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04/03/2017 22:15 CET

Der Kanzler der Griechen? Was sich Athen von der Bundestagswahl verspricht

Francois Lenoir / Reuters
Was sich Athen von der Bundestagswahl verspricht - Griechenlands Premier Tispras, Schulz und Merkel

  • Der griechische Vize-Regierungschef Yannis Dragasakis hofft auf eine Lockerung des Sparkurses nach der Bundestagswahl

  • Im Interview ließ er durchblicken, dass ihm SPD-Politiker Schulz lieber im Kanzleramt wäre

Der Vize-Regierungschef Griechenlands Yannis Dragasakis hat in einem Interview mit dem Nachrichten-Portal "Spiegel" durchblicken lassen, dass er nach der Bundestagswahl lieber SPD-Mann Martin Schulz im Kanzleramt sehen würde.

Auf die Frage, ob er lieber mit einem Kanzler Schulz verhandeln würde, antwortete Dragasakis nicht direkt. Aber natürlich habe er eine Präferenz, sagte er.

Und nach dieser Präferenz ist ihm eine Regierung in Deutschland lieber, mit der sich eher über eine Lockerung des Sparkurses reden ließe. Das scheint eher mit SPD-Mann Schulz möglich, der schon als EU-Parlamentspräsident stets versucht hatte, eine vermittelnde Rolle zwischen Athen und Brüssel einzunehmen.

Der deutsche Sparzwang

Dragasakis bezog im Interview gegen die aktuelle Politik der Bundesregierung Stellung: "Nach meiner Überzeugung riskiert ein Europa, das auf die Einhaltung eines strengen Sparkurses besteht, dass sich Mitglieder abwenden."

Gemünzt war dieser Satz auf Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Schäuble hatte Schulden-Erleichterungen in der Vergangenheit strikt ausgeschlossen - und gesagt, Griechenland leiste sich einen zu hohen Lebensstandard. Das hatte ihm unter anderem den Vorwurf des griechischen Premiers, Alexis Tsipras, eingebracht, "mit dem Feuer" zu spielen.

Griechenland droht der Staatsbankrott, sollte es keine Hilfen aus dem dritten Rettungspaket erhalten. Die Zahlungen sind an strikte Reformpläne und Sparforderungen gekoppelt. Die griechische Regierung hat bis zuletzt dafür plädiert, die Forderungen zu lockern.

Mehr zum Thema: "Langfristig explosiv": Die Griechenland-Krise kehrt zurück - für Merkel zum ungünstigsten Zeitpunkt

Der lockere Schulz?

Für die Zeit nach der Bundestagswahl hoffte Dragasakis also auf eine Veränderung: "Wenn politischer Wandel in Deutschland eine Verschiebung der Kräfte in Europa bewirkt, würde ich das sehr positiv sehen."

Die Hoffnung von Vize-Regierungschef Dragasakis: Mit einem Bundeskanzler Martin Schulz könnte die EU vom Sparzwang gegenüber Griechenland abrücken.

Schulz hatte sich in Interviews während der Griechenland-Krise dafür ausgesprochen, dem Land mehr Zeit zu geben. Erst kürzlich nannte er es gefährlich, den Austritt des Landes aus dem Euro überhaupt ins Spiel zu bringen. Welche Position Schulz aber konkret gegenüber der griechischen Regierung einnehmen wird, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen.

Griechenlands Rückkehr an den Kapitalmarkt

Dragasakis sieht sein Land unterdessen auf einem guten Weg. "Die Bedingungen, die an das Rettungspaket geknüpft sind, sind weitgehend erfüllt. In mehreren Sektoren haben wir Ziele übertroffen - Steuereinnahmen, Haushaltsüberschüsse, Mehrwertsteuererhebung", sagte er.

Seine Regierung strebe eine vorläufige Rückkehr an den Kapitalmarkt an. "Das könnte noch in diesem Jahr geschehen, wenn die zweite Überprüfung schnell abgeschlossen ist und Griechenland wieder ins Anleihekaufprogramm der EZB aufgenommen ist", sagte Dragansakis.

Ziel sei es nun, die Ziele des dritten Rettungspakets einzuhalten und erst dann weiter zu planen.

Mit Material der dpa.

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(lp)