NACHRICHTEN
06/03/2017 13:29 CET | Aktualisiert 06/03/2017 22:53 CET

AfD verbreitet Fake-News über Reisewarnung für Schweden - jetzt reagiert das Auswärtige Amt

LeoPatrizi via Getty Images
Stockholm view to downtown with a Swedish flag on the waterfront.

  • Die Berliner AfD verbreitet eine Falschmeldung auf Facebook

  • Demnach soll das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für Schweden herausgegeben haben

  • Doch es gibt gar keine Warnung für Schweden, allein die Terrorwarnstufe wurde dort von 4 auf drei herabgesenkt - vor einem Jahr

In regelmäßigen Abständen gibt das Auswärtige Amt Reisewarnungen für verschiedene Länder heraus. Selten trifft es europäische Länder. Fast nie Skandinavien.

Doch nun will ausgerechnet der Berliner Landesverband der AfD (wie weitere AfD-Kreisverbände) eine "massive Reisewarnung" für Schweden entdeckt haben. Hatte US-Präsident Donald Trump also doch recht, als er Mitte Februar von dortigen "nie für möglich gehaltenen Problemen" sprach?

Auch der von der AfD angegebene Link verweist auf die Reise- und Sicherheitshinweise des Landes. Dort heißt es unter anderem: "Seit Anfang März 2016 gilt für Schweden eine erhöhte Terrorwarnstufe." Auch werden Touristen darum gebeten "sich umsichtig zu bewegen" und "größere Menschenansammlungen" zu meiden.

Auf Facebook fragte die Partei am Sonntagabend deshalb in bekanntem Duktus: "Komisch, dass wir darüber nichts in den Medien erfahren".

Die Wahrheit ist eine ganz andere: Denn auf Facebook stellt das Auswärtige Amt (AA) am Montagmittag der verfälschenden Meldung Fakten entgegen.

Zuallererst: "Es gibt keine Reisewarnung für Schweden." Dazu verlinkt das Amt eine Übersicht der aktuellen Reisewarnungen.

Wenig überraschend: Zwischen Bürgerkriegsländern wie Syrien, Jemen oder Afghanistan taucht Schweden nicht auf. Und selbst für die meisten anderen aufgeführten Staaten gibt es nur eine Teilreisewarnung, wie für Fukushima in Japan.

Mehr zum Thema: Letzte Nacht in Schweden: Dieser schwedische Politiker hat die perfekte Antwort auf Trumps Behauptungen

Terrorwarnung ist nicht neu

Zweitens ist die Terrorwarnung an sich alles andere als neu, wie das Auswärtige Amt betont: "Seit einem Jahr weist das AA in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für Schweden darauf hin, dass dort die Terrorwarnstufe 3 gilt", vorher galt kurzzeitig sogar Stufe 4. Das heißt: "Die Terrorwarnstufe wurde also im März 2016 von 4 auf 3 herabgesetzt."

Die Warnstufen werden vom schwedischen Nationalen Zentrum für die Einschätzung terroristischer Bedrohungen festgelegt. Stufe 3 bedeute "Erhöhte Gefahr", Stufe 4 "Hohe Gefahr".

Die Behörde verweist auch auf den suggerierten Zusammenhang mit Trumps vermeintlicher Warnung: "Die einzige Änderung der Sicherheitshinweise für Schweden seit Antritt des aktuellen US-Präsidenten bezog sich auf Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit."

Das Auswärtige Amt entschuldigt sich - für weniger interessante Fakten

Richtig müsste die Meldung also lauten: "Das Auswärtige Amt hat vor einem Jahr darauf hingewiesen, dass die schwedische Regierung die Terrorwarnstufe herabgesetzt hat."

"Tut uns leid, falls das weniger interessant klingt", fasst die Behörde süffisant zusammen.

Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..