Trump inszeniert den Auftritt dieser Soldaten-Witwe. Die Geschichte dahinter bringt Veteranen zur Weißglut

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CARRYN OWENS
Trump inszeniert den Auftritt dieser Soldaten-Witwe. Die Geschichte dahinter bringt Veteranen zur Weißglut | Kevin Lamarque / Reuters
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  • Bei seiner Kongress-Rede hat sich Trump plötzlich an die Witwe eines Soldaten gewandt
  • Ihr tränenreicher Auftritt war offenbar sorgfältig geplant
  • Trump verfolgte dabei seine ganz eigenen Interessen

Für seine Rede im US-Kongress hatte sich Donald Trump mehrere Gäste eingeladen. Darunter war auch die Witwe eines Soldaten, der im Jemen ums Leben kam - bei einem Einsatz, den Trump angeordnet hatte. Ihr Auftritt war hoch umstritten.

Der Soldat war im Januar bei einer Bodenoperation von Spezialkräften gegen Al-Kaida-Mitglieder im Jemen getötet worden. Die Kommandoaktion war die erste, die Trump in seiner noch jungen Amtszeit autorisiert hatte.

Ihr Mann, William Ryan Owens, sei als Held gestorben, sagte Trump zur Witwe in der Nacht zu Mittwoch in Washington. Carryn Owens saß während der Rede neben Trumps Tochter Ivanka und reagierte sichtlich bewegt. Andere Gäste standen auf und applaudierten.

Der Auftritt der Witwe war offenbar sorgfältig geplant

Daraufhin sagte Trump: "Ryan schaut gerade auf uns herab (...) und er ist sehr glücklich, weil er gerade einen Rekord gebrochen hat."

Der Auftritt der Witwe war offenbar sorgfältig geplant. Mir ihm wollte Trump die Kritik an dem gescheiterten Militäreinsatz im Jemen verstummen lassen. Der Einsatz war bereits unter der Vorgängerregierung geplant worden. Beobachtern zufolge ging dabei sehr viel schief. Neben Owens kamen mehrere Zivilisten ums Leben.

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Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete nach dem Einsatz unter Berufung auf Militärkreise, dass intern die schlechte Vorbereitung des Einsatzes für die hohe Zahl der zivilen Opfer verantwortlich gemacht wird.

Der Reuters-Bericht belastete Trump schwer. Demnach habe Trump die Aktion "ohne ausreichende Information, Bodenunterstützung und angemessene Sicherheitsvorkehrungen" genehmigt. Daher hätten sich die Soldaten der Navy Seals bei ihrem Einsatz vor einem stärker gesicherten Al-Kaida-Lager wiedergefunden, als sie zunächst angenommen hatten.

Trump erklärte die Operation plötzlich zum Erfolg

Der Vater des getöteten Navy Seal hatte Trump kürzlich in einem Interview des "Miami Herald" scharf kritisiert. Er warf dem Präsidenten vor, sich hinter seinem Sohn zu verstecken, um eine Ermittlung zu der Operation zu verhindern.

"Ich will eine Ermittlung", sagte Bill Owens der Zeitung. Er habe es abgelehnt, Trump zu treffen, als der Sarg mit seinem Sohn in den USA eingetroffen sei.

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Jetzt nutze Trump den Auftritt der Witwe aus, um sich reinzuwaschen. Er erklärt die Operation im Nachhinein zum Erfolg: "Ich habe gerade zu General Mattis gesprochen, der mit bestätigt hat, und ich zitiere, dass Ryan Teil einer hoch erfolgreichen Razzia war, bei der große Mengen wichtiger Informationen gesammelt wurden, die zu weiteren zukünftigen Siegen gegen unsere Feinde führen werden."

Auf Twitter reagierten Soldaten und Veteranen empört über dieses politische Manöver.

Steve Chapman, ein Kolumnist der "Chicago Tribune", nannte die Veranstaltung "schamlos".

Mit Material der dpa

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(mf)

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