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03/03/2017 21:45 CET

Falscher Freund? CDU befürchtet, dass sich Seehofer für Putins Propaganda missbrauchen lässt

RIA Novosti / Reuters
Seehofer und Putin - ein ungleiches Paar

  • Horst Seehofer will im März Wladimir Putin in Moskau treffen

  • Bei Spitzenpolitikern der Union sorgt das für große Sorgen

  • Sie befürchten, dass Seehofer sich zum Propagandahelfer Putins mache

Horst Seehofer und Wladimir Putin, dass ist eine etwas bizarre Männerfreundschaft. Eine, über die die Spitze der CDU sich Sorgen macht, wie der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Dort wird demnach befürchtet, dass sich der CSU-Chef für russische Propaganda missbrauchen lasse.

Seehofer möchte sich am 16. März mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau treffen. Ein hochrangiges Mitglied der CDU sagte dem "Spiegel", Seehofer mache sich zum Propagandagehilfen Putins, sollte er erneut eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland fordern.

"Wir können nur hoffen, dass er das merkt", sagte das CDU-Mitglied dem Magazin.

Seehofer reiste schon im letzten Jahr nach Moskau

Seehofers geplante Russlandreise im März wäre nicht seine erste. Schon im Februar vergangenen Jahres reiste der CSU-Vorsitzende nach Moskau, um sich dort mit Putin zu treffen.

Schon damals sah er sich bereits im Voraus massiver Kritik ausgesetzt - auch aus Reihen der CDU. "Seehofer hat sich in der Flüchtlingsdebatte eindeutig gegen die Bundeskanzlerin positioniert – ich hoffe, dass er die Reise unterlässt", sagte damals Roderich Kiesewetter der Obmann für Außenpolitik in der Unionsfraktion der "Welt am Sonntag".

Russland kooperiere „mit rechtsradikalen Parteien – auch bei uns in Deutschland. Wenn Seehofer fährt, muss er die Russen mahnen, die hybride Informationsfälschung und die verdeckte Finanzierung von rechtsradikalen Netzwerken einzustellen."

Seehofer lobte Putin bei erster Reise

Doch statt Putin mit unangenehmen Themen zu konfrontieren, forderte Seehofer bei dem Besuch in Moskau eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland "in überschaubarer Zeit".

Und sagte dann noch einen entlarvenden Satz: Er finde es "nobel, dass Putin betont, er mische sich nicht ein in Deutschlands Flüchtlingspolitik." Ein zu dem damaligen Zeitpunkt geradezu absurdes Statement, hatte doch gerade erst der russische Außenminister Sergej Lawrow die Flüchtlingsdebatte in Deutschland mit einem Gerücht über eine angebliche Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen aus Berlin angeheizt.

Die Täter seien Flüchtlinge gewesen, war sich Lawrow sicher - eine Behauptung, die sich später als falsch herausstellte. Seehofer hielt Putin trotzdem für "nobel" und will ihn nun wieder besuchen.

Vielleicht, weil er in eine Honigfalle des russischen Machthabers getappt ist, wie der Kreml-Experte Boris Reitschuster in seinem Buch "Putins Demokratur – ein Machtmensch und sein System" vermutete. Reitschuster schrieb darin über die Rettung der Raffinerie Ingolstadt in Seehofers Wahlkreis im Jahr 2009:

"Nach der Insolvenz des Betreibers Petroplus übernahm Gunvor den oberbayerischen Betrieb mit seinen 400 Mitarbeitern, Seehofer konnte seinen Wählern vor Ort gute Nachrichten präsentieren. Einer der Miteigentümer von Gunvor ist Gennadi Timtschenko, der Putin-Vertraute, den Kritiker für seinen Strohmann halten, was er selbst bestreitet. In Geheimdienstkreisen gilt Wladimir Putin als der eigentliche Eigentümer der Raffinerie; man habe sie gezielt gekauft, um damit auf Seehofer einzuwirken – eine Art “Honigfalle”, nur mit Öl gefüllt statt mit dem Bienensaft."

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