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05/03/2017 14:58 CET | Aktualisiert 14/03/2017 15:04 CET

Verschwörungstheorie oder Ablenkungsmanöver: Was hinter Trumps Abhör-Vorwürfen steckt

POOL New / Reuters
Verschwörungstheorie oder Ablenkungsmanöver: Was hinter Trumps Abhör-Vorwürfen steckt

  • US-Präsident Trump hat Obama vorgeworfen, ihn abgehört haben zu lassen

  • Medien vermuten, dass Trump damit wieder einmal unkritisch eine Verschwörungstheorie verbreitet hat

  • Dahinter könnte aber auch ein Ablenkungsmanöver stecken - es wäre nicht das erste Mal

US-Präsident Donald Trump hat am Samstag mit Tweets für Verwirrung gesorgt. Sein Vorgänger Barack Obama habe in Auftrag gegeben, seine Telefone im Trump Tower abhören zu lassen, behauptete er.

Trump lieferte keine Beweise für diese Anschuldigung. Mittlerweile hat er sogar schon den Kongress aufgefordert, seine Vorwürfen gegen den Amtsvorgänger zu untersuchen. Erst wenn es eine formelle Untersuchung gebe, wolle sich der Präsident zu dem Thema äußern, heißt es aus dem Weißen Haus.

In den Medien sind zwei Vermutungen zu finden, warum Trump die Tweets mit den Abhör-Vorwürfen abgesetzt hat:

Wollte er von den Enthüllungen über Kontakte seines Wahlkampf-Teams und von Regierungsmitgliedern zu Russland ablenken? Oder hat er wieder einmal eine Verschwörungstheorie verbreitet?

Für beide Behauptungen gibt es zumindest gute Gründe.

Trump bedient sich der "Sprache von Verschwörungen"

Tatsächlich hatte die rechte Nachrichtenseite "Breitbart" berichtet, die Obama-Regierung habe angeblich den Trump Tower während des Wahlkampfes abhören lassen. Die Seite zitiert dabei den konservativen Radio-Moderator Mark Levin.

Obama hat den Vorwürfen am Samstag widersprochen. Wirkliche Beweise für seine Behauptungen hat Trump nicht geliefert. Es ist nicht das erste Mal, dass der neue US-Präsident einen Bericht eines rechten bis konservativen Mediums einfach verbreitet.

Es ist aber auch nicht das erste Mal, dass Trump eine Verschwörungstheorie propagiert. Der Historiker Julian Zelizer hat in einem Kommentar für den US-Sender CNN geschrieben, Trump würde gerne "die Sprache von Verschwörungen" einsetzen. Und das habe gute Gründe.

Mehr zum Thema: Virtueller Lynchmob: Wie die rechte Nachrichtenseite "Breitbart" Trump-Kritiker bedroht

Trump gegen den Rest der Welt

Zum einen schwimme Trump in Verschwörungstheorien, weil sie seiner Weltsicht entsprechen würden. Mit ihnen sei der Gegner "klar dargestellt". Die Gegenseite werde zum perfekten Bösewicht: finster, allgegenwärtig, mächtig und brutal, zitiert Zelizer den Historiker Richard Hofstadter.

Das sei genau die Weise, wie Trump die Welt sieht. Die Liste der Gegner Trumps ist tatsächlich lang. Ebenso lang ist die Liste der Verschwörungstheorien, die Trump in den vergangenen Monaten und Jahren gegen sie verbreitet hat:

  • Während des Wahlkampfes hat er seine Konkurrentin Hillary Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre als "betrügerische Hillary" bezeichnet - der Geheimdienst FBI sah jedoch von einer Anklage Clintons ab

Der Abhör-Vorwurf ist also nur eine weitere unbelegte Theorie, die Trump per Twitter um den Globus schickt.

Andererseits seien Verschwörungstheorien so attraktiv für Trump, weil er sich damit so gut Gehör in der Öffentlichkeit verschaffen könne. Zelizer gibt zu, dass man nicht sicher sagen könne, ob Trump wirklich an die Verschwörungstheorien glaubt. "Aber was wir ohne Frage gesehen haben, ist, dass er die Sprache von Verschwörungen einsetzt, um seine Argumente in der Öffentlichkeit durchzusetzen."

Alles nur ein Ablenkungsmanöver?

Schon kurz nach seinen Tweets über Abhör-Drähte im Trump Tower vermuteten Beobachter dahinter lediglich ein Ablenkungsmanöver. In den vergangenen Tagen waren immer weitere Enthüllungen ans Licht gekommen, die die Kontakte zwischen Trumps Team und Russland belegten.

Durch die Enthüllungen steht Trump gehörig unter Druck. Wie CNN berichtet, gaben Quellen aus dem Weißen Haus an, Trump sei sauer, dass die Geschichte über die Russland-Beziehungen von Justizminister Jeff Sessions ihm den Wind aus den Segeln genommen hätte - nach seiner wichtigen Rede vor dem Kongress am Dienstag.

Wollte Trump mit seiner Aktion vom Samstag die Aufmerksamkeit wieder dorthin lenken, wo er sie haben wollte? Der Verdacht liegt nahe. Und auch dafür gibt es Beispiele aus der Vergangenheit.

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Themensetzung per Twitter

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatte, beschwerte Trump sich auf Twitter darüber, dass Vize Mike Pence von Musical-Schauspielern kritisiert wurde - kurz nachdem Trump selbst eingewilligt hatte, 25 Millionen Dollar im Rechtsstreit um seine Pseudo-"Trump University" zu zahlen. Seine Twitter-Tirade beherrschte danach die Schlagzeilen, nicht der Rechtsstreit.

Anderes Beispiel: Als die "New York Times" im November 2016 einen ausführlichen Artikel über mögliche Interessenskonflikte von Donald Trump berichtete, setzte der kurz darauf einen Tweet über massenhaften Wahlbetrug ab. Die "New York Times"-Geschichte war da vergessen.

In beiden Fällen ist es nur ein Verdacht, dass Trump per Twitter ablenken wollte. Allerdings liegt die Vermutung nahe, wenn man bei beiden Vorfällen die zeitliche Nähe von Berichterstattung und Trump-Tweets bedenkt, schreibt etwa der US-Blog "Boing Boing".

Trump macht per Twitter nicht nur Politik, er beherrscht damit die Medien. Und weiß wohl auch um diese Macht.

Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert etwa Jack Shafer, Journalist beim Online-Portal "Politico", der die Medien in die Pflicht nimmt: "Wenn Trump etwas behauptet, das nicht stimmt, dann ist das eine Nachricht. Aber wir Journalisten müssen berichten, dass und wie er lügt - und ständig erwähnen, von welchem wichtigen Thema er ablenken will."

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..

(ks)