POLITIK
01/03/2017 15:51 CET | Aktualisiert 01/03/2017 19:28 CET

Wieso dieses Bild für Riesenärger zwischen Erdogan und Trump sorgen könnte

Twitter / Centcom
"Wieso dieses Bild für Riesenärger zwischen Erdogan und Trump sorgen könnte

  • Das US-Zentralkommando hat ein Foto vom Training kurdischer Kämpferinnen gepostet

  • Für die Türkei ist das ein Affront

  • Denn die Türkei will, dass die USA die Kurden nicht mehr unterstützen

In einigen Punkten sind sich der US-Präsident Donald Trump und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan erstaunlich ähnlich. Sie beide nehmen in Reden selten ein Blatt vor den Mund, sie fühlen sich von den Medien missverstanden – und sie sehen sich als Vorkämpfer gegen den Terrorismus.

Das betonte Trump auch in seiner Rede vor dem Kongress am Dienstag. Der US-Präsident tönte, er wolle die Terrormiliz IS "vollständig besiegen“ – wie jedoch, erklärte er nicht.

Antworten darauf könnten derweil Fotos liefern, die das US-Zentralkommando am Dienstag bei Twitter veröffentlichte. Das befürchtet man zumindest in der Türkei. Dort ist man geradezu erbost über die Bilder der US-Armee.

"Bereit für den Kampf“, ist eines der Fotos überschrieben. Es zeigt weibliche Kämpferinnen der kurdischen YPG-Miliz in Syrien. Die Kurden werden von US-Soldaten für den Kampf gegen den IS trainiert.

Erdogan will Trump als Partner gewinnen

Wo liegt das Problem?

Die Türkei fordert die USA seit Monaten dazu auf, sich von der YPG, einer PKK-nahen Organisation, zu distanzieren. Der türkische Präsident Erdogan hofft, mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump gemeinsam gegen den IS kämpfen und den kurdischen Einfluss im Norden Syriens eindämmen zu können.

Die neu veröffentlichten Fotos könnten ein Dämpfer für diese Hoffnung sein. Denn sie kommen zu einem brisanten Zeitpunkt.

Wenige Stunden bevor das Zentralkommando den Tweet absetzte, hatte Erdogan in Ankara verlauten lassen, die Türkei plane mit verbündeten syrischen Rebellen einen Angriff auf die nordsyrische Stadt Manbidsch.

Manbidsch war im Sommer vergangenen Jahres von größtenteils kurdischen Einheiten unter US-Unterstützung von der IS-Miliz erobert worden. Bereits damals führte die Eroberung zu Streit zwischen Ankara und Washington.

Der könnte jetzt eskalieren.

USA und die Türkei könnten zusammenstoßen

Die Türkei fordert vehement, dass sich die Kurden, die immer noch einen großen Teil des syrisch-türkischen Grenzregion kontrollieren, auf die Westseite des Flusses Euphrat zurückziehen.

Trump reagierte bislang nicht.

Dabei ist nicht einmal ausgeschlossen, dass sich die USA unter Trump von den kurdischen Milizen lösen. In Vergangenheit betonte er mehr als ein Mal, keine Kämpfer bewaffnen zu wollen, „von denen wir nicht wissen, wer sie sind“.

Neue Allianzen mit entweder der Türkei oder Russland wären möglich. Bevor es jedoch zu einer solchen kommt, wäre ein Angriff türkischer Truppen auf Manbidsch jedoch ein Affront.

Erdogan erklärte am Dienstag: "Es ist Zeit für Manbidsch, das den Arabern gehört und nicht der YPG.“ In Washington scheint man das noch immer anders zu sehen.

Vergangene Woche besuchte der US-General Joseph Votel die Truppen der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die sich zum großen Teil aus YPG-Kämpfern zusammensetzen. Bei dem Besuch ging es auch um die Befreiung der IS-Hochburg Rakka, die ebenfalls auf Erdogans To-Do-Liste steht. Konflikte in den kommenden Wochen scheinen vor diesem Hintergrund unausweichlich.

Trump äußerte sich bislang nicht über seine Strategie im Syrienkrieg. Vor dem Kongress erklärte er, sein Verteidigungsminister Jim Mattis arbeite an einem Schlachtplan gegen den IS.

Die türkischen Medien haben sich indes bereits auf die Trump-Regierung eingeschossen. Die englischsprachige Ausgabe der türkischen Zeitung "Sabah“ schrieb über die brisanten Fotos der jungen YPG-Kämpferinnen: "Das US-Zentralkommando unterstützt YPG-Terroristen und fördert Kindersoldaten“.

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