Airbus will den Stadtverkehr zum fliegen bringen

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Flugzeughersteller Airbus und Auto-Designer Italdesign wollen Menschen mit autonomen Fahr- und Flugzeugen befördern | Italdesign.it
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  • Flugzeughersteller Airbus und Auto-Designer Italdesign Giugiaro wollen Menschen mit autonomen Fahr- und Flugzeugen befördern
  • Eine künstliche Intelligenz soll den schnellsten Weg am Boden und in der Luft berechnen
  • Das Projekt soll bis 2027 startbereit sein

Der Flugzeughersteller Airbus und Italdesign Giugiaro, ein Designstudio für Auto-Marken, wollen den Stadtverkehr der Zukunft revolutionieren. Verstopfte Straßen und stickige U-Bahnen wollen sie mit einer Idee umgehen, die nach Science-Fiction klingt:

Ihr System "Popup" besteht aus Passagierkapseln, die sich entweder am Boden oder in der Luft bewegen sollen. Und das autonom gesteuert und komplett elektrisch, ohne schädliche Schadstoffe.

Klingt zu abgedreht, um Wirklichkeit zu werden? Dem Online-Portal "Manager Magazin" erklären Airbus-Manager Mathias Thomsen und Italdesign-Geschäftsführer Jörg Astalosch das Projekt.

In der Luft und am Boden durch die Stadt

Das System besteht aus drei Schichten, wie Italdesign in einer Pressemitteilung beschreibt.

Die Passagierkapseln können an zwei unterschiedliche Module gekoppelt werden. Eine Bodenplattform fährt Fahrgäste in der Kapsel selbstständig durch die Stadt. Eine Drohne, die zweite Plattform, soll die Kapsel in die Luft befördern, ebenfalls autonom.

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Quelle: Italdesign.it

Zusätzlich könnten die Kapseln auch mit Nahverkehrslinien vernetzt werden und dann beispielsweise auf einem Zug an ihr Ziel gebracht werden.

"Nur einer bleibt sitzen und kann seine Zeit sinnvoller nützen als damit, umzusteigen: der Fahrgast", sagt Italdesign-Geschäftsführer Astalosch im Interview.

Möglich macht das eine zweite Schicht des Systems: eine künstliche Intelligenz. Diese soll die gesamte Fahrt verwalten, alternative Routen anbieten und "eine problemlose Fahrt gewährleisten", heißt es in der Pressemitteilung von Italdesign.

Nutzer steuern das Ganze per App, zugleich interagieren sie so mit dem System. Das ist die dritte Schicht.

Staufrei, abgasfrei, ärgerfrei

Die Vorteile eines solchen Systems, sollte es realisierbar sein, liegen auf der Hand: Einerseits kämpfen Großstädte weltweit gegen verstopfte Innenstädte oder überlastete Nahverkehrsmittel.

In Deutschland führt etwa München die Liste der staureichsten Städte an. 2016 verbrachten Autofahrer hier insgesamt 49 Stunden mit lästigen Warten, berichtete die "Süddeutsche Zeitung".

Die Bundesregierung geht in einem Gesetzentwurf davon aus, dass sich der Straßenverkehr bis 2030 um weitere 18 Prozent steigern wird.

In Megacitys, wie dem brasilianischen Sao Paulo, brauchen die Menschen durchschnittlich sogar zwei Stunden und 45 Minuten, um von den Vororten in die Innenstadt zu kommen. Auch hier wird das Chaos in Zukunft wohl nicht weniger, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden.

Hier könnte das System von Airbus und Italdesign helfen, den Verkehr in den Innenstädten zu entzerren. Nebenbei kommen auch die Menschen entspannter ans Ziel, als sich im Stau zu ärgern. Hinzukommt, dass durch den Elektro-Betrieb keine schädlichen Abgase die Luft verpesten.

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Einer fliegenden Drohne vertrauen?

Auf den Einwand, ob Menschen wirklich einem selbstfahrenden und -fliegenden System vertrauen würden, sagt Thomsen: "Erstens haben wir noch ein bisschen Zeit. Es dürfte noch sieben bis zehn Jahre dauern, bis wir mit unserem System am Markt sind."

Außerdem könnten bis dahin selbstfahrende Autos auf der Straße angekommen sein, sodass die Menschen in solche Systeme schon Vertrauen fassen könnten. "Wenn die Autos funktionieren, und davon gehe ich aus, dürfte auch das Vertrauen in unsere autonom fliegenden Geräte steigen", so Thomsen.

Italdesign-Chef Astalosch gibt gegenüber dem Magazin zu Bedenken, dass selbstfahrende Autos um einiges schwieriger zu entwickeln wären als selbstfliegende Drohnen. Hier profitiere Italdesign sehr vom Wissen von Airbus, sagt Astalosch. "Da gibt es zum Beispiel Systeme, mit denen Zusammenstöße in der Luft vermieden werden."

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Quelle: Italdesign.it

Auch der Airbus-Manager Thomsen versucht im Interview, Zweifel an der Umsetzbarkeit auszuräumen: "Wir reden hier nicht über Science-Fiction. Bei Airbus verfügen wir heute über die nötige Technologie. Wir werden noch in diesem Jahr die ersten Flugmodelle (...) testen."

Die Flugdichte sei zu Beginn ebenfalls kein Problem, meint Thomsen. Eher sei es problematisch, dass genügend Parkplätze und Ladestation zur Verfügung stünden. Das müsse noch geklärt werden. Die Höchstgeschwindigkeit der Drohnen soll bei hundert Stundenkilometern liegen.

Mehr zum Thema: Unternehmen beginnt mit dem Verkauf von fliegenden Autos – doch es gibt noch ein Problem

Startbereit bis 2027

Das System soll in einigen Städte langsam beginnen und nach und nach ausgebaut werden. Erste interessierte Städte soll es schon geben.

Astalosch sagt im Interview, "Popup" soll nicht nur reichen Kunden zur Verfügung stehen. "Dieses System muss einer breiten Kundschaft eine weitere Verkehrsoption bieten, das ist uns ganz wichtig. Ansonsten würde es die existierenden Verkehrswege nicht wirklich entlasten."

Airbus und Italdesign wollen ihr Projekt auf dem Internationalen Auto-Salon in Genf vorstellen. "Und noch einmal, das hier ist keine bloße Messe-Phantasie. Wir verabreden uns 2027 in Singapur", sagt Astalosch am Ende des Interviews.

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(mf)