Frauen werden auf dem Kölner Karneval belästigt - die Polizei will nicht wahrhaben, wer die Täter sind

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COLOGNE NIGHT
In Köln wurden die vier Freundinnen angegriffen (Symbolbild) | Westend61 via Getty Images
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  • Vier Freundinnen sind an Karneval in Köln sexuell belästigt worden
  • Bei der Aufnahme der Anzeige sollen die Frauen gefragt worden sein, ob die Täter Nordafrikaner seien

Köln, Großereignisse und sexuelle Übergriffe - das Image der Rhein-Metropole ist nicht gerade gut. Und wenn dann alles zusammenkommt, so hat es sich offenbar in einigen Köpfen festgesetzt, dann müssen auch irgendwie Nordafrikaner damit zu tun haben.

Darauf lässt jedenfalls das Verhalten einer Polizistin schließen, von dem eine junge Frau bei Facebook berichtet.

Illjana G., wie sie sich auf der sozialen Plattform nennt, feierte zuvor mit drei Freundinnen die Weiberfastnacht in Köln. Der Spaß endete plötzlich, als sie zur U-Bahn gingen. Denn die Freundinnen seien von vier Männern "sexualisiert angegangen und danach brutal geschlagen worden", schreibt die Frau.

Bei der Polizei fühlte sie sich als Opfer

An den Vorfall hat G., wie sie es selbst formuliert, nur "chaotische Erinnerungen". Die junge Frau und eine Freundin sollen sich heftig gewehrt haben. Nach vielen Drohungen schafften es die vier Frauen, zu entkommen und mit einer U-Bahn zu fliehen.

Am Tag danach erstatteten die Geschädigten Anzeige bei der Polizei in Bonn. "Die Anzeigenaufnahme bei der Polizei war der erste Zeitpunkt nach 24 Stunden, an dem ich mich so richtig als Opfer fühlen musste", schrieb Illjana G.

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Die Polizistin bohrte nach

Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizistin: "Als die Beamtin von uns erfuhr, dass die Täter weiß waren, bohrte sie mehrfach mit Begriffen wie 'Nordafrikaner' nach - es war klar, was sie von uns hören wollte."

Irgendwann soll die Beamtin laut dem Facebook-Post eingesehen haben, dass der Vorfall nicht dem Schema der Silvesternacht 2016 glich, und stellte "genervt fest, dass die Täter dann wohl 'Deutsche' gewesen seien". Die Frauen selbst fühlten sich aber gar nicht in der Lage etwas über die Nationalität der Männer zu sagen. Woran erkennt man denn, dass ein Mensch die deutsche Staatsangehörigkeit hat?

Man einigte sich auf "deutsch" aussehend.

Auch dass es sich für die Frauen um eine sexualisierte Tat handelt, sei von der Beamten wohl nicht erfasst worden - obwohl darüber gesprochen worden sei. Die Begründung der Beamte soll demnach folgende gewesen sein: Die Freundinnen hätten erzählt, dass die Täter ihnen an die Brust und nicht an die Brüste gegriffen haben.

Nach einer längeren Diskussion soll der Satz dann gänzlich gestrichen worden sein.

Mehr zum Thema: Artikel, die sich gegen "Gewalt gegen Frauen" richten, findet ihr bei der Huffington Post hier

Polizei ermittelt - und befragt auch die Polizei

Die Facebook-Nutzerin hofft darauf, dass die Polizei gegen die Beamtin ermitteln werde.

Ein Sprecher der Polizei Bonn sagte der "Taz" zumindest, man gehe dem Fall nach. Zuerst wolle man aber die Version der beteiligten Beamtin hören. Dass es die wiederholten Nachfragen nach den 'Nordafrikanern' gegeben habe, könne er zu diesem Zeitpunkt weder bestätigen noch ausschließen.

Es ist nicht leicht, über derart schlimme Erfahrungen zu sprechen. Frauen, denen Ähnliches passiert ist, können sich jederzeit und kostenfrei an die Hotline des karitativen Vereins "Weisser Ring" unter 116 006 wenden. Der bundesweit tätige Opferverein unterstützt Menschen, die Opfer von Gewalt wurden.

(lp)

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