibt, wie Spicer “die Telefone der Angestellten des Weißen Hauses überprüfte”.

Laut des Berichtes setzte Spicer ein Notfall-Treffen an, nachdem bekannt geworden war, dass Informationen aus einem Planungstreffen von Spicer und seinen Mitarbeitern aus der PR- und Kommunikationsabteilung an die Öffentlichkeit gelangt waren.

Journalisten müssen draußen bleiben

Bei diesem Notfall-Treffen ordnete er an, dass seine Mitarbeiter ihm ihre Telefone für eine Überprüfung aushändigen sollten – ein Schritt, der die Amateur-Leaker in seinen Reihen mit Sicherheit überführen würde...

Die Wirkung war aber anscheinend nicht abschreckend genug und hielt die “Politico”-Journalisten nicht davon ab, über diesen ungewöhnlichen Schritt zu berichten.

Dann folgte Spicers bisher vielleicht krasseste Entscheidung: Er schloss eine ganze Reihe von Medienvertretern (darunter CNN, die New York Times und die Huffington Post) von einer Pressekonferenz aus. Nur einige wenige Reporter von Organisationen, denen das Weiße Haus vertraut (unter anderem der rechten Newsseite “Breitbart”), waren zugelassen.

Nur einen Tag später sorgte ein weiterer Artikel der “New York Times” bei Spicer für Ärger. In dem Artikel war die Rede davon, wie geschickt Donald Trump die Boulevardblätter New Yorks in der Vergangenheit für seine Zwecke genutzt hatte.

Spicer ist fehl am Platz

Spicers Problem: In dem Artikel wurde sein Geburtsort falsch angegeben. “Fürs Protokoll @nytimes @grynbaum wissen nicht einmal, wo ich geboren wurde und fragen dann noch nicht einmal nach”

Natürlich war die Zeitung bemüht, diesen Fehler sofort zu korrigieren.

Aber nachdem Spicer es der “New York Times” übel genommen hatte, dass man ihn nicht persönlich nach seinem Geburtsort gefragt hatte, beschloss er, den Reportern auf Nachfrage keine Antwort zu geben.

Trump teilt gegen Spicer aus

Offen gesagt, fällt es einem als politischen Beobachter zunehmend schwer, ihn bei seiner Arbeit zu sehen und sich dabei nicht insgeheim vorzustellen, wie er laufend denkt: “Das ist nicht der Job, um den ich mich beworben habe!”

Und vielleicht hat er das auch nicht.

Immerhin arbeitet Spicer im Weißen Haus gleichzeitig als Pressesprecher und als Kommunikationsdirektor - eine Mammutaufgabe für eine einzelne Person.

Hinzu kommt, dass Spicer beide Jobs für einen Präsidenten ausführt, der – und hier bemühe ich mich wirklich um Höflichkeit – nur als launenhafter Micromanager beschrieben werden kann, der Spicer regelmäßig kritisiert.

Spicer wäre vielleicht sogar ein guter Pressesprecher

Das Seltsamste an der ganzen Geschichte ist, dass man unmöglich sagen kann, ob Spicer mehr Opfer oder doch mehr Täter ist.

Viele Quellen beschreiben das Weiße Haus unter Trump derzeit so: Als eine zerrissene, chaotische Organisation mit einem harten Konkurrenzkampf und mangelhafter Kommunikation.

Kein Wunder, dass andauernd eigentlich geheime Informationen aus Trumps Umfeld leaken.

Es ist auch klar, dass Spicer alleine die Probleme nicht lösen kann. Die Tatsache, dass er die Telefone seiner Mitarbeiter überprüfen lässt, beweist, dass seine Mittel sehr begrenzt sind.

Unter einem anderen Präsidenten wäre Spicer wahrscheinlich ein richtig guter Pressesprecher. Unter Trump wirkt er aber nur wie ein pyromanischer Feuerwehrmann, der andauernd die Feuer löscht, die er selbst legt.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

(jg)

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