Dänemark hat seine Lebensmittelverschwendung um 25 Prozent reduziert - dank dieser Frau

Veröffentlicht: Aktualisiert:
JUUL
Inzwischen ist Selina Juul für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet worden. | Commons
Drucken

Zwei Eigenschaften sind bei Selina Juul besonders ausgeprägt: Durchsetzungswille und Idealismus.

Damit hat die junge Russin etwas ziemlich Erstaunliches geschafft: In ihrer neuen Heimat Dänemark Lebensmittelverschwendung um 25 Prozent zu senken. Und das in nur fünf Jahren.

"Ich komme aus einem Land, in dem wir täglich mit Lebensmittelengpässen zu kämpfen hatten“, sagte die 36-jährige Selina Juul in einem Interview mit der BBC.

Als Juul 13 Jahre alt war, wanderten ihre Eltern nach Dänemark aus. Aufgewachsen unter den schwierigen Bedingungen der 80er Jahre in Russland fand sich Juul plötzlich in einem Land wieder, in dem es Hunger und Lebensmittelknappheit nicht zu geben schien.

Juul wollte das Konsumverhalten der Dänen radikal verändern

Beeindruckt und gleichermaßen schockiert vom Konsumverhalten vieler Dänen entschloss sie sich, etwas gegen das Problem der Lebensmittelverschwendung zu unternehmen.

bananen
Jährlich werden 1,3 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Credit: iStock

2008 gründete sie die Organisation "Stop Spild Af Mad“ , was übersetzt so viel wie "Stoppt die Lebensmittelverschwendung“ heißt.

Der Erfolg der Kampagne ist durchschlagend

Ihre Idee das Konsumverhalten in Dänemark zu verändern, war einfach und genial: Juul schaffte es, die größte Discounter-Kette des Landes, Rema 1000, davon zu überzeugen, weniger Mengenrabatte anzubieten, sondern Rabatte eher auf Einzelprodukte zu geben.

Das bedeutet: Die Banane ist nicht günstiger, wenn der Kunde sie im Dreierpack kauft, sondern wird einzeln herabgesetzt. Denn wenn große Mengen im Angebot sind, kaufen die Kunden sie auch, obwohl sie vielleicht nur einen Teil davon essen können und den Rest wegwerfen.

Die Kampagne hatte nachhaltigen Erfolg. Max Skov Hanser, ein Filialleiter von Rema 1000, berichtete gegenüber BBC von erstaunlichen Ergebnissen.

Zuvor seien zwischen 80 und 100 Bananen pro Filiale einfach weggeworfen worden. Als der Supermarkt nach Juuls Anweisungen jedoch ein Schild mit "Nimm mich mit, ich bin Single“ aufstellen ließ, fanden laut Hanser 90 Prozent weniger Bananen ihren Weg in die Tonne.

"Die Konsumenten sind das Problem“

Juul glaubt, dass das das Hauptproblem bei den Konsumenten selbst liegt. Sie seien die größten Verschwender. "Wer Lebensmittel verschwendet, hat keinen Respekt vor der Natur, vor der Gesellschaft, vor den Bauern, vor den Tieren – und vor unserer Zeit und unserem Geld“, sagte sie der BBC.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Bei den Wirtschaftsgrößen in Dänemark kommt Juuls Vorstoß gut an. "Sie ist die typische Russin, die plötzlich in deiner Tür steht und dir ihren Standpunkt klar macht“, erzählt Maria Noel, Direktorin eines großen Einzelhändlers.

"Sie war sehr resolut, doch ihr ist es am Ende zu verdanken, dass sich das Kauf- und Konsumverhalten der Dänen signifikant verändert hat“, sagte sie gegenüber der BBC. Zwischen 2010 und 2015 konnte Dänemark die Lebensmittelverschwendung um 25 Prozent senken. Ein Verdienst, der maßgeblich auf Juuls Arbeit zurückzuführen ist.

Juul ist inzwischen von der dänischen Regierung für ihre Arbeit ausgezeichnet worden. 2014 wurde sie von der größten dänischen Tageszeitung, "Berlingske", zur "Dänin des Jahres“ gekürt.

Seit 2010 hat sie über 150 Artikel über das Thema Lebensmittel und Nachhaltigkeit verfasst, unter anderem auch in der US-Ausgabe der Huffington Post. Außerdem schrieb sie ein Kochbuch über kreative Kochideen für Resteverwertung.

Der Verschwendungswahnsinn muss gestoppt werden

Laut einer Statistik der Organisation für Nahrungsmittel und Agrarwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) leiden auf der Erde 925 Millionen Menschen Hunger - und das, obwohl jährlich rund 1,3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel weggeschmissen werden.

Mit dieser Menge alleine, könnte man drei Milliarden Menschen ernähren - und das Problem des Welthungers lösen. Juul setzt sich mit ihrer Non-Profit Organisation dafür ein, diesen Wahnsinn zu stoppen.

Dank ihrem Idealismus zählt Dänemark inzwischen europaweit zu den führenden Ländern im Kampf gegen die globale Lebensmittelverschwendung.

Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace..

(lk)