Markus Söder legt sich bei "Illner" mit AKP-Anhänger an

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  • In der Talkshow von Maybrit Illner diskutierten die Gäste über den türkischen Präsidenten Erdogan
  • Dabei kommt es zu einer ungewöhnlichen Allianz zwischen CSU und SPD
  • Die wichtigsten Infos des Textes seht ihr auch im Video oben

Erdogan testet die Geduld der Deutschen. Während der "Welt"-Journalist Deniz Yücel in Untersuchungshaft sitzt, will der türkische Justizminister Wahlkampf für die Abstimmung über die Einführung eines Präsidialsystems machen. "Deutschland und die Türkei. Was erlaubt sich Erdogan?", fragte ZDF-Moderatorin Maybrit Illner am Donnerstagabend ihre Gäste.

In die Show mischte sich ungefragt eine weitere Person ein: ein Erdogan-Anhänger im Publikum, der lautstark klatschte, wenn die beiden AKP-Anhänger Yahya Kylycasla und Mustafa Yeneroglu sprachen.

So laut sogar, dass Yeneroglu sich gegen Schluss der Sendung zum Publikum umdrehte und genervt sagte, er würde jetzt mal ausreden. Jubeln und Klatschen lernt man bei der AKP offenbar.

HDP-Politiker sieht Yücel als politische Geisel

Die erste Frage ging an den kurdischen HDP-Politiker Mithat Sancar. Er kennt Yücel gut: "Als Mensch ist sehr nett und als Journalist sehr fleißig." Er sieht Yüncel als "Opfer einer politischen Geiselnahme".

Yeneroglu, der für die AKP im Parlament in Ankara sitzt, redete sich heraus, als Illner ihn auf Yücel ansprach. Auf die Frage, ob der Journalist ein Krimineller sei, antwortet er: "Das wird letztendlich das Gericht entscheiden. Es gibt Vorwürfe gegen ihn."

Auffällig ist, dass Yeneroglu selbst noch in einem Interview mit dem "Handelsblatt" die Inhaftierung Yüncels als "sehr kritisch" bezeichnet hatte. Anscheinend hat er diese Aussage überdacht - das sagt viel über das Klima in der türkischen Gemeinde aus.

Yeneroglu gibt sich beleidigt

Yeneroglu gibt den Beleidigten. Schließlich würden auch deutsche Staatsanwälte auch Türken verfolgen. Er erinnerte an den Fall mehrere Imame des türkischen Ditib-Verbandes. Nachdem der Verdacht aufkam, sie würden für das Erdogan-System die türkische Gemeinschaft in Deutschland ausspionieren, gab es mehrere Razzien der Polizei. Die Imame wurden zurückgerufen.

In diesem Fall habe die Türkei die Autorität der deutschen Behörden respektiert. Es sei "arrogant" zu sagen, die türkische Justiz habe im Fall Yücel da nicht zu urteilen.

Söder spricht von "starkem Tobak"

Das sei "starker Tobak", sagte dagegen der CSU-Politiker Markus Söder. "Die Türkei geht seit dem Putsch einen falschen Weg, rechtsstaatliche Prinzipien werden außer Kraft gesetzt." Yeneroglu unterbricht ihn rüde und kommt auf die Razzien gegen Ditib-Imame zurück: "Wir sprechen hier von Freiheitsberaubung, ohne dass es Terroranschläge gab."

Minutenlang ist nichts zu verstehen. "Es wird nicht richtiger, wenn Sie es wiederholen", entgegnet Söder. In Deutschland brauche man keine weiteren Spitzel.

Ein unerwartetes Bündnis

Für die Integrationsbeauftragte Özoguz ist klar, warum Yücel in Haft ist: "Weil er seine Arbeit als Journalist gemacht hat."

Angesichts der AKP-Vertreter bilden der CSU-Hardliner Söder und die SPD-Frau auf einmal ein ungewöhnliches Bündnis. Imame müssten in Deutschland ausgebildet werden und auf Deutsch predigen, fordert Özoguz - und Söder stimmt zu. Erdogan fördert seltsame Koalitionen.

"Wenn die Türkei so weitermacht, dann halte ich es für das Beste, wir beenden das Kapitel Europäische Union", sagte Söder. Es hat überhaupt keinen Sinn, weiter auf eine Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU zu setzen."

AKP-Anhänger erklärt, warum er den Systemwechsel für nötig hält

AKP-Anhänger Kylycasla ist bekennender "Erdogan-Fan" und sieht sein Land im Gegensatz zu Söder auf einem sehr guten Weg. "Die parlamentarische Demokratie funktioniert nicht in der Türkei", sagte er. Ganze 18 Regierungen habe die Türkei in den letzten 90 Jahren gehabt. "Es gibt keinen demokratischen Konsens - dieses System muss geändert werden."

Er lobte angebliche demokratische Vorzüge des geplanten Präsidialsystems. So könne das Parlament Erdogan mit einer Zweidrittelmehrheit vor Gericht bringen - zurzeit gehe dies nicht.

Söder und Özoguz staunten ungläubig. Sollte der AKP-Anhänger im Publikum an dieser Stellte nicht jubeln? Er saß wie versteinert auf seinem Platz. Erdogan vor Gericht – das gefiel ihm offenbar nicht.

"Da klatscht er nicht", bemerkte Söder trocken.

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(sk)

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