Jens Spahn: "Über importierten Antisemitismus reden wir nicht gern"

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JENS SPAHN
Der CDU-Politiker Jens Spahn sieht nur Frauen mit Kopftüchern in Neukölln | Bloomberg via Getty Images
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"Die Zeit" hat CDU-Generalsekretär Jens Spahn interviewt - und vergaß eine wichtige Frage.

In dem Gespräch sagte Spahn, er wolle nicht gelten lassen, dass Kritiker der Flüchtlingspolitik in die rechte Ecke gestellt werden. "Wenn Leute bekunden, sich in der eigenen Stadt fremd zu fühlen, dann machen es sich einige einfach und stempeln sie schnell als Rassisten ab. Sinnvoller ist es aber, diese Wahrnehmungen ernst zu nehmen“, so Spahn.

Der CDU-Mann berichtete, in manchen Straßen Neuköllns sehe er mittlerweile kaum noch Frauen – und wenn, dann mit Kopftüchern. Er akzeptiere das, wolle sich aber "nicht einreden lassen, dass dies eine kulturelle Bereicherung sei".

Sieht man in Berlins Stadteil Neukölln wirklich keine Frauen mehr auf der Straße? Augenzwinkernd fragte "Die Zeit" nach der Publikation des Interviews über Twitter, wo Spahn denn in Neukölln immer rumlaufe? Eine Frage, die man besser während des Gesprächs gestellt hätte.

Spahn ist um keine Antwort verlegen: Er konterte: "In den Gegenden, wo man mit einer jüdischen Kippa besser nicht rumläuft. Aber auch über importierten Antisemitismus reden wir ja nicht gern.“

Julian Reichelt, designierter Vorsitzender der Bild-Chefredaktion, fragte sich in einem Tweet laut, warum "Die Zeit" nicht im Interview, sondern in einem höhnischen Tweet diese Frage stelle.

Reichelt hat einen Punkt. Man muss seinem Gesprächspartner die Möglichkeit geben, auf einen Einwand zu reagieren.

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