POLITIK
02/03/2017 08:57 CET | Aktualisiert 02/03/2017 10:23 CET

Gymnasium verbietet "provozierendes Beten" - Muslime sind empört

Wolfgang Rattay / Reuters
Eine Schule in Wuppertal verbietet ihren muslimischen Schülern das Beten

  • Muslimische Schüler beten in einem Gymnasium

  • Die Schulleitung bittet Lehrer, dies freundlich zu unterbinden

  • Wie die Menschen auf Facebook darauf reagieren

Eine interne Mitteilung der Schulleitung an das Lehrerkollegium des Gymnasium Johannes Rau in Wuppertal löst Empörung aus. Das berichtet die Zeitung "Der Westen".

In dem kurzen Schreiben informiert die Schulleitung die Lehrer, dass muslimische Schüler beim Beten in der Schule angetroffen worden seien.

"In den vergangenen Wochen wurde zunehmend beobachtet, dass muslimische Schülerinnen und Schüler im Schulgebäude für andere deutlich sichtbar beten, signalisiert durch rituelle Waschungen in den Toiletten, das Ausrollen von Gebetsteppichen, das Einnehmen von bestimmten Körperhaltungen."

Betende Muslime sollen der Schulleitung gemeldet werden

Dies sei nicht gestattet, schreiben die Direktoren der Schule. Lehrer, die muslimische Schüler beim Beten anträfen, sollten diese freundlich darauf hinweisen und ihre Namen der Schulleitung melden.

gymnasium wuppertal

Diese Weisung einer Schulleitung wird in türkischen Gemeinschaften heiß diskutiert

Die Schule wollte sich zu dem Schreiben nicht äußern. Doch die Bezirksregierung bestätigte dem Nachrichtenportal, dass das Schreiben echt sei. Demnach hätten sich Schüler durch "provozierendes Beten" bedrängt gefühlt.

Bet-Verbot soll "friedliches Miteinander fördern"

Gegenüber der Nachrichtenseite "Focus Online" zeigte die Pressesprecherin der Bezirksregierung, Dagmar Groß, Verständnis für den Schritt: "Das Verbot des Betens auf provozierende Art in der Schulöffentlichkeit soll das friedliche Miteinander fördern und den Schulfrieden sichern", erklärt sie.

Weil die Schulleitung das Hausrecht habe, stehe es ihr auch frei, die Religionsfreiheit einzuschränken, wenn sie den Schulfrieden gefährdet sieht.

Auf Facebook wurde das Verbot heiß diskutiert - vor allem in Communitys mit türkischem Hintergrund. "Jemanden wegen religiösen Gründen etwas zu verbieten, ist nicht akzeptabel!", schrieb ein Nutzer.

Ein anderer sah das gelassener: "Also, ich bin der Meinung, ein Gebet muss nicht in der Schule gemacht werden."

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(cho)