10 Gründe, warum wir die Impfgegner nicht gewinnen lassen dürfen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
IMPFEN
10 Gründe, warum wir die Impfgegner nicht gewinnen lassen dürfen | iStock
Drucken

Impfen oder nicht impfen: Kaum eine Debatte wird so aufgeregt, so emotional geführt wie die zwischen Impfgegnern und -befürwortern. Und das nicht erst seit der erneuten Ausbreitung von Masern in Deutschland.

In Foren werfen sie sich wüste Beschimpfungen an den Kopf, beschuldigen sich gegenseitig, ihre Kinder in den sicheren Tod zu schicken.

Dass Impfungen nicht in allen Fällen die beste Lösung sein müssen, ist unbestritten. Viele Impfgegner jedoch argumentieren mit völlig abstrusen Lügen, die bei Laien Angst schüren und die vielen Vorteile vom Impfen außer Acht lassen.

Zeit für ein paar Fakten.

1. Impfungen retten jedes Jahr mehrere Millionen Leben

Laut einer Studie von Schweizer Wissenschaftlern verhindern Impfungen gegen verbreitete Krankheiten wie Windpocken, Kinderlähmung, Masern oder Keuchhusten jedes Jahr schätzungsweise sechs Millionen Todesfälle.

2. Tödliche Krankheiten sind ausgerottet - dank Impfungen

Nur eine breite Verfügbarkeit von Impfstoffen hat möglich gemacht, dass es Krankheiten wie beispielsweise die Pocken nicht mehr gibt. Noch bis in die 60er Jahre starben daran jedes Jahr weltweit zwei Millionen Menschen.

Ende der 1940er Jahre, bevor Impfungen verfügbar waren, starben in Deutschland pro Jahr mehrere Tausend Menschen an Kinderkrankheiten wie Diphtherie, Keuchhusten oder Kinderlähmung. Allein in der BRD wurden laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts zum Beispiel 1949 insgesamt 1122 Sterbefälle aufgrund einer Diphtherie registriert.

Mehr zum Thema: Mit diesem Schild bringt ein Berliner Kinderarzt den gefährlichen Irrtum aller Impfgegner auf den Punkt

3. Die Wirksamkeit von Impfungen ist wissenschaftlich erwiesen

Eines der häufigsten Argumente von Impfskeptikern lautet, die Wirksamkeit von Impfungen sei nie belegt worden. Das stimmt nicht. In Deutschland kommen Mittel nur dann auf den Markt, wenn sie geprüft wurden. “Nach geltendem Arzneimittelrecht erhält ein Impfstoff nur dann eine Zulassung, wenn nachgewiesen ist, dass er auch wirksam und verträglich ist”, heißt es dazu auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts.

4. Impfen führt nicht zu Autismus

Gerüchte über angebliche Nebenwirkungen von Impfungen halten sich hartnäckig im Netz - obwohl meist schon eine kurze Recherche ausreicht, um die Schreckensmeldungen zu entkräften.

So etwa die meist verbreitete Lüge, Impfungen könnten bei Kindern Autismus auslösen. Schuld an dem Gerücht ist der Mediziner Andrew Wakefield. Er veröffentlichte 1998 in dem renommierten Fachmagazin “Lancet” eine Studie, in der er Zusammenhänge zwischen einem Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln und Autismus herstellte.

Bis heute werden seine Ergebnisse zitiert, obwohl bereits seit 2010 feststeht, dass die Studie auf gefälschten Daten basiert.

5. Impfstoffe überlasten das Immunsystem der Kinder nicht

Oft heißt es, das Immunsystem sei bei Kindern noch nicht stark genug für Impfstoffe. Laut dem RKI gibt es aber keinerlei Hinweise darauf, dass Impfungen die Immunabwehr überlasten. Auch bei Mehrfachimpfungen ist das nicht der Fall.

“Tatsächlich setzt sich das kindliche Immunsystem, das für diese Aufgabe gut gerüstet ist, tagtäglich mit einer vielfach größeren Menge von Antigenen auseinander, als dies bei Impfungen der Fall ist”, schreiben die Experten.

Mehr zum Thema: Der Zettel in der Praxis einer Heilpraktikerin zeigt, wie absurd die Lügen der Impfgegner inzwischen sind

6. Der natürliche Nestschutz durch die Mutter ersetzt keine Impfung

Bereits eine Schwangere überträgt über den Blutkreislauf Antikörper zum Schutz gegen bestimmte Infektionen auf ihr ungeborenes Kind, das ist richtig. Die Muttermilch gibt dem Baby weitere Abwehrstoffe mit.

Dieser sogenannte Nestschutz sei aber nur in den ersten Lebensmonaten eine Stütze für das Kind, warnt das RKI. Danach sei das kindliche Immunsystem auf sich selbst gestellt. Außerdem helfe der Nestschutz nur bei bestimmten Infektionskrankheiten.

