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02/03/2017 12:21 CET | Aktualisiert 02/03/2017 12:26 CET

Alle schauen nur auf die offiziellen Arbeitslosenzahlen - und übersehen etwas Entscheidendes

  • In Deutschland gibt es derzeit so wenige Arbeitslose wie lange nicht

  • Doch viele übersehen ein wichtiges Detail

"Arbeitslosenzahlen sinken auf historischen Tiefststand", jubelt die "Mitteldeutsche Zeitung".

"Bester Februar seit 24 Jahren auf dem Arbeitsmarkt", titelt die "Hessenschau" und auch "Spiegel-Online" schreibt: "Arbeitslosenzahl sinkt im Februar auf Rekordtief"

Der Hintergrund: Die offizielle Zahl der Arbeitslosen in Deutschland betrug im Februar 2,762 Millionen. Das waren 15.000 Erwerbslose weniger als im Januar und 149.000 weniger als vor einem Jahr. Damit sind aktuell "nur" 6,3 Prozent der möglichen Erwerbstätigen ohne Arbeit.

Die Bundesagentur für Arbeit verzeichnete damit die geringste Februar-Arbeitslosigkeit seit 26 Jahren. Ein Grund zur Freude, sicher. Allerdings gibt es einen Haken.

Die tatsächliche Arbeitslosigkeit liegt höher

Denn viele übersehen, dass die tatsächliche Arbeitslosenzahl weitaus höher liegt.

Denn rechnet man auch jene Jobsucher hinzu, die derzeit eine Aus- und Fortbildung absolvierten, waren im Februar 3,762 Millionen ohne Arbeit - und damit rund 50.000 mehr als vor einem Jahr. Diese Zahlen finden sich im Arbeitsmarktbericht - nur bekommen sie sehr viel weniger Aufmerksamkeit.

Der Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise führt die Zunahme vor allem auf die wachsende Zahl von Flüchtlingen zurück, die derzeit in Integrations- und beruflichen Vorbereitungskursen für den deutschen Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Da ihnen in dieser Zeit kein Job vermittelt werden kann, gelten sie offiziell nicht als arbeitslos.

"Deutlich mehr als eine Million Menschen,

Nach den BA-Zahlen klafft zudem weiter eine große Lücke zwischen den offiziell registrierten arbeitslosen und den sogenannten arbeitssuchenden Flüchtlingen: Arbeitssuchend waren demnach 455.000, arbeitslos gemeldet aber nur 178.000. Die Differenz erkläre sich laut Bundesagentur ebenso mit der großen Zahl von Flüchtlingen, die derzeit noch an Fördermaßnahmen teilnähmen.

Nicht vergessen werden darf: Auch Eltern, die ein krankes Kind pflegen oder selbst krank sind, fallen aus der Statistik heraus.

Es wird also viel dafür getan, am Ende den positiven Trend aufrechtzuerhalten. Die Realität sieht aber tatsächlich etwas weniger rosig aus.

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(ben)

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