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05/03/2017 19:09 CET | Aktualisiert 05/03/2017 19:33 CET

AKP-Politiker wirft der Union in wirrem Tweet Doppelmoral vor

BERND VON JUTRCZENKA via Getty Images
AKP-Politiker macht sich mit abstrusen Vergleich auf Twitter lächerlich

  • Ein in Deutschland aufgewachsener AKP-Politiker hat die CDU auf Twitter angegriffen

  • Er zitiert eine Mitteilung der Partei - und wirft der deutschen Regierung damit Doppelmoral vor

Zwischen Deutschland und der Türkei herrscht ein hitziger Streit. In Ankara war die Empörung groß, dass türkischen Ministern Auftritte in der Bundesrepublik verweigert worden waren.

Ein in Deutschland aufgewachsener AKP-Politiker hat nun auf dem Kurznachrichtendienst Twitter gegen die deutsche Regierung geschossen - mit einem etwas wirren Argument.

Mustafa Yeneroglu, der für die AKP im Parlament in Ankara sitzt, hat in einem Tweet aus einer Mitteilung der CDU zitiert: "Wir freuen uns über jeden Deutschen im Ausland, der bereit ist, sich für die Unionsparteien zu engagieren."

Was hat es mit dem Zitat auf sich?

Den entsprechenden Text hatte die CDU auf ihrer Webseite bereits im Juni 2016 veröffentlicht. Darin gibt die Partei Deutschen, die im Ausland leben, Tipps, wie sie die CDU in einem Wahlkampf unterstützen können.

Yeneroglus Botschaft hinter dem Zitat: Selbst finde es die CDU also gut, wenn sich Deutsche im Ausland für die Partei engagieren. Würden Türken dasselbe in Deutschland tun, sei das allerdings ein Problem - wie die Absagen von Auftritten türkischer Minister zeigen würde.

Was der AKP-Politiker dabei übersieht: Zum einen vergleicht er Äpfel mit Birnen. Der Text der CDU richtet sich an Privatpersonen, die ihre Partei vom Ausland aus unterstützen wollen. Bei den abgesagten Auftritten wollten dagegen türkische Regierungsmitglieder für eine umstrittene Verfassungsreform werben. Der Text der CDU hat daher eine ganz andere Dimension.

Zum anderen sind nicht alle Auftritte aus politischen Gründen abgesagt worden. Der Auftritt in Gaggenau etwa wurde aus Sicherheitsgründen gestrichen.

Und auch die deutsche Politik hat die Auftritte nicht grundsätzlich verurteilt, SPD-Politiker Thomas Oppermann forderte etwa Toleranz. Selbst wenn die Minister dort für die Einführung des umstrittenen Präsidialsystems werben wollten.

Mehr zum Thema: 5 Zeichen, dass Erdogans Wahlkampf in Deutschland nicht zu stoppen ist

Yeneroglus schiefer Vergleich

Yeneroglus Tweet zeigt einmal mehr, wie groß die Empörung in der Türkei über die Absagen ist und mit welchen überzogenen Aussagen türkische Politiker gegen Berlin schießen. Yeneroglu zieht einen abstrusen Vergleich - und fühlt sich im Recht. Erdogan spricht gar von "Nazi-Praktiken".

Yeneroglu beklagte bereits am Donnerstag im Deutschlandfunk, in der Bundesrepublik herrsche eine "unglaubliche Arroganz" gegenüber der Türkei. Die Debatte über das Referendum laufe "fernab von jeglicher Realität" ab.

Bei seinem Tweet hat man jedoch eher den Eindruck, Yeneroglu ist derjenige, der den Kontakt zur Wirklichkeit verloren hat.

Mehr zum Thema: Verbot von Wahlkampfauftritten: Erdogan wirft Deutschland "Nazi-Praktiken" vor

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(lp)