Die "Süddeutsche Zeitung" erklärt die Umfrage-Katastrophe der Grünen - und gibt der Partei einen Rat

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GRNE
Die "Süddeutsche Zeitung" erklärt die Umfrage-Katastrophe der Grünen - und gibt der Partei einen Rat | dpa
Drucken
  • Wegen des Schulz-Hypes schwächeln die kleinen Parteien in den Umfragen zur Bundestagswahl
  • Besonders die Grünen leiden unter der Kandidatur von Schulz, analysiert die "Süddeutsche Zeitung" - und gibt der Partei einen Rat mit

Seit er die innenpolitische Bühne betreten hat, ist vieles anders.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat nicht nur eine Begeisterung in seiner Partei entfacht, die den Sozialdemokraten keiner mehr zugetraut hatte. Mit jedem neuen Umfragehoch, das die SPD dank Schulz erklimmt, geraten auch die politischen Verhältnisse in Deutschland durcheinander.

Denn während die SPD sich bei über 30 Prozent festzusetzen scheint, verlieren die kleinere Parteien Stimmen. Das Duell von SPD-Mann Schulz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lasse "die Umfragewerte bei Linken, AfD und Grünen schmelzen", kommentiert die "Süddeutsche Zeitung".

Die größten Verlierer: die Grünen. Je nach Umfrage kommen sie derzeit auf 7 oder 8 Prozent. Vor einem halben Jahr lagen sie noch bei 12 Prozent.

Woran liegt das?

Der Innenpolitik-Ressortleiter Heribert Prantl analysiert in seinem Kommentar die Gründe für die niedrigen Umfragewerte.

Die AfD ohne Show, die Linke ohne Thema

Sowohl Grüne als auch die AfD und die Linke leiden unter niedrigen Umfragewerten. Im aktuellen "Wahltrend" des Magazins "Stern" und des Fernsehsenders RTL kommt keine Partei über 10 Prozent.

Die Gründe hierfür laut Prantl:

Schulz hat der AfD die Show gestohlen. "Er nahm ihr die Überaufmerksamkeit weg, die sie bisher genoss und die zu ihrer Überbedeutung führte." Seit der SPD-Mann die Schlagzeilen beherrscht, bleibt diesem Argument einfach weniger Platz für die Rechtspopulisten.

Auch der Stimmen-Schwund der Linken ist für ihn leicht erklärt: Schulz hat ihnen zwar nicht die Show, aber das Thema geklaut. Seit die rot-roten Wähler erleben würden, "wie die Schulz-SPD das Thema Gerechtigkeit wieder zu buchstabieren versucht, wenden sie sich wieder mehr der SPD zu", heißt es in der "SZ" dazu.

Mehr zum Thema: In Deutschland beginnt ein neues Zeitalter: Das ist eine gute Nachricht für alle - außer für die AfD

Kursschwenk bei den Grünen

Dann wären da noch die Grünen. Sie leiden laut "SZ" am deutlichsten unter Schulz' Kanzlerkandidatur. Denn der Schulz-Hype habe die schon lang bestehenden Schwächen der Partei offengelegt: Sie haben kein überzeugendes Programm. Der Zeitgeist habe sie überholt - und damit ein bisschen überflüssig gemacht.

Der vermeintliche Ausweg der Partei: Jetzt, wo eine rot-rot-grüne Koalition in den Bereich des Möglichen rückt, drehen die Grünen einem Bündnis mit der Union den Rücken zu.

Tatsächlich hat der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" am Samstag gesagt, eine Koalition mit der SPD liege ihm näher. Im vergangenen Jahr klang das noch anders, da schien Schwarz-Grün sein Traumbündnis zu sein.

Özdemir sagte im Gespräch aber auch, dass es für die kleinen Parteien derzeit schwierig sei, gehört zu werden. "Das heißt, dass wir kreativer, mutiger, vielleicht auch mal lauter werden müssen, ohne dabei schrill zu klingen."

Die gereizte Gesellschaft

Vielleicht nimmt Özdemir sich ja zu Herzen, was der Kommentar in der "Süddeutschen Zeitung" seiner Partei empfiehlt: Die Grünen müssten den Wert der Demokratie jetzt leidenschaftlich verteidigen und den Schutz der Minderheiten und alternative Lebensmodelle propagieren.

Das Bild könnte sich aber auch bald wieder ändern. Der Schulz-Hype könnte verfliegen und die Grünen wieder stärker werden. Immerhin zeige der Höhenflug der SPD auch, "wie schnell sich in einer gereizten Gesellschaft die Dinge ändern können."

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..

(lp)

Korrektur anregen