Und: “Die Mutter kann Antikörper nur gegen solche Krankheiten weitergeben, die sie selbst durchgemacht hat oder gegen die sie geimpft wurde – und auch nur dann, wenn bei ihr die Konzentration der Antikörper gegen den betreffenden Erreger noch ausreichend hoch ist.”

7. Wenn Kinder die Krankheit durchmachen, ist das nicht besser als eine Impfung

Ebenfalls ein häufiges Argument von Impfgegnern. Einige Eltern berichten von Entwicklungssprüngen, die ihre Kinder gemacht hätten, nachdem sie eine Infektionskrankheit wie Masern überstanden hätten. Sie schließen daraus, dass sich Kinder, die nicht geimpft sind, schneller und gesünder entwickelten als geimpfte Kinder.

Dazu schreibt das RKI: “Auch die Impfung selbst stellt für das Abwehrsystem einen Stimulus dar und trainiert das Immunsystem. Dementsprechend wäre es ausgesprochen überraschend, wenn geimpfte Kinder generell eine schwächere Konstitution besäßen oder über dauerhaft weniger Abwehrkräfte verfügten.”

8. Kinderkrankheit bedeutet nicht, dass die Krankheit harmlos ist

Viele Infektionen verlaufen harmlos und ohne Folgeschäden. Die Fälle, in denen es zu Komplikationen kommt, sind allerdings umso gravierender. Aktuelles Beispiel Masern: Bei ungefähr einem von 1000 Kindern, die an der Infektionskrankheit erkranken, entwickelt sich laut RKI eine Entzündung des Gehirns. Ärzte sprechen dann von einer Masern-Enzephalitis.

Die Folge können bleibende Hirnschäden sein. In manchen Fällen führt die Entzündung sogar zum Tod. Das Masernvirus schwächt außerdem das Immunsystem der Erkrankten, wodurch weitere Infektionen wie Lungen- oder Mittelohrentzündungen auftreten können.

Vor ähnlichen Folgen warnt das RKI bei anderen Infektionen wie Mumps, gegen die schon im Babyalter geimpft werden kann. Eine Mumps­er­krankung bei jungen Männern kann zu einer Hoden­ent­zündung und im schlimmeren Fall zu einer Fruchtbarkeitsstörung führen.

9. Eine Impfung löst nicht die Krankheit aus, gegen die sie schützen soll

Einige wenige Impfstoffe enthalten noch lebende Erreger - allerdings in stark abgeschwächter Form. Sie können nach Angabe von Ärzten tatsächlich Symptome hervorrufen, die einer Krankheit ähneln.

Praktisch nie aber entwickelt sich daraus eine tatsächliche Erkrankung. Beispiel sind die häufig angesprochenen “Impfmasern”. Rund fünf Prozent der Geimpften bekommen nach etwa einer Woche einen Hautausschlag, manchmal auch Fieber.

“Diese Symptome gehen in der Regel mit der Ausbildung einer guten Immunität gegen Masern einher”, erklärt das RKI.

“Eine voll ausgeprägte Masernerkrankung oder bekannte Komplikationen wie Mittelohr- oder Lungenentzündungen treten nicht auf. Auch die gefürchtete Entzündung des Gehirns, die Masern-Enzephalitis, tritt nach einer Masernimpfung nur in Ausnahmefällen auf.”

Zu Zeiten der Schluckimpfung seien zwar immer wieder Fälle von Kinderlähmung aufgetreten, die durch die Impfung selbst verursacht wurden. Die Schluckimpfung mit diesem Lebendimpfstoff werde daher aber nicht mehr durchgeführt.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

10. Impfen ist nur dann erfolgreich, wenn viele mitmachen

"Wenn Sie ihr eigenes Kind impfen, impfen Sie nicht nur Ihr Kind. Der Schutz trägt zur Kontrolle der Krankheit in der gesamten Bevölkerung bei", sagte Elizabeth Edwards, Professorin für Kinderheilkunde und Direktorin des Vanderbilt Vaccine Research Program im US-Bundesstaat Tennessee, vor einiger Zeit dem britischen “Guardian”.

Aus einer Grafik in demselben Artikel geht hervor: Nur wenn ein sehr hoher Prozentsatz der Bevölkerung (mindestens 90 Prozent) geimpft ist, kann eine Krankheit wie Masern wirkungsvoll eingedämmt werden.

Manche Experten gehen sogar von einem noch höheren Prozentsatz aus. "In der Bevölkerung muss eine Immunität von 95 Prozent vorhanden sein, um lange Infektionsketten zu verhindern und einen Herdenschutz aufzubauen”, sagte Dorothea Matysiak-Klose vom Robert Koch-Institut gegenüber “Zeit Online”.

Bis 2015 sollten die Masern in Deutschland eigentlich ausgerottet sein - das war das erklärte Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Unwahrheiten, die Impfgegner verbreiten, sind maßgeblich schuld daran, dass das nicht geglückt ist.

Das könnte euch auch interessieren: Vorsicht: Das dürft ihr auf keinen Fall tun, wenn ihr krankgeschrieben seid

Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

(ks)

Korrektur anregen