POLITIK
03/03/2017 19:46 CET | Aktualisiert 04/03/2017 09:33 CET

Studie zeigt: Flüchtlinge finden in Deutschland bisher kaum Arbeit

asiseeit via Getty Images
Viele Flüchtlinge sind in Deutschland auf der Suche nach Arbeit - doch die Vermittlung ist schwieriger als gedacht

  • Die Integration hunderttausender Flüchtlinge in Deutschland ist ein Mammutprojekt

  • Die Eingliederung in den Arbeitsmarkt erweist sich als schwieriger als gedacht

  • Unternehmen kritisieren vor allem die zuständigen Behörden

Es ist Kanzlerin Angela Merkels wichtigstes Projekt. Im Sommer 2015, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingszuwanderung, hatte die CDU-Chefin versprochen: "Wir schaffen das". Gemeint war die Integration von hunderttausenden Geflüchteten. Die wichtigste Aufgabe ist bis heute deren Eingliederung in den deutschen Arbeitsmarkt.

„Viele sind noch in den Integrationskursen oder warten darauf. Insofern glaube ich, dass wir da einen etwas längeren Atem haben müssen, aber jederzeit auch bereit sein müssen, praktikable Lösungen zu entwickeln“, sagte Merkel im vergangenen Jahr. Ihre Hoffnung damals: Die Unternehmen bekommen neue Fachkräfte, die so auch gut integriert werden.

Ernüchtende Zahlen

Kaum ein halbes Jahr später sieht die Situation nicht besser aus: Die Versorgung der Flüchtlinge mit Jobs verläuft schleppend. Laut der neuesten Arbeitslosenstatistik wurden im Februar 455.000 Flüchtlinge als Arbeitsuchende aufgeführt, davon wurden 178.000 als Arbeitslose von einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter betreut.

Nur knapp 17 Prozent der 15- bis 65-Jährigen, die seit 2015 als Flüchtlinge und arbeitssuchend registriert wurden, hätten im November 2016 eine Beschäftigung gehabt, schreibt das "Handelsblatt". Und davon nur jeder dritte in Vollzeit.

Auch wurden bis Mitte Januar erst gut ein Fünftel der 100.000 im vorigen Jahr angekündigten Ein-Euro-Jobs an Flüchtlinge vergeben, wie die Bundesagentur für Arbeit auf "Handelsblatt"-Anfrage mitteilte.

Denkbar schlechte Ausgangslage

"Die Zahlen sind enttäuschend", sagte deshalb Michael Hüther, der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, der Zeitung. Auch Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, beklagt sich gegenüber der Zeitung: "Die Probleme sind größer, die Qualifikationen schlechter als gedacht." Die Ausgangslage "ist denkbar schlecht".

Allerdings gibt es bislang keine belastbaren Zahlen zur Qualifikation. Einerseits können die Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit erst seit Sommer 2016 vormerken, ob es sich beim Antragsteller um einen Flüchtling handelt. Andererseits können ausländische Qualifikationen - insbesondere die, die außerhalb der EU erlangte worden - nicht eins zu eins auf Abschlüsse hierzulande übertragen werden.

Und auch bei den deutschen Behörden selbst hakt es noch. In einem Zwischenbericht fordert die Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) "schnellere Entscheidungen bei der Abwicklung der Asylanträge und damit eine schnellere Statusfeststellung".

Noch knirscht es

Die DIHK hatte vor einem Jahr ihr Aktionsprogramm "Ankommen in Deutschland - Gemeinsam unterstützen wir Integration" mit etwa 100 Projekten gestartet. Ein ambitioniertes Vorhaben.

Der Bericht der Dachorganisation klingt nun teilweise resignierend: Noch fehlen bei den Jobcentern und bei der Ausländerbehörde einheitliche Vorgehensweisen und Entscheidungen, klare Regelungen der Zuständigkeiten, eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Akteuren sowie schlicht mehr verbindliche Aussagen.

So hängen viele arbeitswillige Flüchtlinge in der Schwebe - das ist nicht nur für sie selbst, sondern auch für engagierte Unternehmen mehr als unbefriedigend.

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(jg)

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